Emsradweg ist in der bundesweiten Radreiseanalyse des ADFC aufgestiegen
Nummer 5 in der Rad-Hitparade

Greven -

Der Emsradweg rangiert jetzt auf Platz 5 der beliebtesten Touren in Deutschland. Sagt der ADFC. Das ist ein Wirtschaftsfaktor.

Montag, 06.08.2018, 11:24 Uhr

Günter Scharlau und sein Enkel Frederick haben den Emsradweg an der Emsquelle aufgenommen und wollen bis nach Emden fahren.
Günter Scharlau und sein Enkel Frederick haben den Emsradweg an der Emsquelle aufgenommen und wollen bis nach Emden fahren. Foto: Günter Benning

Günter Scharlau ist mit seinem Enkel Frederick in Hövelhof gestartet: „150 Kilometer bis jetzt, aber wir wollen noch bis nach Emden“, sagt der rüstige Radler auf dem Emsdeich.

Im Fünf-Minuten-Takt ziehen hier Radwanderer mit schwerem Gepäck durch. Kein Wunder: Bei der diesjährigen bundesweiten Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC ) ist der Weg zwischen Hövelhof und Emden auf Platz fünf gelandet. Die Analyse ist das Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung mit 8700 befragten Bundesbürgern, schreibt der ADFC.

„Wir haben uns auch gewundert“, sagt Andrea Grahn-Schürmann von Greven Marketing über den Aufstieg der Emsroute. Handfest spüren kann die Tourismus-Branche den Trend. Tanja Kleine , neue Geschäftsführerin im Hotel Eichenhof: „Meine Mitarbeiter sagen, es werden immer mehr Radler.“ Gerade in den Sommermonaten füllen die Biker die Hotelzimmer – zunehmend auch in Familienstärke.

Und zunehmend sind E-Biker unter den Touristen. „So 70 Prozent“, schätzt Kleine. Was zwei Schlüsse nahe liegt: Auch ältere Radler lassen sich vermehrt auf längere Touren ein. Und möglicherweise kommt damit ein Klientel in die Städte, die nicht auf den letzten Cent gucken müssen.

Helena Kottowski, die in Hövelhof am Anfang des Emsradwegs sitzt, kann das nur bestätigen: „Die Best-Ager um die 50, 60 lassen ihr Geld hier.“ Schon wenn sie nach der Anfahrt mit dem Zug sich erst mal ins Café setzen, um die Lage zu peilen. Den Aufstieg des Emsradwegs unter den deutschen Radtouren erklärt Kottowski auch mit einer verstärkten Kooperation der Vertreter der großen Flussradwege: „Gemeinsam kann man mehr erreichen.“

An der Hitparadenspitze des ADFC liegt übrigens zum 14. Mal hintereinander der Elberadweg, gefolgt von Weser- und Ruhrtal-Radweg.

76 Prozent der Deutschen fahren Rad, schreibt der Radfahrerverband in seiner Analyse, 51 Prozent davon nutzen das Fahrrad für Ausflüge und Reisen. Besonders der Bereich der Tagesausflüge habe 2017 weiter zugenommen.

Mehr als jeder Zweite radelt ins Grüne, das entspreche rund 167 Millionen Tagesausflügen in der Freizeit. Auch in den Ferien schwingen sich die Deutschen gerne aufs Rad, bei 99 Millionen Ausflügen im Urlaub nutzen sie das Fahrrad.

ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler: „4,5 Millionen Kurzreisende sind am Wochenende mit dem Fahrrad unterwegs, 3,1 Millionen unter der Woche. Zudem haben die Tagesausflüge deutlich zugenommen. Wir empfehlen den Regionen daher, sich auch auf Tages- und Kurzzeitreisende einzustellen.“

Während Radler früher ihre Touren minutiös planten, buchen viele Übernachtungen mittlerweile per Booking.com oder HRS spontan im Internet. Eichenhof-Geschäftsführerin Tanja Kleine: „Für die Gäste gibt es da die Möglichkeit, bis 18 Uhr zu stornieren.“ Für Radler im Regen gut, für Hoteliers ein Problem. Aber, so Kleine, „wir überbuchen deshalb nicht.“

Wichtig für die Orientierung vor Ort und entlang der Routen ist nach wie vor eine gute Wegweisung, sagten in der ADFC-Befragung 74 Prozent der Teilnehmer. Günter und Frederick Scharlau stehen Minuten nach dem ersten Treffen an der Kardinal-von-Galen-Straße: „Wir wollen nach Saerbeck – aber wir finden hier kein Schild.“

Louise Böhler, Abteilungsleiterin Tourismus beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): 2009 gab es eine Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums über den Fahrradtourismus. Demnach geben Fahrradausflügler 16 Euro pro Tag und Radtouristen 65 Euro pro Tag aus. Diese Untersuchung liegt nun fast zehn Jahre zurück, daher gehen wir davon aus, dass die Zahlen mittlerweile gestiegen sind. Es gibt aktuellere Untersuchungen in einzelnen Tourismusregionen, die dies vermuten lassen. So zum Bespiel im Ruhrgebiet entlang des RuhrtalRadweges. Hier gaben Tagesausflügler im Jahr 2016 rund 19 Euro pro Tag und Tagestouristen 87 Euro am Tag aus. bn

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