Abriss der Neuapostolischen Kirche: Nachbar weiter in Alarmstellung
Gericht lehnt Klage ab

Greven -

Jürgen Hübschen musste unlängst in einem Gerichtsstreit klein beigeben. Der Nachbar der ehemaligen Neuapostolischen Kirche, Ecke Paulusstraße / Montargisstraße, hatte beim Verwaltungsgericht Münster gegen die geplante Neubebauung geklagt.

Freitag, 05.10.2018, 11:16 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.10.2018, 11:16 Uhr
Von der ehemaligen Kirche ist nichts mehr zu sehen – an dieser Stelle entstehen zehn Wohnungen.
Von der ehemaligen Kirche ist nichts mehr zu sehen – an dieser Stelle entstehen zehn Wohnungen. Foto: Günter Benning

Nach einem Gerichtstermin allerdings ließ ihn der Richter wissen, dass er mit seiner Kritik nicht weiterkommen werde. Baugrenzen seien eingehalten, der Schattenwurf des künftigen Wohngebäudes nicht größer als bei der alten Kirche, erklärt Hübschen selbst.

Ganz aufgeben will der Oberst a.D. und „Berater für Friedenssicherung und Sicherheitskonzepte“ allerdings nicht: Vor dem Oberverwaltungsgericht läuft eine Normenkontrollklage gegen die Stadt. In der geht es ebenfalls um den Bebauungsplan. OVG-Klagen können lange dauern.

Derweil hofft Bauherr Wilfried Roth darauf, sein Bauprojekt rasch durchziehen zu können. Roths Firma „Wohnkonzepte 24“ baut auf dem Gelände der ehemaligen Kirche insgesamt zehn Wohnungen mit Größen zwischen 70 und 150 Quadratmetern: „Zwei davon sind öffentlich gefördert.“

Die Ausschreibung für das Projekt sei gelaufen, man habe einen Bauunternehmer, der das Gebäude errichten werde. In dieser Zeit ein wichtiges Pfand. „In der Wöste“, sagt der Grevener FDP-Ratsherr, „hatten wir da ein Riesenproblem.“

Für Roth ist die Kritik des Nachbarn Hübschen nicht nachvollziehbar. Das neue Gebäude sei an einer Seite zweigeschossig, an der anderen dreigeschossig: „Das passt sich an die vorhandene Bebauung an.“ Der Neubau wird ein Flachdach haben, damit sei er insgesamt nicht höher als die frühere Neuapostolische Kirche mit ihrem Spitzdach.

Das Projekt steht stellvertretend für andere Bauvorhaben in der Stadt, bei denen Baulücken in gewachsenen Wohngebieten verdichtet werden. Wenn es nach Hübschen gegangen wäre, hätten auf dem Eckgrundstück, das Roth vor zwei Jahren gekauft hatte, „gut zwei Häuser gebaut werden können“. Investoren sind aber überall an Mehrfamilienhäusern interessiert. Einerseits wegen der Rendite. Andererseits wegen der Nachfrage nach bezahlbaren Mietwohnungen in Stadtnähe.

Während der Abrissarbeiten beäugte der Nachbar Hübschen das ehemalige Kirchengrundstück. Als dort Bauarbeiter „in Vollschutz“ Ethernit-Dachplatten abnahmen und in Säcke auf dem Gelände rutschen ließen, beschwerte er sich bei der Stadt. „Es kam keine Reaktion“, sagt er, „die Nachbarn hätten gewarnt werden müssen.“

Wilfried Roth sieht das anders: „Wir haben die Ethernit-Dachplatten bei Wessling in Altenberge prüfen lassen. Sie enthielten einen Anteil von einem Prozent Asbest“, sagt er. Der Asbest trete aber nur auf, wenn die Schindeln brechen, man habe daher eine Fachfirma mit dem Abbau beauftragt. Das Vorgehen sei professionell gewesen, sagt er, „ich weiß nicht, warum wir die Nachbarn hätten informieren sollen.“

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