Realschüler laden Experten ein
Wenn die App zur Datenkrake wird

Greven -

Vorsicht im Internet. Schüler der Anne-Frank-Realschule hatten jetzt Experten zum Austausch eingeladen.

Freitag, 26.01.2018, 19:01 Uhr

Michaela Schöbels stellte ihr über Spenden finanziertes Projekt „Deusu.de“ vor.
Michaela Schöbels stellte ihr über Spenden finanziertes Projekt „Deusu.de“ vor. Foto: Jannis Beckermann

Wer kennt das nicht: Kurz eine E-Mail an den Bekannten geschrieben, und schon beim nächsten Klick ploppt, ganz beiläufig natürlich, die passende Werbung zum eigentlich privaten Mail-Inhalt bei Google auf. Zufall? „Keineswegs“, weiß nicht nur der Medienexperte. Denn Internetangebote wie Gmail, Facebook oder Youtube kosten zwar kein Geld. „Bezahlen müssen wir sie aber trotzdem – nämlich mit unseren Daten“, warnt Leo Cresnar.

Der Medienpädagoge ist einer von insgesamt drei Fachleuten, die die Schüler der Anne-Frank-Realschule zu ihrem ersten Junior Science Café eingeladen haben. „Was weiß Google über mich?“, lautet die Frage des Abends, den die Realschüler selbst auf die Beine gestellt haben. Ein Thema zur Digitalisierung über den schulischen Horizont hinaus zu diskutieren, ist die Idee der neu aufgelegten Projektreihe an der AFR.

Am Ende jedoch lernt der Besucher hier viel mehr als nur Tipps über die gute, alte Suchmaschine aus dem fernen Kalifornien. Da wäre die dubiose Taschenlampen-App, die heimlich das iPhone-Mikro anzapft, oder der Chat-Riese WhatsApp, der ein privates Handyfoto gerne mal für Werbezwecke weiterverkauft. „Die Gefahr, dass wir etwas preisgeben, was wir eigentlich für uns behalten wollen, ist heute jedenfalls sehr groß geworden“, sagt Medienfachmann Cresnar, und hat gleich einen Rat im Gepäck: „Das Kleingedruckte in den Nutzerbedingungen lesen, bevor man überall seine Häkchen setzt.“

Dass es völlig ohne App und Co. nicht mehr geht, ist dabei selbst dem Datenschützer bewusst. Mehr Sensibilität vor allem bei Jugendlichen zu schaffen, sei dagegen einfacher. „Man sollte sich öfter fragen, ob man einem Anbieter vertrauen kann und welchen Zugriff man einer App erlaubt“, rät auch Sozialarbeiter Matthias Marek, der sich schwerpunktmäßig mit digitalen Medien beschäftigt. Muss die Spiele-App also wirklich den Standort wissen und auf die Kamera zugreifen können? „In den meisten Fällen nicht“, lautet der Tipp der Experten.

Eine weitere mögliche Lösung: Das Nutzen alternativer Anbieter abseits von Datenkraken wie Google, die explizit aufs Sammeln und Speichern verzichten. Michaela Schöbels „Deusu.de“ ist so ein Projekt, das sich über Spenden finanziert. „Eine werbefreie und anonyme Suchmaschine zu schaffen, ist die Idee“, stellt die Betreiberin ihr privates Projekt vor. Wer trotzdem beim Marktführer Google bleibe, dem rät auch sie zumindest zur Vorsicht. Denn die, da sind sich zum Schluss dieses ersten Science Cafés alle einig, ist und bleibt auch im Netz die Mutter der Porzellankiste.

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