Besuch in der Tankstelle
24 Stunden Sprit, Kaffee und Trost

Greven -

24 Stunden, an allen Tagen des Jahres. Das Leben an der Tankstelle geht immer weiter. Uwe Küster berichtet von seiner abendlichen Schicht.

Donnerstag, 21.12.2017, 00:12 Uhr

Die Glimmstängel sind eines der Angebote, die die Kunden 24 Stunden am Tag in die Westfalen-Tankstelle locken. Uwe Küster, einer der zahlreichen Mitarbeiter, ist gelernter Koch und hat immer einen Tipp parat, wie aus den vorhandenen Zutaten ein schnelles Essen gezaubert werden kann.
Die Glimmstängel sind eines der Angebote, die die Kunden 24 Stunden am Tag in die Westfalen-Tankstelle locken. Uwe Küster, einer der zahlreichen Mitarbeiter, ist gelernter Koch und hat immer einen Tipp parat, wie aus den vorhandenen Zutaten ein schnelles Essen gezaubert werden kann. Foto: Monika Gerharz

„Ein Coffee to go.“ – „Zwei Camel.“ – „Die Nummer drei und ein Energiedrink.“ – „Eine Cola und zwei Landjäger.“ Ohne Pause kommen die Kunden, Uwe Küster hat alle Hände voll zu tun. Es ist kurz vor halb zehn. „Viele Kunden gehen jetzt zur Nachtschicht“, sagt der Tankwart, Lebensmittelverkäufer und Wirt in Personalunion. Vor der Arbeit versorgen sich viele an der Westfalentanke an der Königstraße mit dem nötigen Proviant.

An der kleinen Theke sitzt ein Gast und spielt auf seinem Smartphone. „Musst Du nicht auch weg?“, fragt Küster. „Urlaub“, entgegnet der Kunde und lässt sich einen zweiten Latte macchiato einschenken. „Ein bisschen mehr Freundlichkeit!“, fordert er augenzwinkernd vom Tankwart. „Für alle, aber nicht für Dich“, frotzelt Küster zurück. Man kennt sich, der Gast kommt seit 20 Jahren fast jeden Tag auf einen Kaffee und einen Plausch. „Es ist hier wie im Ruhrgebiet in den Trinkhallen“, meint er. „Oder wie ein Tante-Emma-Laden. Hier erfährt man so viel wie aus der Zeitung.“

Der hellerleuchtete Raum mit seinen Glasfronten leuchtet wirklich wie eine lang gesuchte Zuflucht. 24 Stunden, Tag und Nacht, an 365 Tagen hat die Tanke geöffnet.

Rund um die Uhr gibt es nicht nur Sprit, sondern frischen Kaffee und Gebäck, Milch und Whisky. „Wir haben keine Minute geschlossen – und es ist immer etwas los“, versichert Uwe Küster. Der gelernte Koch arbeitet seit drei Jahren als Teilzeitkraft an der Königstraße, und er weiß mittlerweile: „Tanken ist fast schon nebensächlich.“

Ein junger Mann kommt mit einem sperrigen Paket. Uwe Küster wechselt zum zweiten Schalter, über dem „Hermes“ steht. Die Tanke betreibt einen Paketshop für den Logistiker. „Da muss noch das Retour-Etikett drauf“, belehrt der Tankwart den Kunden über die Geheimnisse des modernen Versandhandels.

Ohne den Service der Tanke wäre für die meisten der Online-Handel viel komplizierter, bedenkt man das immer dünner werdende Filialnetz der Post. Hier nimmt man auch morgens um vier Pakete entgegen.

„Wir haben zwar einen Nachtschalter“, sagt Küster. „Aber die Tür ist immer offen.“ Hat er nie Angst, so allein? Er schüttelt den Kopf. „Es ist eigentlich immer jemand da, nachts zum Beispiel machen die Taxifahrer hier ihre Pause.“

Aber auch tagsüber wird der Shop der Tanke eifrig genutzt. „Es gibt Menschen, die kaufen hier alles, was sie brauchen, weil sie keine Lust haben, im Supermarkt an der Kasse anzustehen“, weiß Küster. Vor allem sonntags wird die Tanke zum Retter, wenn die Geschäfte zu haben.

„Da kriegen die Kunden auch mal einen Tipp von mir für ein Rezept oder für den passenden Wein“, zwinkert Küster. Und wenn der Blues spätnachts mal zuschlägt, sind die Opfer in der Rund-um-die-Uhr-Tanke auch nicht schlecht aufgehoben: Einen heißen Kaffee gibt es allemal – und ein bisschen Trost. „Gratis“, verspricht Küster.

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