Blühstreifen locken Insekten an
Es brummelt am Wegesrand

Greven -

Diese Hummel brummelt wieder. In diesem Jahr haben viele Landwirte zusätzliche Blühflächen eingerichtet.

Freitag, 15.06.2018, 07:07 Uhr

Eine Hummel fliegt von einer Blüte zur nächsten. Die Insekten haben einen großen Nahrungsbedarf.
Eine Hummel fliegt von einer Blüte zur nächsten. Die Insekten haben einen großen Nahrungsbedarf. Foto: Günter Benning

Der Streifen am Wegesrand blüht gelb und violett. Er zieht sich, 1,50 Meter breit, am Maisfeld entlang. Wer davor steht und lauscht, hört intensives Brummen. Um die Blüten herum surren Hummeln und andere Insekten. Sie finden reichlich Nahrung. „Ich glaube“, sagt Landwirt Matthias Langkamp, „dass in diesem Jahr einiges passiert ist.“

Die Insekten sterben aus. Auf den Autoscheiben ist kaum noch was zum Wegkratzen. Die Hummel ist hin. Das Thema Insektensterben ließ in den vergangenen Monaten Naturschützer, Kommunen und die Landwirte nicht los. Als einer von vielen Gründen für den Rückgang von Bienen, Hummel & Co gilt mangelnde Biodiversität. Zu deutsch: keine Blüten, kein Nahrung.

Matthias Langkamp, Ortsvereinsvorsitzender der Grevener Landwirte, hat in diesem Jahr selbst für Blühstreifen gesorgt: „Wir haben alleine zwei Hektar davon.“

Wobei man unterscheiden muss. Es gibt Blühstreifen, die sechs Meter breit sind, und Blühflächen, die ebenfalls normiert sind. Sie werden von der Landwirtschaftskammer im Programm gefördert.

Häufig, so Langkamp, wurden solche Streifen entlang von Gewässern angelegt. Die ersten Saatmischungen, die dafür verwandt wurden, hätten allerdings zu viele Gräser enthalten. „Nach kurzer Zeit setzen sich die Gräser durch“, sagt er. Dann blüht nichts mehr. Daher wurden bereits etliche Flächen umgepflügt und mit neuen Mischungen bepflanzt. Weniger Gras, mehr Blüten.

Daneben gibt es noch die freiwilligen Maßnahmen der Landwirte. Der klassische 1,5-Meter-Saumstreifen, zum Beispiel entlang eines Maisfeldes.

„Allein davon haben wir in Greven 35 Kilometer angelegt“, lobt Langkamp seine Kollegen, „damit sind wir schon Spitze. Wir tun etwas für die Biodiversität.“

Noch in der Schwebe ist ein Programm der Stadt, die in Gimbte auf städtischen und privaten Wegeseitenstreifen Blühflächen anlegen will. Insgesamt sollen rund 1000 Meter Blühstreifen durch Neueinsaat und 4700 Wegeseitenstreifen und Gräben durch eine optimierte Pflege entwickelt werden. Die städtischen Flächen sollen durch Blühstreifen auf den angrenzenden Ackerflächen ergänzt werden.

Bruno Hülsmann, Vorsitzender des Grevener Imkervereins, hält die Initiativen für einen positiven Anfang: „Ich finde es gut, dass da überhaupt etwas passiert.“ Einige Imkerkollegen sähen die Blühstreifen aber auch kritisch, „wenn sie in der Nähe von Äckern gesetzt werden, die stark mit Pestiziden belastet sind“.

Allerdings hat er auch festgestellt, dass viele Landwirte das Problem erkennen: „Auch dadurch, dass es immer mehr Biohöfe gibt.“ Zwei seiner Bienenstöcke stehen in seinem Garten, zwei auf einem Biohof in Schmedehausen.

Der Imker weist auch darauf hin, dass es nicht in erster Linie um die Bienen geht: „Das sind Haustiere, das können wir über die Zucht regeln.“ Bedroht seien die vielen anderen Insekten, die von der Vielfalt der Pflanzen abhängig sind. Unter anderem die Hummeln, die schon wegen ihrer Größe einen großen Nahrungsbedarf haben.

Was den Imker ärgert, ist aber auch der Veröden der privaten Gartenflächen: „Es gibt ganz tolle Gärten mit hervorragenden Blühpflanzen.“ Aber immer mehr sehe man tote Steingärten, die für Insekten überhaupt keinen Lebensraum bieten: „Wenn ich durch die Straße gehe, kommen mir die Tränen.“

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