Gelernt bei Star-Koch Jamie Oliver
Kein Job, sondern Leidenschaft

Greven -

Eichenhof-Chefköchin Florence Love von Kannen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Gelernt hat sie Bürokauffrau, aber dann entdeckte sie ihre Liebe für das Kochen. Ausgebildet wurde sie bei Star-Koch Jamie Oliver in London.

Freitag, 16.02.2018, 21:02 Uhr

Von Ghana nach Europa, aus dem Botschafts-Büro in die Küche: Florence Love von Kannen lernte das Kochen bei Star-Koch Jamie Oliver in London, sammelte dann weitere Erfahrungen in Spitzen-Restaurants und ist heute Chefköchin im Eichenhof in Greven.
Von Ghana nach Europa, aus dem Botschafts-Büro in die Küche: Florence Love von Kannen lernte das Kochen bei Star-Koch Jamie Oliver in London, sammelte dann weitere Erfahrungen in Spitzen-Restaurants und ist heute Chefköchin im Eichenhof in Greven. Foto: Oliver Hengst

Es fehlte nicht viel und die sympathische Frau hätte den Rest ihres Lebens im Büro verbracht. Doch ihr wurde klar: Da muss es doch noch mehr geben, draußen in der großen weiten Welt. Und so wagte Florence Love von Kannen nach der kaufmännischen Ausbildung zur Sekretärin ein Abenteuer: Sie verließ Ghana – ihr Geburtsland – und ging nach Europa. Da war sie 22 Jahre jung. In London arbeitete sie zunächst in der Botschaft, absolvierte dann eine Hotelmanagement-Ausbildung. Und kurz darauf entschied sie sich, Köchin zu werden, wie schon ihre Mutter. Ihr Ausbilder: niemand geringerer als Star-Koch Jamie Oliver . „Er war damals noch nicht so berühmt wie heute. Er stand da erst am Anfang seiner Karriere“, erzählt die heute 41-Jährige. Doch auch ohne Star-Ruhm sei ihr klar gewesen: „Er ist auf jeden Fall ein guter Koch. Ich habe sehr viel gelernt von ihm.“

Zum Beispiel traditionelle britische Zubereitungsweisen. Rotkraut, das in Deutschland vornehmlich zu Gemüse (Rotkohl) verarbeitet (also gegart) wird, kennt man in England eigentlich nur in Salatform. Mit Orangenfilets und Nüssen – ein Gedicht.

Die frisch ausgebildete Köchin erweitere ihr Repertoire in weiteren international ausgerichteten Küchen. Einem kurzen Italien-Gastspiel ließ sie mehrere Jahre in Griechenland folgen. Im Hilton kochte sie unter anderem für Minister und Präsidenten. In einem griechischen Urlaubshotel kam es schließlich zu einer Begegnung, die ihrem Leben eine neuerliche Wende bescherte: Sie lernte einen Deutschen kennen.

„Eines Tages kam ein Mitarbeiter in die Küche und sagte, ein Gast wolle den Koch sprechen. Ich dachte erst: Oh, oh. Weil ich glaubte, er will sich beschweren.“ Wollte er aber nicht. Im Gegenteil, er wollte sich für das vorzügliche Essen bedanken. Erst interessierte sich der Gast für die versierte Köchin, dann auch für den Menschen Florence. Eins kam zum anderen, die beiden verliebten sich, entschlossen sich für eine gemeinsame Zukunft in Deutschland, wo auch geheiratet wurde. Nach mehreren Premium-Stationen im Münsterland (zuletzt Miälkwellen Ladbergen) ist die Köchin inzwischen im Eichenhof in Greven angekommen, dort leitet sie die kleine, aber feine Küche. Gewohnt wird direkt nebenan.

Neben dem Job absolviert sie derzeit einen Sprachkurs, um ihr etwas holperiges Deutsch zu verbessern. Was ihr nicht ganz leicht fällt, wie sie zugibt. „Heißt es jetzt die oder das Kartoffel? Bei uns gibt es kein ,die‘ oder ,das‘. We always say: Kartoffel.“

Dem Gast wird es egal sein, solange die Kartoffel mundet. Was Florence Love von Kannen beim Kochen wichtig ist, kann sie mit wenigen Worten zusammen fassen: frische Zutaten, handwerkliche Qualität und eine Portion Kreativität. Dabei ist ihr erstmal egal, ob an ihren Tischen Bayern-Kicker oder TV-Stars Platz nehmen (hatte sie zum Beispiel in der Surenburg) – oder Lieschen Müller. Die Qualität muss immer stimmen.

Nicht nur das – auch das richtige Näschen für Trends ist wichtig. „Man muss immer etwas Neues versuchen“, sagt die Köchin. Zugleich dürfe man die Gäste nicht mit allzu exotischen Kreationen überfordern. „Es muss immer ins Umfeld passen“, sagt sie bestimmt und eilt los in die Küche. Einen Augenblick später kehrt sich zurück, in der Hand eine Flasche teures Öl. „Riech mal“, sagt sie. „Das ist Trüffelöl. Passt super zu Risotto.“ Aber sie weiß auch, dass man derart intensive Aromen behutsam einsetzen muss. Auch und gerade im Münsterland, deren Bewohnern man nachsagt, vor allem das zu schätzen, was sie schon gut kennen.

Also belässt es Florence Love von Kannen bei einer vergleichsweise traditionell geprägten Karte mit vielen westfälischen Klassikern, die sie allerdings mit internationalem Pfiff abrundet oder denen sie einige kulinarische Besonderheiten zur Seite stellt. Was für sie gar nicht geht: Fertiggerichte, Tütenessen oder Tiefkühlgemüse. Sie zieht die Stirn kraus, allein die Vorstellung lässt sie schaudern. Zum Glück muss sie darüber keine großen Debatten führen. Sie ist die Küchenchefin, außer ihr gehört nur noch eine Aushilfe zum Küchen-Team.

Kochen ist für sie mehr als ein Beruf. „Ich arbeite nicht, weil ich muss, sondern weil ich das Kochen mag.“ Und beim Anrichten eines Tellers steht für sie diese eine Maxime ganz oben: „Ich schaue, ob ich selbst das auch gern essen würde.“ Ein Beispiel von vielen: Bratkartoffeln, die nicht kross sind (oder zu dunkel) seien ein No-Go. Speziell in Westfalen, ergänzt sie lachend.

Und Jamie? „Wir haben nur noch wenig Kontakt“, sagt sie. Vielleicht sieht sie ihn demnächst bei einem Seminar in London wieder.

Aber sie hat einen Traum: Irgendwann, wenn es passt, mal eine eigene Kochschule eröffnen, so wie damals Jamie Oliver, der der jungen Florence eine Chance gab. Und sie so vor lebenslangem Büroalltag bewahrte.

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