Sportplatzverlagerung in Reckenfeld
Was bleibt von 4,4 Millionen übrig?

Reckenfeld -

Die Verlagerung der Reckenfelder Sportplätze soll aus dem Erlös finanziert werden, den die Grundstücksverkäufe in der Ortsmitte bringen. Wechseln die rund 36 000 Quadratmeter zu marktüblichen Preisen den Besitzer, dürfte die Stadt rund 4,4 Millionen Euro einnehmen.

Mittwoch, 28.02.2018, 20:02 Uhr

In der Reckenfelder Ortsmitte kommen gut 36 000 Quadratmeter Bauland auf den Markt. Marktübliche Preise ergäben einen Gesamterlös von 4,4 Millionen Euro.  
In der Reckenfelder Ortsmitte kommen gut 36 000 Quadratmeter Bauland auf den Markt. Marktübliche Preise ergäben einen Gesamterlös von 4,4 Millionen Euro.   Foto: NRW urban

Die Verlagerung der Sportplätze aus der Ortsmitte an den Wittlerdamm - ist sie überhaupt wirtschaftlich machbar? „Die Erlöse werden dafür genutzt, um die Sportflächen neu einzurichten“, sagte Matthias Herding , Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung im Rathaus, kürzlich in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung. Doch wie hoch fallen die Erlöse aus?

Im Konzept von „NRW.Urban“ finden sich Hinweise darauf, mit welchen Grundstückswerten kalkuliert wird. Insgesamt umfasst das Areal, auf dem (noch) die Sportplätze untergebracht sind, rund 4,7 Hektar (46 600 Quadratmeter). Der Bodenrichtwert liegt laut Gutachten bei 115 bis 120 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Greven sind kaum Grundstücke unter 200 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Für die Erschließung der Fläche (Kanal- und Straßenbau, Grünflächen) kalkulieren die Landes-Gutachter rund 1,5 Millionen Euro ein. Für Abriss der jetzigen Gebäude und Herrichtung der Fläche kämen nochmal rund 750 000 Euro hinzu. Das Gutachten geht von 36 570 Quadratmeter verkaufbarer Fläche aus. Die große Frage: Zu welchem Preis müsste jeder dieser Quadratmeter verkauft werden, damit das Vorhaben wirtschaftlich ist? NRW urban kommt auf Werte zwischen 66 und 68 Euro, „so dass davon ausgegangen werden kann, dass unter den genannten Voraussetzungen die Entwicklungskosten für die Fläche über Verkaufserlöse gedeckt werden können“, heißt es im Gutachten.

Würden die Baugrundstücke für rund 115 bis 120 Euro pro Quadratmeter verkauft, bliebe unter dem Strich ein Gewinn von rund 50 Euro übrig – pro Quadratmeter. Mit 36 570 multipliziert ergäbe das einen Reinerlös von 1,83 Millionen Euro (bei 4,4 Millionen Euro Gesamterlös). Eventuelle Fördermittel könnten die Rechnung noch günstiger ausfallen lassen.

Wogegen vermutlich niemand etwas hätte. Denn: Die Stadt hatte die Kosten der Verlagerung der Sportplätze mal auf 3,5 Millionen Euro beziffert, der SC Reckenfeld geht von „nur“ 2,5 Millionen Euro aus. Hinzu kommt, dass es durchaus weitere Wünsche gibt – etwa eine Art Bürgerhaus in der neuen Ortsmitte.

Die Zahlen sind das eine, die gestalterische Vision von NRW.Urban das andere. Das Gutachten sei „durchaus kritisiert worden“, sagte Herding. Was er zum Anlass nahm, etwas klarzustellen: „NRW.Urban ist vom Land beauftragt worden und darf nicht in Konkurrenz zu privaten Büros agieren.“ Wenn also kritisiert werde, dass der Entwurf nicht in die Tiefe gehe, Kreativität vermissen lasse oder bestimmte Bereich unberücksichtigt lasse (etwa Einzelhandel und Treffpunkte), dann liege das nicht an mangelndem Einsatz der Mitarbeiter. Sondern: „Die durften das gar nicht.“ Man müsse das Gutachten als eine Art Schnell-Check werten. „Die schauen da kurz drüber und geben Anregungen für Diskussionen.“ Eine eierlegende Wollmilchsau könne dabei nicht herauskommen. Die Lösung aller Probleme dürfe man daher von NRW.Urban nicht erwarten, weil das Büro eben bestimmten Arbeitsbedingungen unterliege. Das sei vielleicht nicht deutlich rübergekommen, die Diskussion sei daher von einer falschen Erwartungshaltung ausgehend geführt worden. „NRW Urban“ ist eine landeseigene Entwicklungsgesellschaft, die nach eigener Darstellung „Städten und Gemeinden bei der Stadterneuerung, der Stadt- und Quartiersentwicklung sowie bei der Revitalisierung von Gewerbe- und Industriebrachen als starker Partner zur Seite steht“. NRW.Urban selbst betitelte seinen Entwurf als „städtebauliches Grobkonzept“.

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