Gespräch mit Genuss-Freitag-Organisator Kurt Fallnit
„Wir wollen Erlebnis bieten“

Greven -

Der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg. Wir sprachen mit dem Organisator Kurt Fallnit.

Samstag, 22.09.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 22.09.2018, 12:00 Uhr
Kurt Fallnit (l.) gießt gut gelaunt seinem Gast Edmond D‘Silva ein. Pünktlich zum Marktbeginn wurde das Wetter sonnig.
Kurt Fallnit (l.) gießt gut gelaunt seinem Gast Edmond D‘Silva ein. Pünktlich zum Marktbeginn wurde das Wetter sonnig. Foto: Günter Benning

Menschentrauben um die Stände. Die Biertische am Niederort gut besetzt – der neue Genuss-Freitag lief gestern von Start an bestens. Die Idee dazu hatte der Österreicher Kurt Fallnit, der sein Weinhaus an der Kardinal-von-Galen-Straße betreibt. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Der Genuss-Freitag am Niederort ist neu. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Gut besuchter Genuss-Freitag

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  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
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    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning
  • Schöne Atmospähre, interessante Angebote -- der Genuss-Freitag war schon beim ersten Mal ein toller Erfolg.

    Foto: Günter Benning

Fallnit: Das schwebt mir schon lange vor. Erstens gehe ich gern auf Märkte. Dann hat es mir gut gefallen, als der Markt am Niederort war, weil es ein wunderschöner Platz ist. Außerdem geht die Idee in eine Zielrichtung, die wir in unserem Geschäft prinzipiell verfolgen. Wir unterstützen kleine Weinbauern und arbeiten mit denen Jahrzehnte zusammen. Und wir haben im Münsterland sehr viele hochwertige Lebensmittelproduzenten. Für diese kleinen Produzenten ist es sehr wichtig, dass es Märkte gibt, wo sie ihre Produkte direkt an die Kunden bringen können.

Der Freitag ist ja ein sonderbarer Tag. In manchen Betrieben gibt es den Casual Friday, also den Übergang in die Freizeit.

Fallnit: Es ist der beste Tag überhaupt. Es ist Ende der Woche, die Leute freuen sich auf das Wochenende, und viele haben vielleicht am Samstag gar nicht die Zeit, auf den Markt zu gehen, weil sie wegfahren oder etwas vorhaben. Außerdem soll der Genuss-Freitag ein Treffpunkt sein für Leute, die gerne auf den Markt gehen, um andere Leute treffen. Die gerne ein Glas Wein oder ein besonderes Bier trinken. Es wird gekocht, gegrillt, portionsweise verkauft.

Der Niederort hat eine Aufwertung erfahren, es kommt jetzt noch ein Systemgastronomie dorthin. Ist das ein neues Zentrum für die Stadt?

Fallnit: Kein neues Zentrum, aber es halten sich dort immer viele Familien auf. Die Möglichkeiten sind groß, es ist ein Platz zum Relaxen.

Sie sind gelernter Weinakademiker aus Österreich?

Fallnit: Oberösterreich, das ist das höchste, was ein Österreicher erreichen kann.

Bei den Österreichern gibt es ja schon lange die Tradition des Heurigen, eine Vermengung privater und professioneller Weinstube. Hat Sie das inspiriert?

Fallnit: Das System vom Heurigen geht auf Josef II., den Sohn von Maria Theresia zurück, der eigentlich sehr unbeliebt war. Aber für den Heurigen hat man ihn geliebt. Man hat Kleinbauern die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Zwischen 30 und 60 Tage im Jahr – nur kalte Sachen, nur eigene Produkte.

Auch beim Genuss-Freitag verkaufen Sie ihre Produkte an den Ständen. Aber man kann sie auch genießen. Die Stadt wird Erlebnisraum. Halten Sie das für wichtig?

Fallnit: Ja, das machen wir schon immer. Wir machen viele Dinge für unsere Kunden, wir fragen uns, woran haben sie Spaß, was mögen sie gerne. Aber was macht auch uns Spaß? Wenn ich etwa anzettele, wo ich sage, das mach ich nicht gerne, aber es bringt Geld – das wäre der falsche Ansatz.

Was ist der richtige Ansatz?

Fallnit: Wir wollen unsern Kunden Erlebnis bieten. Ich finde solche Tendenzen, wo man sagt, kauft vor Ort, sehr einspurig. Aus dem einfachen Grund: Ich lebe zu einem großen Teil von Kunden von außerhalb. Die kommen nur, wenn man ihnen etwas Besonderes bietet. Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen, um den Laden umzugestalten. Wir machen Aktionen. Dass wir jetzt nach draußen gehen, ist vielleicht ein neuer Schritt dabei.

In vielen Bereichen haben die Leute Angst vorm Internet. Auch im Weinhandel gibt es große Online-Anbieter. Was muss der lokale Anbieter tun?

Fallnit: Das muss jeder für sich entscheiden. Wir haben uns vor ein paar Jahren entschieden, nicht ins Internet zu gehen. Wir sind viel zu klein dafür. Außerdem gibt es keinen bedeutenden Anbieter in dem Bereich, der Gewinne macht. Man schreibt Verluste und gleicht das mit dem stationären Bereich aus. Das kann ich nicht. Wir machen es anders. Wir sind jedes Jahr ein bis zwei Monate unterwegs, um in den verschiedenen Ländern Weine für uns zu finden. Wir bieten Dinge an, die das Internet nicht bieten kann.

Ist Stangenware nicht üblich im Weingeschäft?

Fallnit: Ja doch, es gibt riesige Betriebe. Aber die Betriebe, die wir vertreten, hätten auf diesem Sektor überhaupt keine Chance. Wir brauchen diese Winzer, und die brauchen uns.

Der Genuss-Freitag fängt jetzt an – und macht dann gleich eine Winterpause.

Fallnit: Ja, wir wollen immer den dritten Freitag im Monat nehmen. Im Oktober machen wir ihn noch, dann ist bis Mai Ruhe – im April ist das Karfreitag, das wäre nicht so passend. Wir werden übrigens auch saisonale Anbieter, zum Beispiel für Spargel, hereinnehmen, um das Ganze belebter zu machen.

Leidet eine Stadt wie Greven eigentlich aus Ihrer Sicht unter der Nähe von Münster?

Fallnit: Nein, für mich ist das völlig andersrum. Wenn ich die Münsteraner nicht hätte, könnte ich den Laden zusperren. Viele Kunden kommen ja daher. Und darum geht es. Wir müssen so interessant und so anders sein, dass es für die Leute interessant ist, nach Greven zu fahren. Nicht andersherum.

Wenn man lange genug in Münster war, weiß man, dass viele Münsteraner keine Lust auf ihre überfüllte Innenstadt haben.

Fallnit: Richtig. Außerdem spielt es eine Rolle, dass es hier einen Parkplatz vor der Tür gibt. Und wir legen den Leuten noch die Sachen in den Kofferraum. Das gibt es in Münster nicht.

Sie stimmen also nicht in das allgemeine Klagelied des schrumpfenden Kleinstadthandels ein?

Fallnit: Eher das Gegenteil. Und das gilt nicht nur für Weinhändler. Schauen Sie sich Wieschhörster oder Ahlert an, die leben doch auch nicht von Greven alleine. Es gibt genügend Dinge, die wir hier im Ort machen können. Es muss nur zu uns passen – wie der Genuss-Freitag. Das passt zu uns – und deswegen funktioniert das auch.

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