Interview
„Nicht von Dieter Wedel inszeniert“

Greven -

Jürgen Becker ist ein guter Bekannter in Greven. Der Kabarettist aus Köln kommt am Samstag (3. März, 20 Uhr) in das Ballenlager. Im Gepäck sein neues Programm „Volksbegehren. Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Donnerstag, 22.02.2018, 23:02 Uhr

Jürgen Becker klärt in seinem neuen Programm über die Hintergründe des Geschlechterverkehrs auf.
Jürgen Becker klärt in seinem neuen Programm über die Hintergründe des Geschlechterverkehrs auf. Foto: Jannis Beckermann

Was sind Ihre Erinnerungen an Greven?

Becker : Das ist eine sehr nette, kleine Stadt und ich habe noch ein kleines Plätzchen mit einem Café in Erinnerung. Außerdem habe ich den Eindruck, dass Greven die Miniaturausgabe von Münster ist.

Wenn ich meine Kollegen frage, heißt es, Becker ist doch der, der Kölsch ausgibt. Sind Sie Botschafter des Kölsch?

Becker: Wissen Sie, ich habe mir das so überlegt: Bei Gottesdiensten gibt es ja auch etwas. Und dann dachte ich mir, dass ich das mit Kölsch mache. Das hat den Vorteil, dass nicht alle direkt den Saal verlassen, sondern vielleicht die Hälfte noch ein Kölsch trinkt und wir alle zusammen stehen. Das Wichtigste am Kabarett ist das Bier hinterher.

Kennen sie den Witz mit dem Münsterländer und dem Kölner, die zusammen trinken gehen? Der Kölner bestellt Kölsch, der Münsterländer Cola. . .

Becker: Ja: „Wenn du kein Bier trinkst, trinke ich auch keins.“

Ihr Programm nennt sich „Volksbegehren“, es geht um Sex. Wie ist das in den heutigen Zeiten, wenn es um die Wedels und „Me too“ geht? Kann man da unverkrampft Witze über Sex machen?

Becker: Ich bin auf die Idee gekommen, weil ich im LWL-Museum in Münster die Ausstellung „Sex und Evolution“ vom Landschaftsverband gesehen habe. Das hat mir sehr gut gefallen und dann dachte ich mir, wenn eine preußische Kontrollbehörde wie der Landschaftsverband eine Ausstellung über Sex machen darf, dann ich auch ein Kabarett darüber machen.

Das haben Sie sich aber ausgesucht, bevor die „Me too“-Welle kam, oder?

Becker: Ja, aber es kommt mir zugute, dass das Thema nun gesetzt ist. Ich kann die Leute am Anfang immer beruhigen, dass das Stück nicht von Dieter Wedel inszeniert wurde. Und dann sind die schon mal froh.

Man lernt auch was bei Ihnen über Sex?

Becker: Auf jeden Fall. Ich selber habe auch viel dabei gelernt, als ich das recherchiert habe, denn ich wusste vieles vorher gar nicht.

Sie sind wahrscheinlich katholisch erzogen. Da weiß man ja vieles nicht.

Becker: Ja, und man merkt einfach, dass Männer extrem viele und unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien und Möglichkeiten haben. Dadurch erklärt sich auch vieles, was wir durch die „Me too“-Debatte erleben. Das geht es um die Männer, wo das Fortpflanzungsverhalten tierisch unkultiviert ist.

Am Ende bleibt der Mensch ein Tier und man muss eine Lösung finden, wie man ihn kultivieren kann?

Becker: Wir Menschen tragen das Paarungsverhalten der Tierwelt in uns und die Kultur, Politik und Religion versuchen, das zu übertragen. Da frage ich mich, ob das überhaupt geht, denn in der Natur hängt der Fortpflanzungserfolg der Menschen davon ab, wie sie das Weibchen begatten können. Der Affe beispielsweise grapscht überall rum und dem wird das nicht vorgeworfen. Die Strategie der Männchen im Tierreich ist es, immer möglichst viele Weibchen zu bekommen und sie kämpfen darum. Man sieht es schon optisch. Denn die ausladenden Stoßzähne oder Geweihe sind nicht für den Fressfeind gedacht. Sie sind nur dafür da den sexualen Konkurrenten auszuschalten.

Das hat man doch heute in Form von Regisseur-Stühlen oder Scheckbüchern. Wo ist da der Unterschied?

Becker: In Dieter Wedel kommt zum Beispiel das Tier noch raus. Das sieht man auch daran, dass die Männchen im Tierreich größer sind als die Weibchen. Manchmal sind die doppelt so groß und das nicht nur im Schnitt, sondern auch im Schritt.

Aber es gibt auch dämpfende Mittel wie zum Beispiel Ihr Kölsch. Das dient doch auch dazu, die Nachfrage zu dämpfen, oder?

Becker: Nein, das hat damit nichts zu tun. Aber es gibt andere interessante Dinge: Nach neuesten Untersuchungen findet eine Frau einen Mann attraktiver, wenn dieser bereits eine Partnerin hat. Das ist wie, wenn man im Internet ein Hotel bucht, welches schon positive Bewertungen hat. Denn dann weiß die Frau, dass die Frau, die Peter gewählt hat, mit ihm zufrieden war.

Also, man kann in ihr Programm Frauen mit reinnehmen, ohne dass Geschrei entsteht oder dass sexistische Sachen passieren?

Becker: Na klar, es sind ja sogar Kinder dabei.

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Samstag, 3. März, 20 Uhr, Ballenlager, VVK 18 € (erm. 16 €); AK 20 € (erm. 18 €),

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