Sandra Hertog – die Profigrillerin
„Das hat was von Freiheit“

Sandra Hertog besitzt wohl jedes erdenkliche Gerät zum Grillen. Für die Redaktion grillte sie Hamburger und erzählte über die Kunst des Feuers.

Sonntag, 13.05.2018, 08:05 Uhr

Sandra Hertog liebt das Grillen und probiert sehr viel aus. Auch im Winter gibt es Essen aus der Draußen-Küche.
Sandra Hertog liebt das Grillen und probiert sehr viel aus. Auch im Winter gibt es Essen aus der Draußen-Küche. Foto: Günter Benning

Ihre Terrasse: eine einzige Freiluftküche. Gasgrills, Kohlegrills, Smoker, offenes Feuer – und in der letzten verbleibenden Ecke zieht Sandra Hertog aus Greven noch ihre eigenen Kräuter. Die 40-Jährige ist Grill-Enthusiastin. Auf Instagram folgen ihr rund 15 000 Menschen. Auf ihrer Webseite www.ess-nische.de präsentieren Sandra Hertog und Sandra Chuchollek Rezepte und neueste Trends. Regelmäßig besuchen die Food-Blogger Messen und Produktpräsentation der namhaften Hersteller. Im Interview mit Redakteur Oliver Hengst sprach Sandra Hertog über die Faszination Grillen, über Qualität und Geschmack.

Eine Glaubensfrage: Kohle oder Gas - schmeckt man einen Unterschied?

Sandra Hertog: Nein. (zögert) Also, na ja, Ja. Beim normalen Grillen über Kohle (man nennt das Flachgrillen) schmeckt man den Unterschied schon. Man kann nicht sagen, es schmeckt besser, sondern einfach nur anders.

Du hast viele verschiedene Geräte im Einsatz, jeweils für ganz verschiedene Zubereitungsarten. Braucht man die wirklich alle? Oder reicht auch der Einweggrill von der Tanke?

Sandra: Ja, fürs normale Grillen reicht der. Das Material hält halt nicht lange.

Aber für Wurst oder Nackensteak geht das . . .

Sandra: Ja, das geht. Aber wenn man auch mal was anderes machen möchte, braucht man eben auch andere Ausstattung. Ich habe zum Beispiel für Steaks einen Grill, der 800 Grad von oben liefert. Dann habe ich einen digitalen Smoker. Da habe ich im Moment Trockenfleisch drin, das dauert acht bis zehn Stunden. Da passen auch sechs Nackenbraten rein, das reicht für einen Geburtstag oder eine andere Gesellschaft. Holzpellets laufen alle 20 Minuten automatisch durch. Ich stelle die Temperatur ein – fertig. Da kann ich so genannte Long Jobs drin machen – zum Beispiel eine Rinderbrust oder Pulled Pork. Ich arbeite auch viel mit Gusstöpfen, darin mache ich sämtliche Beilagen: Kartoffelgerichte, Gemüse, Brote. Ich habe auch eine Waffeleisen und nutze einen Pizzaaufsatz mit Pizza-Stein. Dann habe ich natürlich noch einen Kugelgrill und einen normalen Gaser fürs schnelle Grillen. Das macht auch Spaß.

Was bringt ein digitales Thermometer?

Sandra: Wenn man zum Beispiel Brisket oder Pulled Pork macht, was lange dauert, kann man das auch nachts laufen lassen. Der Grill sollte dafür konstant 110 Grad haben. Wenn die Grill-Temperatur zu sehr rauf oder runter geht, dann piept er und macht mich wach.

Andere haben ein Babyfon . . .

Sandra: Ja, genau. So ähnlich funktioniert das.

Wie ist die Arbeitsteilung bei Euch im Haus?

Sandra: Sandra kümmert sich um die Warenbestellungen, Lieferung und solche Dinge. Ich mache den Instagram-Account. Da haben wir fast 15 000 Follower. Die wollen natürlich auch Input haben. Viele Firmen haben uns angeschrieben, mit denen arbeiten wir gut zusammen.

Du bist also eine Art Influencerin für die Grill-Szene?

Sandra: Ja, genau. Ich bin zum Beispiel neulich bei Frank Rosin eingeladen gewesen, zur Messerpräsentation.

Um das Thema Grillen gibt es einen ziemlichen Hype. Viele stellen sich unglaublich teure Grills auf die Terrasse. Man muss sich schon fast schämen, wenn man kein Kobe-Rindersteak verwendet . . .

Sandra: Ich habe es tatsächlich gegessen. Aber ich würde keine 800 Euro für das Kilo ausgeben. Ich war bei einem bekannten Händler in    Köln eingeladen.            Da gab es Kobe und andere Spezialitäten.

Wie wichtig ist denn die Fleischqualität?

Sandra: Man muss da ein gutes Mittelmaß finden. Die Discounter meide ich. Die Qualität merkt man schon. Ob ich dort ein Steak hole oder bei einem nachhaltigen Fleischhersteller – es gibt zwei, drei richtig gute Online-Händler, auch hier aus der Region – den Unterschied merkt man einfach.

Am Geschmack?

Sandra: Das Fleisch ist feiner, zarter, hat mehr Geschmack. Das Discounter-Steak ist zu 80 Prozent zäh. Das ist ein Massenprodukt, das merkst du. Das Fett kann sich da gar nicht genug ausbreiten. Es ist eben eine kurze schnelle Zucht für den Massenmarkt. Auch wenn die Tiere gut gehalten werden, das will ich gar nicht in Frage stellen. Aber die Qualitätsunterschiede merkt man beim Fleisch eindeutig. Wenn ich zum Bespiel Spare Ribs bestelle bei meinem Händler – dann bekomme ich richtige fleischige Dinger. Holst Du die beim Discounter, bekommst Du Knochen mit ein bisschen Fleisch dran.

1000-Euro-Grill und ein 99-Cent-Steak – das passt ja auch nicht richtig zusammen . . .

Sandra: Nein, das kann nicht funktionieren. Wenn ich zum Bespiel eine Bacon Bomb machen will und schaue mir die Prospekte an, in denen Hackfleisch für 2,99 Euro angeboten wird, denke ich mir: Mein Gott, dann trinke ich lieber ein Bier weniger und kaufe dafür Hack, das beim Metzger eben zwei Euro mehr kostet.

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Was machen Vegetarier, die Lust auf Grillen haben?

Sandra: Zum, Beispiel ganz klassische Gemüsespieße. Oder aus dem Dutch Oven Aufläufe. Es gibt viele tolle Sachen: Salbei-Kartoffeln, gefüllte Champions, Maiskolben – also, ein Vegetarier kommt hier nicht zu kurz.

Brauchst Du noch eine normale Küche?

Sandra: Theoretisch nicht. Die Grills sind fast täglich im Einsatz. Im Sommer definitiv, im Winter natürlich nicht ganz so oft, aber auch im Winter mindestens einmal die Woche. Dann gibt es zum Beispiel aus dem Dutch Oven Schichtfleisch, Eintopf oder Gulasch. Grillen ist für mich eindeutig ein Ganz-Jahres-Thema.

Kochen und Essen im Freien – ist das auch eine Frage des Lebensgefühls?

Sandra: Ja, eindeutig. Es hat was von Freiheit. Wir sind ja auch Camper, fahren oft mit dem Wohnwagen weg. Es ist dann einfach geil, wenn man die Sachen auspacken und alles draußen machen kann. Wir sind schon Outdoor-Menschen. Wenn ich alles draußen zubereiten kann, macht mit das viel mehr Spaß.

Gibt es manchmal auch gewöhnliche Würstchen mit Kartoffelsalat?

Sandra: Ja, tatsächlich.

Ist das nicht zu normal?

Sandra: Nein, weil ich das so selten mache, dass ich da zwischendurch mal richtig Bock drauf habe.

Ein Männer-Mythos: Ablöschen mit einem Bier: Macht man das, bringt das was?

Sandra: Viel Qualm. Sonst bringt das gar nichts. Das ist Quatsch.

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