Aulakonzert - dieses Mal nicht in der Aula
Große Kunst am Flügel

Greven -

Nur wenige Musikliebhaber kennen das umfangreiche Klavierwerk von Leopold Godowsky. Dadurch nimmt das Konzert mit dem Pianisten Wolfgang Klesius im Rahmen von „Greven Klassik“ am Sonntag wohl eine Sonderstellung ein. Denn dieses Benefizkonzert für den erstrebten Steinway-Konzertflügel ist im Konzertbetrieb wohl einzigartig. Die Musik dieses legendären Titanen der Klaviermusik hört man nur äußerst selten.

Dienstag, 10.10.2017, 06:10 Uhr

Wolfgang Klesius konnte auf dem Steinway-Flügel einen großen Farbenreichtum zaubern.
Wolfgang Klesius konnte auf dem Steinway-Flügel einen großen Farbenreichtum zaubern. Foto: Axel Engels

Das von Wolfgang Klesius gewählte „Triakontameron, 30 Stimmungen im Dreivierteltakt“ haben wohl die meisten der leider nur 50 Besucher sicherlich zum ersten Mal gehört. Leopold Godowksky war zu seiner Zeit ein wahrer Meister der virtuosen Pianistik. Seine Studien über die Chopin-Etüden sind an spieltechnischen Schwierigkeiten wohl nicht zu überbieten.

In den Jahren 1919 bis 1920 entstanden die Stimmungsbilder des Zyklus, mit dem Wolfgang Klesius das Publikum in eine ganz eigene Musikwelt entführte. Ähnlich wie die Transkription von Vladimir Horowitz über „The Stat-Spangled Banner“ endet auch diese Sammlung mit einer hochvirtuosen Paraphrase über die amerikanische Nationalhymne. Die in relativ kurzer Zeit komponierten Stimmungen sind aber mit den hochvirtuosen, für das Publikum nur bedingt interessanten, Etüden-Bearbeitungen nicht zu vergleichen. Denn Leopold Godowsky hat in ihnen nicht zeigen wollen, was auf dem Klavier alles möglich ist, sondern sich ganz der malerischen Schilderung von Stimmungen und Orten gewidmet.

Wolfgang Klesius spielte die 30 Stücke mit genau den passenden Pausen, damit bei den Zuhörern der jeweilige Charakter „nachwirken“ und so seine ganze Wirkung entfalten konnte. Bei den teilweise vom Jazz inspirierten Stücken kam der rhythmisch lebendige und harmonisch innovative Charakter sehr deutlich hervor.

Bis ins kleinste Detail passend war die Interpretation durch Wolfgang Klesius, der den lyrischen Charakter und die elegante Melodieführung betonte und so der feingliedrigen Struktur der einzelnen Werke ein lebendiges Gewand verlieh. Wo über rauschenden Begleitfiguren eine wunderbare Melodie erstrahlt, da sind die pianistischen Anforderungen fast nicht zu hören.

Wolfgang Klesius schaffte es, den Spannungsbogen immer zu erhalten. Für das Publikum war diese Lehrstunde in feiner Pianistik dadurch trotz der „unbekannten“ Werke ein Erlebnis. Wolfgang Klesius konnte auf dem Steinway-Flügel einen großen Farbenreichtum zaubern. Das war schon große Kunst.

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