Greven Grass feiert zehnjähriges Jubiläum – und hat sich den familiären Charme bewahrt
Graswurzel-Geburtstag

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Aber Obacht! Manchmal gehen einem dann doch die Pferde durch. Die Vize-Bürgermeisterin ist jedenfalls erst beim „ö“ von „erö . . . ffnet“, da grätscht ihr der erste Cowboy mit Banjo über der Schulter bereits ins Wort. „Yee-haw!“

Dienstag, 22.05.2018, 15:05 Uhr

Volles Haus am Beach: Die zehnte Jubiläumsausgabe des Greven-Grass-Festivals lockte zum Pfingstwochenende Hunderte in die Emsauen.
Volles Haus am Beach: Die zehnte Jubiläumsausgabe des Greven-Grass-Festivals lockte zum Pfingstwochenende Hunderte in die Emsauen. Foto: Jannis Beckermann

Der Schlachtruf der Bluegrass-Fans ertönt. So laut, dass ihn wirklich jeder am Deich hört.

Aber: Geburtstagskinder dürfen das. Ungeduldig mit den Hufen scharren. Heiß auf die Geschenke sein. Und deshalb klappt es dann doch mit dem Startschuss der Politikerin zum Zehnjährigen von Greven Grass. Im zweiten Anlauf. „Eröffnet.“

Nun können sie also spielen, die Folk- & Grass-Bands aus Nah und Fern auf jener schnuckeligen Bühne, vor der es sich die nach Country lechzenden Fans mit Klappstuhl und Western-Jacke gemütlich machen. Dass sich dieses Festival mal zu solch einem alljährlichen Stelldichein mausern würde? „Als wir 2009 angefangen haben“, erzählt Thomas Drunkenmölle, „hätten wir das nicht gedacht“.

10. Greven-Grass-Festival 2018

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  • 10. Greven-Grass-Festival 2018 Foto: Jannis Beckermann
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Drunkenmölle ist so etwas wie einer der Manager von Greven Grass, die im Camp jenseits des Deiches mit ihren Festival-T-Shirts umherwimmeln, kochen, backen, braten oder einfach nur einen Rat geben, wenn er gefragt ist.

„Angeworben und reingewachsen“, erinnert sich der Mann mit Bart und hochgesteckter Sonnenbrille an seinen persönlichen Weg zu diesem Ehrenamt, zu dem ihn einst Uli Sokoll, der Papa von Greven Grass, überredet hatte. Die „Lichtgestalt“ des Festivals fehlt allerdings ausgerechnet zum Jubiläum. „Er ist krank zu Hause in Brandenburg“, weiß Kollege Drunkenmölle um die Gründe.

Aber wuppen können sie die Chose mittlerweile ohne ihn. Denn Erfahrung ist eben auch beim Festival-Managen die halbe Miete. „Am Anfang war’s fast nur self-made“, zeigt Drunkenmölle auf die Stellwände, die in Zeitungsartikeln und Hunderten von Fotos die vergangene Dekade dokumentieren. „Heute“, sagt er mit Stolz, „sind wir professioneller geworden.“

Geblieben ist dafür jener familiäre Charme, den besonders die eingefleischten Bluegrasser an ihrem Pfingst-Festival pflegen und lieben. Zusammen zu sitzen am Lagerfeuer zwischen alten, verrosteten Camping-Vans, um einfach drauf los zu spielen mit Fiddle, Banjo, Bass und Co.

So wie „Jocky“ aus Borken, der mit seinem Camp-Nachbarn spontan einen Folk-Standard spielt. Und mit Blick Richtung Tankis Strandbar zugibt: „Manchmal kriegen wir gar nicht mehr mit, dass da hinten noch ein Programm läuft.“

Obschon: Runden Geburtstag hat man nicht alle Jahre. Und deshalb mischt sich selbst der kauzige Mittsechziger samt Gitarrenkoffer irgendwann, des Jammens müde, unters Bühnenvolk.

Sieben Stunden am Stück, 14 insgesamt beschallen hier die besten Gruppen des Genres zwei Tage lang die Emsauen. Bluegrass-Puristen kommen dabei genauso auf ihre Kosten wie Country-Laien, denen mit den feschen „Silverettes“ am Samstagabend sogar Rockabilly aufgetischt wird. Zum Party machen.

Richtig warm werden die Fans indes nur mit Bluegrass at it’s best, wie ihn etwa die jungen, alternativen Schwedinnen der „Hillfillies“ oder die Holländer von „Red Herring“ mit Liebe zum Detail auf die Emsbühne zaubern. Da flitzen mal die Finger für den klassisch-rasenden Blue­grass-Sound über die Banjo-Saiten. Mal erklingt eine Ballade, die zu Tränen rührt.

Und dann gibt es natürlich noch den Sahneschlag. Die Nacht nach dem Finale im Bluegrass-Camp, wo es aus allen Ecken surrt, summt und rauscht.

Ein paar Holländer sitzen zusammen und spielen. Erst „Amazing Grace“, dann John Denvers „Country Roads“. Und flugs glaubt man sich in den Appalachen, jener grünen Hügellandschaft zwischen Tennessee und West Virginia, in der diese Musik ihre Wurzeln hat. „Almost heaven. Blue Ridge Mountains, Shenandoah River.” Der Bluegrass erlaubt keine Pause.

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