Interview mit Dr. Clemens Kösters
„Wir können fast alles operieren“

Greven -

Dr. Clemens Kösters ist seit Januar Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Maria-Josef-Hospital. Der 42-Jährige, der in Münster geboren und in Greven aufgewachsen ist, ist Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Facharzt für Spezielle Unfallchirurgie. Außerdem ist er Europäischer Facharzt für Traumatologie. Unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprach mit ihm über die Perspektiven des Grevener Krankenhauses.

Freitag, 06.04.2018, 19:04 Uhr

Anruf aus dem OP: Dr. Clemens Kösters ist gefragt. Der in Greven aufgewachsene Chirurg sieht die Chancen des Maria-Josef-Hospitals positiv.
Anruf aus dem OP: Dr. Clemens Kösters ist gefragt. Der in Greven aufgewachsene Chirurg sieht die Chancen des Maria-Josef-Hospitals positiv. Foto: Günter Benning

Im Vorzimmer sagte man mir, man müsse momentan ein halbes Jahr auf eine Operation bei Ihnen warten. Wieso?

Kösters : Ich führe das darauf zurück, dass wir hier sehr gute Arbeit leisten. Natürlich ist es vielleicht auch der Bonus eines neuen Chefarztes, dass man schon einen gewissen Namen hat. Ich kenne viele Zuweiserkollegen, die schon früher ihre Patienten zu mir nach Münster oder Osnabrück geschickt haben. Die sind mir treu geblieben.

Sie hatten neulich eine Abendvisite, die man gleich wiederholen musste. Es scheint ein großes Thema zu sein?

Kösters: Tatsächlich, es ging um Knie- aber auch Hüftgelenkerhalt. Arthrose, also Gelenkverschleiß, ist tatsächlich eine Volkskrankheit.

Die Entwicklung der Medizin war in den letzten Jahrzehnten radikal. Was hat sich im Bereich der Gelenkoperationen getan?

Kösters: Es gibt viele minimalinvasive Techniken. Die Zugangsarten bei OPs wurden verbessert. An der Hüfte machen wir derzeit einen vorderen Zugang, wo wir nur die Muskulatur auseinanderhalten und nichts durchschneiden oder absetzen. Das hat Vorteile, die Muskeln müssen nicht wieder anwachsen. Es blutet weniger und die Funktion ist nachher besser.

Man hat also keinen großen Schnitt an der Seite?

Kösters: Ja, bei einer Standardhüftprothese kann man das in fast allen Fällen so machen.

Was hat sich in der Knieprothetik entwickelt?

Kösters: Da kann man patientenspezifische Miniprothesen einsetzen.

Wie wird das ausgemessen?

Kösters: Die Patienten müssen in ein MRT , also in die Röhre gelegt werden. Dann wird ein Schadensbericht erstellt und man kann anhand des 3-D-Modells sehen, wo die Schäden genau auftreten. Damit wird eine Mini-Prothese erstellt, die nur für diesen Patienten passt.

Klingt teuer.

Kösters: Teilweise ist es teurer. Das Problem ist ja, dass wir heutzutage nur pro Diagnose bezahlt werden und das Krankenhaus dann sehen muss, wie es die hohen Kosten finanziert. Hohe Qualität ist erstmal teurer. Aber langfristig macht sie sich für den Patienten bezahlt. Und für das Gesundheitssystem auch.

Warum das?

Kösters: Weil die Prothesen länger halten und größere Knie-Operationen, die dann auch meist nach zehn, 15 Jahren erneuert werden müssen, nicht nötig werden.

Sie haben viele Sportler operiert. Da spielt das Thema Bänderrisse, Kreuzbanderhaltung eine große Rolle. Muss man immer operieren?

Kösters: Also beim Kreuzband geht man eher operativ ran. Wenn der Riss jünger als drei Wochen ist, kann man durchaus operativ einen Kreuzbanderhalt machen. Wenn es länger als drei Wochen her ist, muss man eine sogenannte Sehnenrekonstruktion machen. Man nimmt dann eine Sehne von einer Stelle am Kniegelenk und setzt sie über Bohrlöcher am Knie ein. Bänderrisse am Sprunggelenk behandelt man häufig konservativ mit Orthesen und Schienen, wobei man bei großen Verletzungen eine Naht der Bänder vornimmt.

Greven hat ein kleines Krankenhaus. Trotzdem sind Sie hier hergekommen. Warum?

Kösters: Gereizt hat mich, dass wir hier eine komplett neue Abteilung aufbauen konnten. Vorher war es ja eine chirurgische Abteilung, die auch Bauchchirurgie gemacht hat. Heutzutage wird alles viel spezialisierter. Ich konnte neue Leute mitbringen, von denen ich weiß, dass sie Topp-Qualität abliefern. Sie haben Recht, das ist hier nicht die Uniklinik und kein Maximalversorger. Aber unser Ziel ist natürlich auch, hier in Greven die Klinik zu vergrößern und das Ganze weiter zu spezialisieren. Das ist vielleicht reizvoller, als einen sehr gut funktionierenden Maximalversorger zu übernehmen. Außerdem kenne ich in Greven die Szene, es ist also in diesem Sinne ein Heimspiel.

Sie haben in Greven Fußball gespielt?

Kösters: Tatsächlich habe ich in drei Sportvereinen gespielt. Angefangen habe ich bei der DJK, mein Urverein. Dann habe ich bei Greven 09 und Blau-Gelb Gimbte gespielt. Zentrales Mittelfeld, eher defensiv, meistens auf der linken Seite, weil ich Linksfuß bin. Meistens als Sechser.

Was ist Ihre Lieblingsmannschaft?

Kösters: Schalke. Das ist ein Virus in der Familie, da können wir nichts für. Ich habe auch ein paar von den Schalker Spielern in meiner Zeit an der Uniklinik Münster operiert.

Also sind Sie auch Sportarzt?

Kösters: Ja, Sportler haben ja häufig Knie- und Bänderverletzungen, das ist ein Spezialfeld von mir.

Bei Sportlern wundert man sich, wie schnell sie nach Verletzungen auf die Beine kommen. Woran liegt das?

Kösters: Die haben häufig den Vorteil, dass sie jeden Tag Anwendungen bekommen, also physiotherapeutisch ganz anders betreut werden als normale Patienten. Die werden teilweise auch frühzeitiger operiert. Die Spitzensportler haben eine viel bessere Logistik drum herum. Das ist in Deutschland ein Riesenproblem, weil die Patienten viel mehr Physiotherapie bräuchten, das aber von den Kassen schlecht bezahlt wird und die niedergelassenen Ärzte es nicht verordnen können.

Sie werden unter Umständen sogar bestraft, wenn sie zu viel verordnen.

Kösters: Sie werden teilweise bestraft, müssen es selber bezahlen. Im Vergleich zu Ländern wie der Schweiz ist das ein Riesenproblem in Deutschland.

Könnte man die Krankheitsdauer mit besserer Physiotherapie verkürzen?

Kösters: Ich denke schon, dass wir mit den neuen Methoden, zum Beispiel der Kreuzbandnaht, die Leute jetzt schon schneller an den Arbeitsplatz bringen, was ja auch volkswirtschaflich interessant ist. Wenn man zusätzlich eine bessere Nachbehandlung hätte, würde das bei einem Großteil dazu führen, dass die Leute schneller bei der Arbeit sind oder in der Freizeit aktiv werden.

Ihre Kollegin, Frau Engels, hat neulich gesagt, sie würde Greven gerne zum Lehrkrankenhaus machen. Sie auch?

Kösters: Das ist ein großes Ziel.Wir könnten hier eine gute Ausbildung für Studenten bieten.

Kann ein kleines Hospital wie Greven auf dem Markt mithalten? Vor ein paar Jahren sah es nicht so aus.

Kösters: Natürlich, man muss sich spezialisieren. Man braucht Spezialisten, die sich auskennen. Unser Ziel ist es, das Krankenhaus zu vergrößern. Wir können fast alles operieren, wir haben eine hoch spezialisierte Technik, teilweise deutlich moderner als in anderen Kliniken. Der Schlüssel ist das Personal. Ich bin froh, dass ich mit Dr. Eva Lötters und Dr. Allaeldin Elbadawi zwei Leute habe, die exzellent in der Fuß- und Handchirurgie sind. Das sind Spitzenleute, die man sonst nur an Unikliniken findet.

Wie kriegt man die nach Greven?

Kösters: Ich habe sie nicht angeworben, da lege ich Wert drauf. Sie haben mich gefragt – hier können sie sich in ihren Spezialbereichen austoben.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5642024?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker