Problem auf dem Grevener Friedhof
Schock für die Friedhofsgärtner

Greven -

30 Jahre sind die Fristen auf dem Grevener Friedhof. Dann sollten die Toten von der Erde aufgenommen sein. Aber in Greven funktioniert das nicht.

Samstag, 12.05.2018, 10:05 Uhr

Bei einem neuen Gräberfeld auf dem Friedhof an der Saerbecker Straße gibt es Probleme.
Bei einem neuen Gräberfeld auf dem Friedhof an der Saerbecker Straße gibt es Probleme. Foto: Günter Benning

„Das war schon mulmig bis schockierend.“ So beschreibt Pfarrer Klaus Lunemann seine Reaktion auf die Mitteilung von Henrik Schlott, dem Leiter des Gärtnerteams auf dem Friedhof an der Saerbecker Straße. Der wollte auf dem sogenannten „Neuen Friedhof“ eine Grabstätte für eine Überbeerdigung vorbereiten. Doch dabei zeigte sich: auch nach fast 30 Jahren waren die Verstorbenen dort noch nicht verwest.

1989 hat auf dieser damals notwendigen Erweiterungsfläche im nordwestlichen Bereich der Friedhofsanlage eine erste Beisetzung stattgefunden. Dazu war damals das Gelände durch meterhohe Aufschüttungen hergerichtet worden.

Die Eignung des Geländes für Friedhofszwecke sei von allen beteiligten Gremien nicht in Frage gestellt worden, teilt die Kirchengemeinde mit.

Offensichtlich wurden aber die letzten aufgebrachten Schichten so stark verdichtet, dass die dort bestatteten Leichname aufgrund der Bodenbeschaffenheit den Verwesungsprozess nicht wie üblich und in der rechtlich vorbestimmten Zeit durchlaufen können.

„Das haben wir erst aktuell erfahren“, sagt Pastoralreferentin Maria Wagner , die auch für Beerdigungen in der St. Martinus-Gemeinde zuständig ist.

Das Problem wurde erst jetzt bei der geplanten Neubelegung einer Grabstätte festgestellt. Darauf wurde aufwändig geprüft, ob es sich um einzelne Grabstellen handelt oder ein flächendeckendes Problem besteht.

Ein abschließendes, aktuelles Gutachten habe jetzt ergeben, so die Kirchengemeinde, dass diese Problematik wohl die gesamte Fläche betreffen könnte.

Daraufhin hat der Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Martinus, die den Friedhof betreibt, am Montag sofort ein Verbot weiterer Sargbestattungen auf diesem Friedhofsteil beschlossen.

„Wir bedauern dies sehr und sind uns sehr wohl bewusst, dass viele Familienangehörige davon emotional sehr berührt werden“, war der Tenor in diesem Gremium. Dies gelte besonders dort, wo noch eine Beisetzung neben einem bereits verstorbenen Partner vorgesehen ist.

Urnenbeisetzungen sind davon im Übrigen nicht betroffen. Maria Wagner: „Das Verhältnis von Urnen- zur Sargbestattung liegt bei etwa 60 zu 40.“ Da Urnen nicht so tief eingegraben werden, gibt es kein Problem.

Derzeit stimmen sich Stadt- und Friedhofsverwaltung mit Vertretern der katholischen und evangelischen Gemeinde darüber ab, wie mit der Situation umgegangen werden kann. Die Information einzelner Nutzungsberechtigter ist ebenso angedacht wie ein gemeinsamer Informationsabend. „Unter Umständen“, so Wagner, „müssen Umbettungen vorgenommen werden – dafür brauchen wir aber Fachpersonal.“ Die Pfarrgemeinde St. Martinus verweist darauf, dass sich Betroffene bei Pastoralreferentin Maria Wagner melden können. Sie ist am Samstag, 12. Mai, von 10 bis 12 Uhr im Pfarrhaus St. Martinus erreichbar ( ✆  02571-54082015) Danach am Samstag und Sonntag unter der Nummer 02571-5689042.

„Wir stehen zu unserer Verantwortung und werden alles tun, um eine Lösung zu finden und umzusetzen, die sowohl der Totenruhe gerecht wird als auch dem Anliegen der Angehörigen nach einer angemessenen Grabstelle für ihre Lieben“, betont Pfarrer Klaus Lunemann.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5729698?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker