Partnerschaft mit Montargis
„Die Türen stehen weit offen“

Heute kaum vorstellbar, aber Realität: Vor knapp 80 Jahren sind die Deutschen in Frankreich einmarschiert, vor 73 Jahren haben Soldaten der beiden Länder noch aufeinander geschossen. Heute verbindet eine selbstverständliche Freundschaft die Nachbarvölker. Grundlage für diese intensive Zusammenarbeit ist der Elysée-Vertrag, der sich heute zum 55. Mal jährt. Dieser Vertrag war auch die Grundlage für die Partnerschaft Greven-Montargis, die seit 50 Jahren besteht. Monika Gerharz sprach aus diesem Anlass mit Dirk Pomplin, dem Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees.

Sonntag, 21.01.2018, 18:01 Uhr

Der Vorsitzende des Partnerschafts-Komitees Greven-Montargis, Dirk Pomplun
Der Vorsitzende des Partnerschafts-Komitees Greven-Montargis, Dirk Pomplun Foto: privat

Der Elysée-Vertrag hat die Grundlagen für Städtepartnerschaften gelegt, viele Jahre lang wurden sie intensiv gepflegt. Wie sieht es damit 70 Jahre nach dem Krieg aus?

Dirk Pomplun : Mancherorts gibt es Schwierigkeiten durch den Generationswechsel. Die Kriegsgeneration ist alt oder lebt nicht mehr. Aber wir in Greven haben das gut hingekriegt, finde ich. Die Vereinigten Schützengesellschaften, das Gymnasium, die Karnevalisten, die Musikschule, die TVE-Schwimmer, um nur einige zu nennen, sind sehr aktiv. Und auch die äußeren Bedingungen sind bestens. Durch die Wahl von Emmanuel Macron haben das deutsch-französische Verhältnis und mit ihm die Partnerschaften neuen Schwung bekommen.

Inwiefern?

Pomplun: Macron und Merkel wollen gemeinsam der Motor für die Weiterentwicklung von Europa sein. Ursprünglich war sogar die Erneuerung des Elysée-Vertrags geplant. Das kommt nicht zustande, weil Deutschland zur Zeit nur eine geschäftsführende Regierung hat. Aber es wird in den Parlamenten beider Staaten entsprechende Resolutionen geben. Ich habe das Gefühl, dass die Franzosen derzeit die Tür weit aufmachen zur Stärkung von Städtepartnerschaften, und zwar immer mit Blick auf Gesamteuropa.

Greven ist 750 Kilometer von Montargis entfernt – nicht gerade ein Katzensprung. Lässt sich über diese Distanz überhaupt eine Partnerschaft jenseits von offiziellen Besuchen aufrechterhalten?

Pomplun: Ich meine, das haben wir gezeigt. Die Partnerschaft ist mittlerweile in der Bevölkerung beider Städte tief verankert. Viele Vereine und Bürger sind beteiligt. Und die Entfernung schrumpft mehr und mehr. Durch Facebook und Whats­App sind wir in ständigem Kontakt mit unseren französischen Freunden. Man hat beispielsweise beim Hochwasser 2014 gesehen, wie schnell die Nachrichten hin und her gingen. Jugendliche, die sich beim Schüleraustausch kennenlernen, können viel leichter in Kontakt bleiben als früher, als man noch Briefe schrieb.

Ist denn Frankreich für Grevener Kinder ein Traumziel?

Pomplun: Für die deutsch-französischen Partnerschaften ist die Mobilität der Jugendlichen tatsächlich ein gewisses Problem. Die jungen Leute zieht es nach Kanada und Australien, Frankreich liegt fast zu sehr vor der Haustür, um noch neugierig zu machen. Umso wichtiger sind die Schulpartnerschaften, die in Greven zur Zeit vor allem vom Gymnasium getragen werden.

Die Partnerschaften mit französischen Städten tragen mit Sicherheit zum gegenseitigen Verständnis bei. Gibt es aber auch ganz konkrete Vorteile für die Beteiligten?

Pomplun: Gewiss. Da ist einmal das Thema Tourismus. Jedes Mal, wenn wir nach Montargis fahren, ist das auch Werbung für Greven. Der Grevener Karneval ist dort mittlerweile ein bekanntes Event, an dem viele Bürger gerne einmal teilnehmen möchten. Umgekehrt macht es uns Grevenern immer wieder Spaß, bei der Wahl der Miss Montargis dabei zu sein, die dort in einem sehr vergnüglichen Rahmen zelebriert wird. Eine gewisse Rolle könnte künftig auch die Anwerbung von Fachkräften sein. Wir haben immer wieder junge Leute aus Montargis, die hier ein Praktikum machen – und umgekehrt.

Über Montargis ist Greven auch mit Crowborough verbandelt, der englischen Partnerstadt von Montargis. Wie läuft diese Beziehung?

Pomplun: Wir haben eine gute Beziehung, aber sie ist nicht so gesichert wie die Partnerschaft mit Montargis, die vertraglich geregelt ist. Das macht sich schon bemerkbar. Als die Schwimmer aus Montargis wegen einer Umstrukturierung bei einigen Wettkämpfen nicht dabei sein konnten, war es schwierig, Mittel für den Austausch allein mit den Engländern zu bekommen. In der Partnerschaft mit Montargis rennen wir dagegen offene Türen ein, wenn wir ein Anliegen haben. Daran merkt man, dass es schon einen Unterschied macht, ob man informelle gute Beziehungen hat oder ob eine ganze Stadt und ihre Institutionen hinter einer Partnerschaft stehen.

In diesem Jahr besteht die Partnerschaft Greven – Montargis seit 50 Jahren. Wie werden Sie feiern?

Pomplun: Wir werden in Greven eine Festwoche rund um das Cityfest im September mit vielen verschiedenen Events veranstalten. Der Höhepunkt wird ein gemeinsames Konzert der Musikschulen der beiden Städte sein.

Sie haben sich als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees nach dem Tod von Professor Karl-Hermann Korfsmeier intensiv in die Partnerschaft eingebracht. Was hat Sie persönlich im Kontakt mit den Franzosen am meisten beeindruckt?

Pomplun: Die französische Gastfreundschaft. Die ist einfach umwerfend.

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