Überraschung nach einem heißen Sommer für die Bienenvölker
Würziger Honig als Zugabe

Greven -

Die Honigernte war – zum Teil – nicht schlecht, berichtet Imker Bruno Hülsmann. Er konnte dieses Mal auch Waldhonig ernten.

Samstag, 11.08.2018, 20:10 Uhr

Bienen von Bruno Hülsmann: Wenn es besonders heiß ist, sitzen sie in Trauben vor dem Nest und fächern kühle Luft hinein.
Bienen von Bruno Hülsmann: Wenn es besonders heiß ist, sitzen sie in Trauben vor dem Nest und fächern kühle Luft hinein. Foto: Günter Benning

Soviel Positives über den heißen und trockenen Sommer hört man selten. „Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit der Ernte“, sagt Bruno Hülsmann (65). Er ist Vorsitzender des Grevener Imkervereins – und in diesem Jahr konnte er in seinem Garten noch mal unverhofft eine zusätzliche Ladung Honig einfahren. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

In diesem Jahr wurde intensiv über das Insektensterben geschrieben. Wie geht es den Bienen?

Hülsmann: Man muss da unterscheiden. Honigbienen gibt es immer soviel wie der Imker verarbeiten kann. Er sorgt dafür, dass es wenig Bienensterben gibt. Und wenn ein Volk stirbt, wird es auch wieder ersetzt. Bei der aktuellen Diskussion um gefährdete Arten geht es um Wildbienen und um Insekten insgesamt. Natürlich leiden durch Insektizide auch unsere Bienen, aber die Gesamtmenge der Bienen wird von uns kontrolliert.

Sie haben hier mitten in der Stadt einen richtigen Naturgarten. Vermutlich mit Blick auf Insektenfreundlichkeit so angelegt?

Hülsmann: So ist es. Er ist nach und nach entstanden. Ich imkere jetzt seit sechs Jahren, seitdem habe ich ein besonderes Augenmerk darauf, den Garten für Insekten lebenswert zu machen.

Was muss man dafür tun?

Hülsmann: Man muss die Augen aufhalten. Und man muss lesen. Als Laie denkt man, jede Pflanze sei für Honigbienen geeignet. Das ist sie natürlich nicht. Jedes Insekt hat sich spezialisiert. Einige haben einen langen Rüssel, andere kommen bei bestimmten Pflanzen an den Nektar gar nicht ran. Man muss jene Pflanzen aus dem Garten werfen, die für Insekten keinen Wert haben. Völlig wertlos ist die beliebte Forsythie. Gut sind blühende Stauden wie Astern, Bergminze, Christrosen, Glockenblumen, Löwenmäulchen und viele andere.

Sie haben hier nicht nur Bienen, sondern auch ein Wespennest. Die Wespen sitzen in einem Steinhügel. Haben Sie den extra dafür eingerichtet?

Hülsmann: Nein, die sind einfach in ein Mäuseloch geschlüpft.

Wie gehen Sie mit ihren Gartenwespen um?

Hülsmann: So wie ich mich zu den Bienen verhalte, gehe ich meistens auch an die Wespen ran. Das versuche ich auch, meinen Kindern und Enkeln klar zu machen. Sobald man anfängt, nach den Tieren zu schlagen, werden die nervös und fühlen sich angegriffen. Dann ist es meistens zu spät.

Hatten Sie schon mal einen schlimmen Bienen- oder Wespenstich?

Hülsmann: Ich noch nicht. Aber ich bin auch nicht allergisch, je mehr man gestochen wird, je resistenter wird man. Das schwillt dann zwar an, geht aber auch schnell zurück.

Kennen Sie ein probates Mittel, um sich am Tisch die Wespen vom Hals zu halten?

Hülsmann: Ich halte nichts vom Zuckerwasser aufstellen. Wespen fressen gerne Fleisch. Wenn es sonnig ist und Wurst lange auf dem Tisch steht, dann kommen die. Möglichst solche Sachen schnell essen und wegbringen. Ansonsten kommen sie, die riechen das, und dann bringen sie die anderen mit. Die Kommunikation ist recht gut unter Wespen.

Wir haben Zuhause einen großen Pott Basilikum auf den Tisch gestellt – dass scheinen die Wespen nicht zu mögen.

Hülsmann: Mag sein, mir ist sonst kein Mittel bekannt. Natürlich mögen die keinen Rauch – aber wer sich will sich schon draußen am Tisch einräuchern?

Wie war denn die Honigernte in diesem Jahr?

Hülsmann: Sehr unterschiedlich. Wir hatten eigentlich im Frühjahr eine super Obstblüte. Da kam aber relativ spontan alles auf einmal. Die Imker, die ihre Völker zu diesem Zeitpunkt noch nicht groß genug hatten, die haben zum Teil auf den Frühlingshonig verzichten müssen. Es hängt vieles von der Witterung und dem Standort ab.

Sie selbst sind aber nicht unzufrieden?

Hülsmann: Nein, ich hatte, als ich jetzt aus dem Urlaub kam, noch Waldhonig bei meinen Völkern im Garten vorgefunden. Mitten in der Stadt. Ich habe noch andere Völker auf einem Biohof in Schmedehausen stehen, da war gar nichts drin.

Der Waldhonig ist würziger als normaler Honig?

Hülsmann: Ja, das ist eben kein Blütenhonig. In diesem Jahr saßen offenbar viele Läuse auf den Linden. Die Bienen saugen die Ausscheidungen der Läuse selber ab. Genauso wie Saft, der aus Lindenblätter fließt, wenn sie von Läusen angefressen werden. Beides führt zum Waldhonig.

Hat es sich in diesem Jahr bemerkbar gemacht, dass die Bauern deutlich mehr Ackerränder bepflanzt haben?

Hülsmann: Das ist ein schöner Ansatz, ein kleines Zubrot für unsere Bienen. Aber die Streifen sind ja nicht sehr groß. Doch der Weg in die Richtung, mehr ökologischer zu denken, ist richtig.

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