Irish Folk bei Öppe
Hühnerpelle im Nebel

Greven -

Westfälisch-irische Weihnachtsvorfreude mit den GoodNightFolks bei „Öppe“, auch im neunten Jahr in Folge ist das ein Straßenfeger.

Sonntag, 17.12.2017, 17:12 Uhr

Die Band versinkt phasenweise völlig im Nebel. „The foggy dew“ bekommt so die Extraportion Authentizität.
Die Band versinkt phasenweise völlig im Nebel. „The foggy dew“ bekommt so die Extraportion Authentizität. Foto: Stefan Bamberg

Um kurz vor Mitternacht horchten sogar die Opas am Tresen auf. Die sturen Münsterländer. Jene, die wohl heute nur hier sind, weil sie halt jeden Freitagabend hier sind. Die eigentlich gerade gehen wollen, nach dem allerletzten Pils. Das Akkordeon hält sie auf. Ein leises Intro. Es ist jetzt fast stockdunkel. Wo vor wenigen Minuten noch so richtig die Kuh flog, wo sie von „Seven drunken nights“ grölten, kehrt Stille ein. „Glück auf, Glück auf . . .“, stimmt Hinnerk Willenbrink an.

Das ist er, der kleinste gemeinsame Nenner in Sachen Gänsehaut-Musik: „Das Steigerlied!“, raunen die eingangs erwähnten Männer – und bleiben. Überhaupt: Nach Hause? Geh’n wir noch lange nicht. Wer eine Karte ergattern konnte, nimmt alles mit: den wilden Schwof, das beschwingte Geschunkel, die dummen Sprüche. Und eben die Momente für Hühnerpelle.

Westfälisch-irische Weihnachtsvorfreude mit den GoodNightFolks bei „Öppe“, auch im neunten Jahr in Folge ist das ein Straßenfeger. Alles geht so schnell, so vieles ändert sich im Laufe eines Jahres – die vier Folks kurz vorm Fest sind die Konstante: Christian Pieper am Bass, der Mann mit den nervösen Fingern und dem ruhigen Stellungsspiel. Martin Burgholz, der Einheizer und Hinrichter der Mandolinen. Hinnerk Willenbrink, Gitarrist, Sänger und im Nebenberuf Rampensau. Ach ja, und natürlich Dirk van Aaken an allem, was Tasten hat. Oder Glocken. Am Ende eines jeden Sets ist’s nämlich wieder so weit: „Rudolph, the red nosed reindeer“, „O, Du Fröhliche“, „Let it snow“ – van Aaken holt die selbst gebauten Glocken raus. Die diesjährige Story dazu: Er habe in Hotels die Rezeptionsklingeln mitgehen lassen. „Leider hab ich aber diesmal vorher nicht so viel geübt“, gibt er zu. Macht nix, Glöckchen bimmeln ist wohl wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht. Die Vier stellen detaillierte Überlegungen an, wie man van Aakens gefeiertes Solo in den nächsten Jahren mit noch mehr Sexappeal gestalten könnte – keine Bilder, wir wollen keine Bilder!

Gerne aber Musik, ganz viel Musik: Den „Wild rover“, den „Ferryman“, das bildhübsche „Galway Girl“, natürlich die „Fields of Athenry“ – einfach nur cool.

Wohl eher ungewollter Hingucker: Die Band versinkt phasenweise völlig im Nebel. Sieht ein bisschen so aus, als würde gleich ein Schiff untergehen, im dichten Dunst zwischen Irland und Schottland. „The foggy dew“ kriegt so die Extraportion Authentizität. Und kann doch nicht ganz mithalten mit dem Augenblick, als es still wird, dem „Steiger“-Moment. Die GoodNightFolks feiern Weihnachten – und sie haben ihr helles Licht bei der Nacht. Schon angezünd’t. Schon angezünd’t.

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