Gericht verurteilt 20-Jährige
Entschuldigung per SMS

Greven/Rheine -

Wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung mit 1,6 Promille Alkohol im Blut in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung bei einem schweren Verkehrsunfall auf der A 30 verurteilte das Jugendschöffengericht in Rheine am Montag eine 20-jährige Auszubildende aus Greven zu zehn Monaten mit Bewährung. Der Führerschein wurde für weitere acht Monate gesperrt.

Mittwoch, 17.01.2018, 09:01 Uhr

 
  Foto: dpa

Damit ging das Gericht deutlich über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus, der zwei Freizeitarreste, eine neunmonatige Führerscheinsperre und pädagogischen Maßnahmen beantragt hatte. Der Führerschein wurde sofort nach dem Unfall beschlagnahmt. Außerdem muss die Angeklagte die Kosten der Nebenklage tragen.

Zur Auflage machte das Gericht eine einjährige Betreuungszeit sowie ein Denkzeittraining, wozu der Jugendgerichtshelfer geraten hatte, „um ihr die Eigenverantwortung zu verdeutlichen wegen erheblicher Reifeverzögerungen“. Die einzige schwer Verletzte trat als Nebenklägerin auf und begründete das mit dem Nachverhalten der Angeklagten.

„Wenn du dich entschuldigt hättest, wäre es nicht so weit gekommen“, sagte sie. Nach ihrer Aussage habe sich die Frau aus Greven nur per SMS bei ihr entschuldigt und sich danach nicht mehr gemeldet. Die junge Fahrerin sagte vor Gericht, dass sie zu der Zeit sehr viel Alkohol getrunken und auch Marihuana geraucht habe. „Seitdem nehme ich nichts mehr und trinke nur noch selten kleine Mengen“. Der Richter hielt ihr in der Urteilsbegründung eindringlich vor: „Es ist nur ein Zufall, dass niemand gestorben ist“.

Am 6. Mai 2017 war die 20-Jährige mit einer Clique junger Leute aus Greven und Rheine nach gemeinsamen „Vorglühen“ nach Schüttorf gefahren, um im Index Geburtstag zu feiern. Aber ihnen wurde der Eintritt verwehrt.

Daraufhin tranken sie auf der Straße Wodka. Anschließend setzte die 20-Jährige sich ans Steuer, obwohl andere rieten, den Zug zu nehmen. Auf dem Autobahnzubringer der A 30 wollte sie sich in den Verkehr einfädeln. Dabei schleuderte sie gegen die Mittelleitplanke. Danach setzte ihre Erinnerung aus, wie sie vor Gericht sagte. Das Fahrzeug überschlug sich.

Ihr Bewusstsein setzte erst wieder ein, „als ich über Kopf im Auto hing“. Ihren Trunkenheitszustand schätzte sie selbst als sturztrunken ein. Mit ihr im Auto saßen vier junge Leute, von denen eine 19-Jährige aus Rheine schwer verletzt wurde.

Sie erlitt einen Rippenbruch, Quetschungen am Arm, zahlreiche Prellungen mit Einblutungen und eine Gehirnerschütterung. Stationär wurde sie acht Tage behandelt, aber unter den Folgen leidet sie bis heute.

Der Arm ist immer noch stark geschwollen. Sie wurde durch eine Anwältin vertreten und verlangt Schmerzensgeld. Die drei weiteren Zeugen verzichteten darauf mit der Begründung: „Mitgehangen, mitgefangen“.

Die Fahrerin erlitt leichte Verletzungen und entließ sich nach einer Untersuchung im Krankenhaus selbst wieder. Ein 24-jähriger Beifahrer wurde wegen Schürfwunden und Prellungen vier Tage stationär behandelt. Seinetwegen kamen sie nicht ins Index. Er hatte schon Tage zuvor in Greven am Hallenbad getrunken und erinnerte sich kaum noch an das Geschehen, wie er als Zeuge im Verfahren sagte.

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