Reckenfelder Folknacht
Mehr als nur Reels und Jigs

Reckenfeld -

Irische Nächte mit „CRASHandOH“ im evangelischen Gemeindezentrum haben eine langjährige Tradition. Am Freitag verwandelten Rainer Zinke, Ralf Weihrauch, Wolfgang Hammelmann und Johnas Liesenfeld den Saal in einen intimen irisch-schottischen Pub, in dem das Guiness vom Fass den Gaumen verwöhnte und die Musik einfach jeden der vielen Besucher in ihren Bann zog.

Sonntag, 05.11.2017, 15:11 Uhr

Altbekannte Musiker: Die vier Musiker von „CRASHandOH“ sorgen immer wieder für tolle Stimmung im Gemeindesaal.
Altbekannte Musiker: Die vier Musiker von „CRASHandOH“ sorgen immer wieder für tolle Stimmung im Gemeindesaal. Foto: Axel Engels

Aus Herten im tiefsten Ruhrgebiet hatten sie sich auf dem Weg nach Reckenfeld gemacht, um mit ihrer spritzig mitreißenden Musik den Liebhabern bester, von Hand gemachter Folkmusik ein wunderbares Musikerlebnis zu schenken. Mit den allseits bekannten Sauf- und Trinkliedern stieg die Stimmung schnell bis weit über den Siedepunkt.

Aber „CRASHandOH“ können mehr als nur Sauf- und Trinklieder, mit ruhigen Balladen sorgten sie zwischendurch immer wieder für melancholische Momente. Die vier Musiker spielen schon so lange zusammen, da durften auch gegenseitige Sticheleien natürlich zur Anmoderation nicht fehlen. Besonders zwischen dem „Frontschwein“ Rainer Zinke und dem „Kraftwerk“ Ralf Weihrauch entwickelten sich solche köstlich unterhaltsam gespielte Dispute, die sich natürlich beim Musizieren dann immer auflösten.

Irische Musik hat viel mehr Schattierungen und Facetten als nur die bekannten rasanten Reels und Jigs, die man von den Dubliners so kennt. Die Sehnsucht irischer Auswanderer und Seeleute brachten die vier Musiker in den Balladen gekonnt unters Volk. Da sah man quasi Bilder von den weiten grünen Ebenen, den einsamen Stränden und der rauen See. Man erlebte bei „Maries Wedding“ eine irische Hochzeit, ging gemeinsam zu einer Beerdigung und „lästerte“ als Geist in der Kirche über die Trauergemeinde.

„Leaving of Liverpool“ und „Wiskey in the yar“ wurde an diesem Abend bei einem Glas Guinness zum Synonym für alle vom Alkohol getränkten Seelen. Altbekannte Songs wie „The Ferrymann“, „Lord of the dance“ oder „Das Steigerlied““ mit dem Geruch vom Kohlenstaub gedeckter Bergarbeiter durften natürlich nicht fehlen. Aber auch eine von folkloristischen Alpenweisen durchtränkte Version nach altem Text wurde begeistert aufgenommen.

Den uralten irischen und schottischen Liedern haben „CRASHandOH“ ein neues Outfit gegeben. Sie erklingen bei diesen Vollblutmusikern rasanter, ohne dabei ihren typischen Charakter zu verlieren. Ralf Weihrauch tobte sich an seinem schwarz-roten Akkordeon aus, hatte sich vor dem Konzert im Fitnessstudio sogar die passende Kondition für diese schweißreibende Nacht erarbeitet. Sogar an der Tin-Whistle zeigte er sich als rasanter Virtuose. Rainer Zinke wusste mit Gitarre, Bass und Bodhran sowie seiner ausdrucksstarken Stimme jedem Song das passende Gewand zu geben, wurde dabei von Wolfgang Hammelmann mit exquisiter Saitenkunst bestens unterstützt. Wenn dann noch Johnas Liesenfeld sich als wahrer Teufelsgeiger einbrachte, war das Vergnügen im Reigen dieser inspirierenden Musik perfekt.

Solch ein Abend hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler – die Zeit verging einfach viel zu schnell und dadurch war einfach „viel zu kurz“.

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