Jürgen Becker im Ballenlager
Zwischen Klum und Kanzlerin

GReven -

Seine Liebe zur Kultur hat Jürgen Becker schon oftmals in seine Kabarettprogramme einfließen lassen. Zuletzt erlebte man den sympathischen Kölner 2012 mit „Der Künstler ist anwesend“ im Ballenlager. Endlich ist es der Kulturinitiative Greven gelungen, diesen sympathischen Wortakrobaten wieder zu verpflichten.

Montag, 05.03.2018, 08:03 Uhr

In seiner mit rheinischem Humor vorgetragene Lehrstunde zum Thema Fortpflanzung arbeitet Jürgen Becker im Ballanlager auch Seitenhiebe auf die großen Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft ein.
In seiner mit rheinischem Humor vorgetragene Lehrstunde zum Thema Fortpflanzung arbeitet Jürgen Becker im Ballanlager auch Seitenhiebe auf die großen Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft ein. Foto: Axel Engels

Mit seinem Programm „Volksbegehren“ zeigte er sich von seiner besten Seite, nahm das begeisterte Publikum mit auf einen Streifzug durch die Evolutions- und Kulturgeschichte. Dabei stellte er mit süffisanter Art die Fortpflanzung in die Mitte seiner Betrachtung.

Ob angesichts einer neuen großen Koalition oder im Alten Testament, die Problematik ist seiner Meinung nach über all diese Jahrhunderte immer gleich geblieben. Auch wenn das Volk hin und wieder einen Führungswechsel begehrt, das eigentliche Verlangen richtet sich doch auf das andere oder das gleiche Geschlecht.

„Sobald man Männer und Frauen in einen Raum steckt und das Licht ausmacht, kommt es zum Sex“, sinnierte Becker . Mit Bildern von Rembrandt zu moderner Kunst, von Reklamebildern der Sportwagenwerbung und für Potenzmittel bis hin zu Wahlplakaten bereicherte er seine in rasantem Tempo präsentierten Ideen. Laut Becker bestimmen Sex und Fortpflanzung eben Kultur und Leben vollkommen.

Dabei wusste er seine Weisheiten wunderbar unter das gebannt lauschende Publikum zu streuen, lernte man einfach vieles von der Biologie bis zur Evolution. „Parthenogenese“ , die Jungfrauengeburt, gab es ja schon im Alten Testament, da hat sich wohl keiner aufgeregt, sondern dies ohne wissenschaftliche Untermauerung einfach geglaubt.

Dass so etwas tatsächlich in der Welt geschehen kann, zeigte er am Beispiel der Blattlaus auf. Die Blattlaus komme ganz ohne Zutun eines Lausbuben in einer Saison auf 80 Millionen Nachkommen, während wir Deutschen schon Schwierigkeiten hätten, diese Zahl zu halten. Und dem Beispiel eines Bienenvolkes solle man doch lieber nicht folgen, denn dann müsste sich die Kanzlerin mit jedem einzelnen Bürger paaren und dies sei doch eher eine Schreckensvision.

Jürgen Becker erklärt dem wissenshungrigen Publikum, warum die Fortpflanzung durch Zellteilung keine Option für den Menschen sei. Da kamen für ihn die Evolution und die natürliche Auslese mit ins Spiel. „Sex bedeutet, dass wir uns nicht nur kopieren, sondern mischen. Täten wir es nicht, würden wir Opfer der ältesten Beziehung der Welt: der Feind-Beute-Beziehung.“ Denn die Bedrohung trügen wir in Form von Viren und Bakterien doch schon mit uns. Da wird Sex zum Selbstschutz. Zehntausendfaches Kopieren von Kranken und Deppen wird dadurch verhindert.

„10 000 Deppen, das will die Natur nicht; wie das aussieht, kennen wir von Pegida.“

Solch eine Lehrstunde mit rheinischem Humor ließ man sich gerne gefallen, zumal die Seitenhiebe auf die großen Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft nicht fehlten. Die großen Weltreligionen reglementieren und tabuisieren Sex. Eigentlich unsinnig, da beide laut Jürgen Becker etwas schaffen wollen, das bleibt. Und auch seine Analyse von Wahlplakaten hatte das Zeug zum wahren Kult. Für ihn steht eben CSU für „chronisch sexuell unterversorgt“ und sexy sei wohl nur eine Kandidatin der Linken. Unsere Kanzlerin entspräche wohl nicht dem von Heidi Klum propagierten Schönheitsideal.

So überaus unterhaltsam hat man sich mit der Geschichte der Fortpflanzung wohl noch nie beschäftigt, diese Lehrstunde sollte doch vielleicht in die Lehrpläne aufgenommen werden.

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