Kritische Anmerkungen zum Friedwald
Nur Urnen aus Edelstahl?

Greven -

Das Thema interessiert, es bewegt die Menschen – zumindest in der Marienkirche. Dorthin hatten am vergangenen Donnerstagabend katholische und evangelische Kirche sowie der NABU-Kreisverband Steinfurt zur Informationsveranstaltung „Über allen Wipfeln ist Ruh...“ eingeladen. Thema: Der mögliche Friedwald in Greven.

Samstag, 26.05.2018, 07:15 Uhr

Die Grundlage für eine rege Diskussion über einen möglichen Grevener Friedwald legte Diplomingenieur Andreas Morgenroth (rechts), seines Zeichens Experte für Friedhofskonzepte.
Die Grundlage für eine rege Diskussion über einen möglichen Grevener Friedwald legte Diplomingenieur Andreas Morgenroth (rechts), seines Zeichens Experte für Friedhofskonzepte. Foto: Luca Pals

Dieser Friedwald soll nach Abstimmung des Rates im Wald an der Gronenburg entstehen. In einem Landschaftsschutzgebiet.

Als Fachmann des Abends konnte Diplomingenieur Andreas Morgenroth als Experte für Friedhofskonzepte gewonnen werden. Selbstredend sei der Hamburger zwar „kein Bekämpfer der Friedwälder“, aber ein „Friedhofsbeschützer.“

In seiner Analyse bezog er sich auf verschiedenste Aspekte, die seiner Meinung nach gegen einen Friedwald sprechen.

Unter anderem: Die Asche. „Hochgerechnet sind das etwa 2000 bis 2500 Kilo auf einem Hektar. Die kommen nicht wieder aus dem Boden raus.“

Eine Vielzahl an Problemen würde entstehen: Von der Schwermetallbelastung über den veränderten Wasserhaushalt bis zu Bodenverdichtungen und der Störung wildernder Arten.

„Ist das noch nachhaltig?“ und weiter: „Auch aus biologisch abbaubaren Urnen treten Aschenlaugen aus. Sowas darf auf den Friedhof, aber nicht in einen Wald.“

Aus wirtschaftlicher Sicht sei es unmöglich, sich für 99 Jahre dem Wald zu verpflichten. Nach diesem Zeitraum werde der Friedwald wieder in einen normalen Wald umfunktioniert werden, so Morgenroth auf Besucher-Nachfrage.

Seit 2015 gäbe es einen Trend zum Friedwald, die Beerdigungstradition habe sich verändert. Kommt der Friedwald, empfiehlt er: Urnen aus Edelstahl, Bestattungen nur entlang der Wege, Bergung der Urnen nach Zeitablauf und sichere Rücklagen seitens der Stadt.

In der Diskussion mit den Kirchen und dem Nabu-Verband kam Unmut auf. Eine Frau aus dem Publikum: „Das war mir heute zu einseitig. Es gab nur Kontra Friedwald.“ Eine andere beklagte zu wenig konkrete Informationen: „Wo soll der Wald genau entstehen?“

Evangelische und katholische Kirche sowie Nabu-Verband machten ihre Standpunkte gegen den Friedwald deutlich. Während es bei der Nabu um „ökologische Aspekte“ geht, ging es den Kirchen vor allem „um wirtschaftliche.“ Sie wollen den Friedhof als „Ort der Begegnung in der Trauer“ stärken.

Neben den zahlreichen Anwohnern werden auch die erschienen Ratsmitglieder die Ohren gespitzt haben: Sie stimmen in Zukunft über den Friedwald ab. Moderator Jürgen Mußmann vom VdK-Verband: „Ich hoffe, Sie nehmen für sich etwas aus dem Abend mit und lassen die Informationen mit in Ihre Entscheidung einfließen.“ Morgenroth begrüßt: „Die Diskussion und die verschiedenen Meinungen tun dem Thema gut.“

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