Probephase für den Wilhelmplatz verlängert
Parkerschwund – aber Geldsegen

Greven -

Weil die gebührenfreie Parkzeit auf dem Wilhelmplatz auf eine viertel Stunde reduziert wurde, ging die Zahl der Parkenden um 15 000 zurück. Dennoch wurden die Einnahmen auf dem Platz verdoppelt – weil das neue Gebührenmodell offenbar attraktiv für City-Bummler ist.

Montag, 26.02.2018, 16:02 Uhr

Viel weniger Parkvorgänge bei gleichzeitig viel höheren Einnahmen: Das neue Gebührenmodell für den Wilhelmplatz hat zu deutlichen Veränderungen geführt.  
Viel weniger Parkvorgänge bei gleichzeitig viel höheren Einnahmen: Das neue Gebührenmodell für den Wilhelmplatz hat zu deutlichen Veränderungen geführt.   Foto: Oliver Hengst

Testfrage: Mit welchem Parkautomaten in der Innenstadt verdient die Stadt Greven wohl am meisten Geld? Antwort: Der fragliche Automat steht nicht am Wilhelm- oder Rathaus-Platz. Auch nicht im Parkdeck an der Martinischule. Er steht auf dem Parkplatz Naendorfstraße (neben der Kreissparkasse). Noch einträglicher sind allerdings andere Parkplätze, denn dort stehen zum Teil zwei oder drei Automaten. An der Naendorfstraße hingegen ist nur einer aufgestellt (der allerdings in 2017 satte 22 000 Euro einbrachte).

Betrachtet man die Gesamterlöse liegen andere Plätze vorn: zum Beispiel der Busbahnhof mit insgesamt rund 35 000 Euro Erlös und der Wilhelmplatz mit etwa 40 000 Euro (je drei Automaten, sh. Themenkasten).

Am stärksten frequentiert: das Parkdeck am Rathaus / Rewe . Dort zogen im vergangenen Jahr immerhin rund 123 000 Autofahrer ein Parkticket. Jedoch zahlten die wenigsten dafür: Der Anteil der so genannten Nulltickets (eine Stunde frei parken) liegt dort mit über 90 Prozent am höchsten in der Stadt. Auch der Fritz-Pölking-Platz wird sehr stark genutzt.

An der Naendorfstraße liegt der Anteil der Zahler mit 52 Prozent recht hoch – ein Hinweis darauf, dass offenbar viele, die in der Nähe arbeiten (Gymnasium), dort dauerparken und bereit sind, dafür auch zu zahlen. Das schlägt sich in oben genanntem Rekord-Erlös nieder.

Der Wilhelmplatz steht unter besonderer Beobachtung, denn dort lief just ein einjähriges Experiment aus: Eine Stunde frei Parken wurde auf eine viertel Stunde reduziert, dafür kann man für einen Euro satte vier Stunden lang Bummeln gehen, ohne nachwerfen zu müssen. Wie hat sich das ausgewirkt? Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Menschen, die ihr Auto dort abstellten (egal wie lang), zum Teil deutlich zurückgegangen – um bis zu 15 000 pro Jahr. Dafür sind die Erlöse in die Höhe geschnellt: Sie haben sich etwa verdoppelt. Autofahrer, die nach wie vor mit einer Stunde freiem Parkens auskommen, haben sich also auf andere Groß-Parkplätze fokussiert. Wer hingegen Wert auf einen ausgedehnten Bummel durch die Innenstadt bei zugleich günstigen Parkkosten legt, steuerte gezielt den Wilhelmplatz an.

Insgesamt ist die Zahl der Parkvorgänge deutlich angestiegen: von rund 450 000 im Jahr 2104 auf 580 000 im Jahr 2017. „Das kann daran liegen, dass Greven attraktiver geworden ist. Es kann auch sein, dass die Akzeptanz zunimmt, was das Parken auf bewirtschafteten Flächen angeht“, sagte André Kintrup, in der Stadtverwaltung für Straßenverkehr zuständig, bei der Vorstellung der Zahlen im Betriebsausschuss.

Wie geht es am Wilhelmplatz also weiter? „Wir wollen mit einem weiteren Jahr die Basis für diese Entscheidung vergrößern“, warb Aloys Wilpsbäumer (Technische Betriebe) für die Fortsetzung des Versuches. Eike Brinkhaus (CDU) hatte wenig Verständnis: „Sorry, das ist Quatsch“, sagte er zum Wunsch, den (eigentlich einjährigen) Versuch auf dem Wilhelmplatz noch mal zu verlängern.

Bei vier Gegenstimmen der CDU beschloss der Ausschuss jedoch genau das: Die Probephase für den Wilhelmplatz (15 Minuten frei, ein Euro für vier Stunden) wird um ein Jahr verlängert.

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