Anklage wegen Vergewaltigung
„Dachte, dass ich sterben müsste“

Greven -

Wegen Vergewaltigung in zwei Fällen im Juni 2013 in einem Hotel in der Türkei und 2015 in der gemeinsamen Wohnung klagte die Staatsanwaltschaft einen heute 41-jährigen Mann aus Greven beim Schöffengericht in Rheine an.

Sonntag, 09.09.2018, 16:25 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 14:46 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 09.09.2018, 16:25 Uhr
Anklage wegen Vergewaltigung: „Dachte, dass ich sterben müsste“
Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung muss sich ein 41-jähriger Grevener vor dem Schöffengericht in Rheine verantworten. Foto: dpa

Nach drei Stunden wurde der Prozess auf den 14. September vertagt, um weitere Zeugen zu laden.

Der Verteidiger hatte in der Verhandlung Lichtbilder von dem Familienzimmer in dem türkischen Hotel vorgelegt, die zeigten, dass sie nicht in zwei getrennten Zimmern wohnten, wie die Ehefrau es als Zeugin sagte. Außerdem möchte er den behandelnden Arzt aus der Türkei als Zeugen hören.

Zitternd und unter Tränen

Der Angeklagte schwieg zu den Tatvorwürfen. Das Paar hat türkische Wurzeln. Sie ist Deutsche, er Türke. Vor 18 Jahren seien sie nach Deutschland gekommen. Vor Gericht ließ er sich jedes Wort übersetzen, weil seine Deutschkenntnisse dafür nicht reichten. Sie sprach Deutsch.

Seine geschiedene Ehefrau hatte erst im Zuge der Scheidung Anzeige gegen ihn erstattet. Die 31-jährige Mutter von zwei gemeinsamen Kindern schilderte zitternd und unter Tränen, wie ihr Mann sie im Urlaub in der Türkei vergewaltigt habe, als sie nicht mit ihm schlafen wollte: „Er riss mir die Kleider vom Leib, warf mich auf das Bett, legte sich auf mich, schlug und würgte mich, bis ich keine Luft mehr bekam und Sterne sah. Ich habe gedacht, dass ich sterben müsste.“ Nach dem gewaltsamen Geschlechtsverkehr habe er sie an den Haaren ins Bad gezerrt und dort weiter auf sie eingeschlagen. Von den Schlägen sei ihr Trommelfell geplatzt. Erst als die dreijährige Tochter nach ihr rief, habe er von ihr abgelassen. Während ihrer Anhörung kaute der Angeklagte Kaugummi und grinste.

Trommelfell platzt durch Schläge

Die Frau habe sich danach erst im Bad eingeschlossen, habe dann ihre Sachen gepackt und die Kinder geweckt. Mit ihnen gemeinsam wollte sie an der Rezeption die Polizei rufen. Aber der Nachtportier hätte ihr ein anderes Zimmer gegeben und gesagt, dass er erst am nächsten Tag die Polizei benachrichtigen könne. Eine Stunde später habe ihr Mann an die Tür geklopft. Sie sei schließlich wieder mit ihm gegangen und sei zwei Tage später dort zum Arzt gegangen, der ein Loch im Trommelfell diagnostiziert habe.

Mann droht mit Mord und Kindesentzug

Eine notwendige Operation wollte sie in der Türkei nicht machen lassen. Weil ihr Mann ihr gedroht hätte, ihr die Kinder wegzunehmen und sie umzubringen, habe sie weder in der Türkei noch in Deutschland Anzeige erstattet. „Ich habe eingesehen, dass eine Frau in der Türkei keine Rechte hat, wenn sie vergewaltigt wird. Das habe ich an der Rezeption gemerkt“, sagte sie. In Deutschland habe er ihr gedroht, „das Haus abzubrennen, weil ich sehen will, dass du brennend herausläufst“.

Am 8. Januar 2015 sei es wieder zu einer Vergewaltigung im gemeinsamen Haus gekommen. Erst als sie feststellte, dass er sie zudem auch noch betrogen habe, „habe ich ihn rausgeschmissen und Anzeige erstattet.“

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