Städtebaulicher Wettbewerb zur Ortsmitte
Nicht nur ein Wohngebiet

Reckenfeld -

Dass es hoch hergeht – eigentlich kein Wunder. „Ich habe vorher gewusst, dass wir hier heute keinen leichten Stand haben würden“, sagte Cosimo Palomba. Der Beigeordnete vertrat am Dienstagabend den Bürgermeister bei der Infoveranstaltung zur Neugestaltung der Reckenfelder Ortsmitte – genauer gesagt zu Bebauung jener Fläche, auf der jetzt noch die Sportplätze und die frühere Hauptschule untergebracht sind.

Mittwoch, 19.09.2018, 14:58 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 14:58 Uhr
Matthias Herding und Cosimo Palomba (zweiter und dritter von links) mussten sich kritischen Fragen stellen. Carsten Lang (Büro Wolters Partner, vierter von links) stellte den Wettbewerb vor.
Matthias Herding und Cosimo Palomba (zweiter und dritter von links) mussten sich kritischen Fragen stellen. Carsten Lang (Büro Wolters Partner, vierter von links) stellte den Wettbewerb vor. Foto: Oliver Hengst

Im Rahmen der Veranstaltung wollte die Verwaltung den vorgesehenen städtebaulichen Wettbewerb vorstellen und zugleich Rückmeldungen der Reckenfelder abholen. Was fehlt in der Ausschreibung, was ist den Bürgern wichtig?

Wie es scheint vor allem zwei Dinge: eine bessere Anbindung des neuen Quartiers vor allem an den Kirchplatz sowie ein Bürgerzentrum. Dass Letzteres in der Auslobung des Wettbewerbes mit keinem Wort erwähnt ist, ließ die Reckenfelder Volksseele kochen. Matthias Herding , im Rathaus für Stadtentwicklung zuständig, versuchte zu begründen, warum ein Bürgerhaus nicht möglich sei: „Es ist kein Betreiber in Sicht, und die Stadt kann das nicht machen.“ Keine Förderung, kein Betreiber, kein Konzept – ergo kein Bürgerzentrum. „Wir können es der Politik nicht empfehlen, insofern finden sie das hier nicht wieder“, sagte Herding.

Das wollten die Reckenfelder so nicht hinnehmen. Ernst Reiling betonte, es gebe eine

  Foto: Oliver Hengst

politische Mehrheit für ein Bürgerzentrum. Im Hansaviertel gebe es ein solches in städtischer Trägerschaft. „Wir wollen dasselbe für Reckenfeld.“ Weitere Gäste des Abends äußerten ihren Unmut – so deutlich, dass sich Palomba zu einer Klarstellung genötigt sah: „Wir wollen hier nichts unter den Tisch kehren. Wir sind hier, um die Stimmung aufzunehmen.“ Er machte aber auch klar: Die Entscheidung treffe letztlich der Rat, die Verwaltung führe nur aus.

Von vielen Teilnehmern der Versammlung wurde der Vorwurf laut, es gehe offenbar nur um ein Quartier – obwohl es doch eigentlich um die ganze Ortsmitte gehen müsste. Im Zuge von „Reckenfeld 2020“ habe man bereits viele Ideen entwickelt für eine „Ortsmitte mit Aufenthaltscharakter“, sagte Klaus Schwenken, der sich im Bürgerverein engagiert. „Für uns ist es ganz wichtig, dass diese Ziele nicht verloren gehen. Die Chance ist jetzt da. Wenn wir aber nur ein Wohnquartier planen, ist die Chance vorbei.“ Auch Wolfgang Klaus, der einst bei Reckenfeld 2020 mitmachte, ist enttäuscht. „Ich sehe wenig bis gar nichts von dem berücksichtigt, was die Bürger damals entwickelt haben.“ Falls die Sportplätze einfach nur überbaut würden, sei die Entwicklung der Ortsmitte damit für „50 oder 100 Jahre“ blockiert.

Herding erwiderte, dass man den Wettbewerb nicht überfrachten dürfe. Die Komplexität steige ins fast Unermessliche, wenn man das Wettbewerbsgebiet ausdehne (etwa auf den Kirchplatz). Gleichwohl seien die Büros aufgerufen, Ideen für die bessere Vernetzung mit dem Umfeld zu entwickeln.

Das reicht vielen Reckenfeldern nicht. Die Beschwerde, man fühle sich „über den Tisch gezogen“ wurde mit Applaus quittiert. „Ich kann die Emotionen nachvollziehen. In der Verwaltung sitzen ja auch Menschen“, sagte Palomba.

Der erleichtert zur Kenntnis genommen haben dürfte, dass es auch positive Rückmeldungen gab. Unter anderem dazu, dass die Verwaltung bewusst den Weg in die Öffentlichkeit gewählt habe – und eben nicht im stillen Kämmerlein tagt. Auch für die Dimensionen des Wohngebietes gab es Lob. Jürgen Otto etwa, der als Bauherr im Ortskern engagiert ist, freute sich, dass die Zahl von bis zu 1200 Neu-Bürgern vom Tisch ist. 180 Wohneinheiten entsprechen nach seiner Rechnung etwa 500 bis 600 Menschen, die künftig im Ortskern ein neues Zuhause finden könnten.

Gleichwohl wurde auch die Frage der Erschließung diskutiert. Allein über die Emsdettener Landstraße – das bereitet nicht nur Jürgen Otto Bauchschmerzen, der eine zusätzliche Anbindung über den Eichendorffweg vorschlug.

Wie geht es weiter? Die Verwaltung will den politischen Gremien im Oktober eine Beschlussvorlage zum Wettbewerb präsentieren – inklusive der Rückmeldungen vom Infoabend.

  Foto: Oliver Hengst

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