Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani diskutiert über Integration
Eine Diskussion auf Augenhöhe

Greven -

Die Plätze in der Aula des Augustinianums Greven sind am Freitagabend zur Hälfte belegt. Einige der Anwesenden, Schüler, Berufstätige, Rentner, halten ein Buch in den Händen: „Das Integrationsparadox: Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“.

Montag, 01.10.2018, 16:46 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 30.09.2018, 18:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 01.10.2018, 16:46 Uhr
Der Autor setzte bei der anschließenden Signierstunde die engagierte Diskussion mit den Besuchern fort – sehr zur Freude von Ernst Reiling (Mitte).
Der Autor setzte bei der anschließenden Signierstunde die engagierte Diskussion mit den Besuchern fort – sehr zur Freude von Ernst Reiling (Mitte).

Vor ihnen steht der Autor, Professor Doktor Aladin El-Mafaalani . Er ist zum wiederholten Mal der Einladung von Ernst Reiling und Lore Hauschild gefolgt. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, schon seit vielen Jahren, interessante Menschen nach Greven zu holen“, erklärt der Gründer und Vorsitzende des „Reckenfelder Treffs“ - jener Verein, der bei der Ausrichtung des Abends mit dem Bündnis „Kulturpolitik“ kooperiert.

El-Mafaalani steigt sehr locker in die Lesung ein, beschreibt den Schreibprozess des Buches, spricht darüber, wie schwierig es war, das Thema verständlich zu erläutern.

Mit viel Gestik, handfesten Zahlen und dem ein oder anderen Witz bringt er den Zuhörern eine der konfliktreichsten Thematiken näher: Migration und Integration.

Warum entstehen trotz gelungener Integration zunehmend Konflikte? Der syrischstämmige Autor bedient sich bei der Beantwortung der Frage einer Metapher. An einem Tisch sitzt die deutsche Gesellschaft, am Katzentisch die Migranten der ersten Generation. Deren Kinder wachsen in Deutschland auf und wollen an den Tisch. Die dritte Generation der Migranten ist in Deutschland geboren, sie saßen schon immer am großen Tisch und wollen nun mitbestimmen. Das führe zu Konflikten.

Entscheidend sei deshalb nicht, ob man sich politisch rechts oder links einordnet, sondern: „Bin ich für oder gegen eine offene Gesellschaft?“, betont er.

Anfangs eher verhalten, dann immer reger läuft die Diskussionsrunde an. Und es besteht Redebedarf. Ein afghanischer Flüchtling berichtet aus seiner Perspektive, zwei Lehrerinnen erzählen, wie sie gelungene oder nicht gelungene Integration bei Schülern sehen.

El-Mafaalani steht vor, nicht auf der Bühne, ein Sinnbild für die Diskussion: Sie ist auf Augenhöhe. Der Soziologie Professor drängt seine Meinung nicht auf, betont, dass er von dem Durchschnitt spricht, nicht von einzelnen Schicksalen. Er freut sich, dass Interesse an dem Thema besteht, denn „erst, wenn wir verstehen, was das Problem ist, können wir Lösungen finden“, sagt El-Mafaalani.

Auch während der anschließenden Signierstunde hat er noch ein offenes Ohr für die Fragen der Gäste und auch im Foyer wurde, bei vorbereiteten kurdischen Spezialitäten, intensiv weiter diskutiert.

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