Burka- und Burkini-Debatte
Schwimm-T-Shirts bald erlaubt?

Greven -

222 Kommentare zu einem Beitrag in der Facebook-Gruppe „Greven aktuell“. Da muss was passiert sein. Die junge Mutter Friederike S. hatte vor fünf Tagen gepostet, sie habe im Grevener Freibad erlebt, dass Frauen mit Burka ins Wasser gegangen seien. Ihre kleine Tochter sei irritiert. Denn: „Das ist 1. sehr gefährlich und 2. absolut unhygienisch.“

Mittwoch, 15.08.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2018, 15:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 15.08.2018, 18:36 Uhr
Martin Schröder – Chef der Grevener Bäder trug zu seinem Dienstjubiläum einen klassischen Einteiler. So pflegten die Herren des 19. Jahrhunderts ins Wasser zu gehen.
Martin Schröder – Chef der Grevener Bäder trug zu seinem Dienstjubiläum einen klassischen Einteiler. So pflegten die Herren des 19. Jahrhunderts ins Wasser zu gehen. Foto: Günter Benning

Und drittens, könnte man ergänzen, es ist auch sehr unwahrscheinlich.

Martin Schröder, Chef der Grevener Bäder, kennt nämlich keinen Fall, in dem ein weiblicher Badegast mitsamt der Ganzkörperverschleierung, die in Afghanistan und Pakistan anzutreffen ist, ins Wasser gegangen wäre.

Burkini offiziell anerkannt

„Es gibt allerdings den Burkini“, sagt er, „der ist der offiziell anerkannte Badeanzug für muslimische Frauen. Den werden wir sicher nicht untersagen.“

Gegen die Vorstellung, dass Friederike S. tatsächlich eine Burka gesehen hat, spräche auch, dass dieses Kleidungsstück „die Trägerin im Wasser runterzieht“. Der Burkini dagegen besteht aus dem gleichen Stoff wie die übliche Bademode. Elastisch und schnell trocknend.

Ein handfestes anderes Problem

Schröder appelliert an die allgemeine Toleranz. „Die“, findet er, „lässt allgemein etwas nach.“ Und wenn man von Integration spreche, dann müsse man von beiden Seiten Toleranz erwarten. Auch von den Nicht-Burkini-Trägern.

Der Chef der Bäder hat derweil ein handfestes anderes Problem. Angesichts der hohen Temperaturen und der Angst „vieler Eltern und Großeltern“ vor Hautkrebs, würden Badegäste immer häufiger mit T-Shirt ins Wasser gehen.

„Wir werden das Thema in der nächsten Teamrunde besprechen“, sagt er. Denn tatsächlich habe es wegen der Shirts Beschwerden gegeben, ob die denn wohl hygienisch in Ordnung seien.

Die Lösung könnte in Schwimm-Shirts liegen. Die halten die Sonne ab, können auch im Wasser getragen werden – und seien akzeptabel.

Hinweis auf andere Länder

In der Facebook-Diskussion über den Burka-Beitrag tummeln sich die unterschiedlichsten Meinungen. Man kann sagen, die meisten sind tolerant. Andere weisen auf die Praxis in anderen Ländern hin. Wie Ulrich Heitkamp: „In Asien, zum Beispiel in Korea, muss jeder im öffentlichen Bad den Oberkörper bekleiden. In heißen asiatischen Ländern grundsätzlich, wegen Sonnenschutz, in Australien sowieso.“ Man muss ja, schreibt er, „nicht braun werden“.

Burkini für Männer

Der eine erwartet von Migranten, dass sie sich in ihrer Kleidung an die deutsche Kultur anpassen. Die andere fragt, was Kleidung mit Integration zu tun habe. Und was das Thema Hygiene angeht, das offenbar in der Burkini-Debatte eine große Rolle spielt, schreibt eine Kommentatorin: „Denkt an die ganze Schminke, billige Sonnencremes, Silikone, Urin, Haarspray, Wunden, Pilze, Menschenausscheidungen. Noch weiterschreiben?“

Der tolerante Bäderchef Schröder übrigens erinnerte daran, dass er zu seinem 40. Dienstjubiläum einen klassischen Badeanzug getragen hat, wie ihn der feine Herr von Welt bis ins 20. Jahrhundert hinein trug. Dreiviertel lange Hose, lange Arme, blaue Querstreifen. Eine Art Burkini für Männer.

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