Illegale und falsche Entsorgung
Greven hat ein Müllproblem

Greven -

Die Frau ist sauer, richtig sauer. „Das passiert hier bei jeder Sperrgutabfuhr“, erzählt sie. Die ist an der Bonhoefferstraße erst in zehn Tagen. Aber gestern türmte sich schon ein riesiger Haufen Müll auf der Fläche zwischen der Straße und den Blocks der Stauffenbergstraße.

Freitag, 13.04.2018, 12:04 Uhr

Mit schwerem Gerät räumten die Mitarbeiter des Bauhofes gestern den Müllberg an der Bonhoefferstraße weg. Der Müll wurde fast eineinhalb Wochen zu früh auf der Fläche deponiert.
Mit schwerem Gerät räumten die Mitarbeiter des Bauhofes gestern den Müllberg an der Bonhoefferstraße weg. Der Müll wurde fast eineinhalb Wochen zu früh auf der Fläche deponiert. Foto: Peter Beckmann

„Einer fängt an, legt hier seinen Müll hin, und innerhalb kurzer Zeit wächst der Müllberg gewaltig an“, erzählt die Anwohnerin, die voller Wut Markus Eiling anrief. Der ist zuständig für den Bereich Stadtreinigung. Und: Er schickte gestern zwei Männer vom Bauhof mit schwerem Gerät, die den Müllhaufen beseitigten. „Das hat dann mit Entsorgung und Personalkosten mal eben 300 bis 400 Euro gekostet“, verdeutlicht Eiling.

Und er macht deutlich: „Das ist eines von vielen Müllproblemen in Greven.“ Er zeigt Fotos. Fotos zum Beispiel vom Containerstandort am Jägerweg in Reckenfeld. „Dort wird ständig irgendwelcher Müll abgelegt“, erklärt er. Zwei mal in der Woche machen Männer des Bauhofes den Containerstandort sauber. „Aber kaum sind die Männer weg, wird der Müll dort wieder abgestellt.“ Restmüll, Sondermüll, altes Holz, Autoreifen – es gibt nichts, was da nicht deponiert wird.

Eiling redet Klartext. „Greven hat ein Müllproblem.“ Spricht über den immer mehr ausufernden Sperrmüll mit den vielen Problemen rund herum. „Da wird das Sperrgut viel zu früh heraus gestellt, da wird die Sperrgutabfuhr als Entsorgungsmöglichkeit für ganz normalen Restmüll, der eigentlich in die Tonne gehört, oder für Sondermülle genutzt.“ Vor und nach der Sperrgutabfuhr sehe die Stadt wie im Kriegszustand aus.

Andererseits werde Müll immer mehr an den Containerstandorten, aber auch mitten in der Natur entsorgt. „Das wird immer schlimmer“, sagt Eiling und redet süffisant von privater Gebührenoptimierung. „Die Leute nehmen die kleinste und billigste Restmülltonne und entsorgen das, was da dann nicht `reinpasst, eben illegal.“

Natürlich werde versucht, die Schuldigen zu finden. Doch: „Wie will man gerichtsfest herausbekommen, wer als erster sein Sperrgut vor die Tür gestellt hat, wer Sondermüll oder Reifen dabei gestellt hat, wer seinen Müll in die Natur geworfen hat“, verdeutlicht Eiling das Problem. Das sei schwer bis unmöglich. Und Personal habe man dafür schon gar nicht.

Die Anliegerin der Bonhoefferstraße will sich mit dem Müll nicht abfinden. Auch nicht mit dem, der sich im ganzen normalen Alttag ansammelt. „Ich bin auch schon mal mit einem Müllsack losgezogen und habe hier gesammelt“, erzählt sie und ist auch auf die Eigentümer der Hochhäuser nicht gut zu sprechen. „Früher gab es mal Hausmeister, die sich um so etwas gekümmert haben, heute wird sogar daran gespart.“

Sie, und auch Eiling, sehen darin ein gesellschaftliches Problem. „Fehler werden nur bei anderen gesucht. Jeder kennt seine Rechte und pocht darauf, von Pflichten wollen viele nichts hören“, verdeutlicht Eiling. Da herrsche oft eine Scheiß-egal-Mentalität. „Das ist schlicht asoziales Verhalten.“

Eiling hofft, dass mit Inbetriebnahme eines Wertstoffhofes und einer Umstellung des Sperrgutsystems das Müllproblem abgemildert werden kann. „Kaum eine Kommune hat noch dieses System der vierteljährlichen Sperrgutabfuhr und keine Kommune produziert so viel Müll wie Greven.“

Eiling hat eine weitere Hoffnung. „Ich hoffte, dass das von der Politik in Auftrag gegebene neue Abfall-Konzept Lösungen findet.“

Der Umgang mit Müll, die Entsorgung des Mülls sei eine Sache der Einstellung. „Und nicht zuletzt eine Erziehungssache“, erklärt Eiling. Und ihm ist der Frust im Kampf gegen die Windmühlen anzumerken.

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