Die Geschichte der Rote-Mühle-Party
Back to Rock and Soul

Greven -

Die Rote-Mühle-Party ist Kult in Greven – so, wie die Rote Mühle Kult war. Eine Zeitreise in die 70er Jahre.

Donnerstag, 16.11.2017, 12:11 Uhr

Werner Heiring hat in seiner Studentenzeit in der Roten Mühle aufgelegt. Die alten Platten hat er noch alle. Selbst eine alte Tonbandmaschine aus der Zeit funktioniert noch
Werner Heiring hat in seiner Studentenzeit in der Roten Mühle aufgelegt. Die alten Platten hat er noch alle. Selbst eine alte Tonbandmaschine aus der Zeit funktioniert noch Foto: Peter Beckmann

Die Idee? Die hatte Willi Meibeck. Der ehemalige und inzwischen verstorbene Vorsitzende der Kulturinitiative sprach Werner Heiring damals an. „Hast Du eigentlich noch die ganzen Platten von früher?“ Heiring hatte sie noch. Und schnell war der Plan geschmiedet. Eigentlich für eine einmalige Sache. Denn beide waren sich nicht sicher, ob da überhaupt jemand Interesse hat. Aber: Schon beim ersten Mal war die Rote-Mühle-Party im Nullkommanix ausverkauft. Am Samstag steigt nun die 13. Ausgabe der Kultveranstaltung.

Kult – mit diesem Begriff ist man heutzutage schnell bei der Hand. Aber: Bei dieser Veranstaltung passt es. Denn schon die Rote Mühle selber war noch zu „Lebzeiten“ Kult. Viele alteingesessene Grevener kennen die Diskothek noch, die damals an der Konradstraße stand. Etwa da, wo sich heute die Straße „An der Martinischule“ und die Fußgängerzone treffen. Dort stand die Diskothek, die selbst aus Münster Publikum anlockte.

1970 wurde die „Mühle“, wie sie kurz genannt wurde, von Conny Ernst eröffnet. Täglich war die Diskothek bis 1 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 3 Uhr. Und: Es war immer etwas los. Und das, obwohl es neben der Mühle auch noch die Diskotheken Renger (mehr Schlager-orientiert) und Niagara an der Friedrich-Ebert-Straße gab.

Täglich legte ein DJ Musik in der Mühle auf. Es war ein ganz großer Zufall, dass Conny Ernst zufällig an dem Tag Werner Heiring in der Stadt traf, an dem sein DJ die Mücke gemacht hatte. Und hinzu kam, dass sich Heiring bei Ernst über die Musik beschwerte. Damals wurde viel Glamrock a la Garry Glitter, Sweet und Slade gespielt. „Dann mach es doch besser“, antwortete Conny Ernst – und hatte einen neuen DJ.

Werner Heiring war damals Student der Wirtschaftswissenschaften und der Politik und verdiente sich von Ende 72 bis Ende 76 sein Studium. Zunächst an sechs Abenden die Woche, dann nur noch an vier Abenden. „Das habe ich geschafft, ohne ein Semester zu verlieren“, erzählt der pensionierte Bundesbankdirektor stolz.

Heiring machte zunächst da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hatte. Doch dann wechselte die Musik – und das in einer ganz bestimmten Reihenfolge. Zunächst wurde Soul gespielt. „Das gab es eigentlich nirgendwo, ich habe Platten gespielt, die es nirgendwo zu kaufen gab“, erzählt Heiring. Die Platten bekam er von einem DJ aus Düsseldorf, der Beziehungen zu den Soul-Labels hatte. Dann, am späteren Abend, gab es Disco-Musik. Zum Schluss wurde es rockig.

Eine Mischung, die gefiel. Die Soul-Musik zog viele Studenten aus Münster an, die Grevener Diskothek war im gesamten Münsterland bekannt.

Für Heiring war das neben dem Vergnügen an der Musik natürlich auch Arbeit. „Alkohol? Daran war für mich nicht zu denken“, erinnert er sich an die Zeit. Denn die Leute wollten unterhalten werden und auf den Punkt ihre Musik hören. „In der Disco war es dunkel. Da brauchte man schon eine ruhige Hand und ein gutes Auge, um die Nadel an der richtigen Stelle der LP zu platzieren“, erklärt Heiring.

Stammgäste in der Grevener Diskothek waren übrigens auch die Spieler von Preußen Münster, die damals um den Aufstieg in die Erste Bundesliga kämpften. „Die hatten schon ein paar Mal Ärger bekommen, als sie in Münster ausgegangen waren und erkannt wurden. Deswegen kamen die nach Greven“, erzählt Heiring. Ob es daran lag, dass der Aufstieg ein Traum blieb?

Bis Ende 1976 blieb Heiring als DJ in der Mühle, 1978 ging Conny Ernst nach Münster und eröffnete dort den Club Leo. Die Mühle übernahmen zwei Frauen – Maggie und Margret – bis die Diskothek Anfang der 80er Jahre der Stadtkernsanierung zum Opfer fiel und abgerissen wurde.

Am Samstag lebt die alte Zeit wieder auf. 350 Menschen haben Glück gehabt und eine Eintrittskarte für die Rote-Mühle-Party ergattert. Ab 20.30 Uhr wird es dann wieder wie früher: Soul, Disco, Rockmusik. „Irgendwelche Gassenhauer oder Helene Fischer brauch‘ ich da nicht spielen, dann gibt‘s Ärger, das würden mir die Leute nie verzeihen“, weiß Fatty Heiring, wie er seit seiner Mühle-Zeit genannt wird.

Kulturschmiede und Kesselhaus werden wie immer von den Freiwilligen der Kulturinitiative mit viel Liebe in die Rote Mühle verwandelt. „Die schaffen da eine richtig tolle Atmosphäre“, ist Fatty ganz begeistert. Ja und dann – dann wird getanzt. „Es ist unglaublich, da sind einige Gäste dabei, die tanzen den ganzen Abend durch, sind schweißgebadet und am Ende der Fete völlig fertig“, erzählt Heiring. „Aber an den Augen sieht man, dass sie glücklich sind.“

Grundsätzlich sei die Musik ein Grund dafür, dass so viele bei der Rote-Mühle-Party dabei sein wollen. „Diese Musik wird ja auch nirgendwo mehr gespielt.“ Fatty selbst legt zwar den ganzen Abend die Musik auf. Aber er genießt ihn trotzdem. „Die Leute sind stilvoll gekleidet, viele kennen sich untereinander, das hat fast den Charakter eines richtig guten Klassentreffens.“ Das Alles ist eben Kult – wie die Rote Mühle selbst es einmal war.

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Wer sich am Samstag davon überzeugen will, hat noch eine Chance. Denn: Unsere Zeitung verlost drei mal zwei Karten. Unter allen Einsendungen bis Freitag, 15 Uhr (Karte an Marktstraße 45, Email an redaktion.gre@zeitungsgruppe.ms) werden die Gewinner ausgelost. Die Namen werden in der Samstagsausgabe veröffentlicht.

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