Tobias Sudhoff Trio und Ron Williams in der Kulturschmiede
Ein jederzeit stimmiger Dialog

Greven -

Offenbar hat der Spruch „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“ immer noch Gültigkeit, zumindest auf musikalischem Gebiet. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass am Freitag nur relativ wenige Musikliebhaber sich in der Kulturschmiede zum Konzert von Tobias Sudhoff und seinen musikalischen Weggefährten eingefunden haben.

Montag, 08.10.2018, 16:40 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 07.10.2018, 12:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 08.10.2018, 16:40 Uhr
Das leider eher übersichtliche Publikum erlebte in der Kulturschmiede vier Musiker, deren Freude am gemeinsamen Musizieren jederzeit spürbar war.
Das leider eher übersichtliche Publikum erlebte in der Kulturschmiede vier Musiker, deren Freude am gemeinsamen Musizieren jederzeit spürbar war. Foto: Axel Engels

Der am Rande von Greven wohnende Künstler hat eine exquisite Reputation in der internationalen Jazzszene, bedeutende Musiker zählen zu seinen ganz persönlichen Freunden. Seinen letzten „Ritterschlag“ hat er durch Bernd Stelter erhalten, der seine Qualitäten als Pianist und Entertainer bestens zu würdigen weiß.

Kein geringere als der Schlagzeuger Willy Ketzer, bekannt durch sein Spiel in Klaus Doldingers Passport sowie im Orchester von Kurt Edelhagen sowie Max Greger, hatte die Rhythmusfraktion übernommen und an der Saitenfront erlebte man den Kontrabassisten Paul G. Ulrich.

Beide Musiker waren Mitglieder des legendären Paul Kuhn Trios und spielen seit längerer

  Foto: Axel Engels

Zeit mit Tobias Sudhoff zusammen, so dass allein dies einen Besuch in der Kulturschmiede gelohnt hätte. Von Tobias Sudhoffs guten Kontakten profitierten dann nicht nur die Kulturinitiative als Veranstalter, sondern auch die Konzertbesucher. Da die große Dame des Jazz, Greetje Kauffeld erkrankt war, „sprang“ der in München lebende Ron Williams ein. Zur Zeit ist er mit dem Schauspiel „Onkel Toms Hütte“ auf Tournee, an seinem spielfreien Samstag reiste er extra nach Greven. Dieser sympathische Sänger füllte mit der „Harry Belafonte Story“ sowie einer Hommage an „Ray Charles“ schon große Hallen.

Nachdem also Tobias Sudhoff, Paul G. Ulrich und Willy Ketzer mit leicht swingenden Melodien den „Blauen Augen“ nach Hildegard Knef gehuldigt hatten und das Rezept der „Bechamel Sauce“ ein südamerikanisch inspiriertes musikalisches Gewand gegeben hatten, betrat Ron Williams die Bühne und hatte mit seiner natürlichen Art die Sympathien des Publikums in der Schmiede sofort gewonnen.

Er entführte in die Welt des „Hohepriesters des Soul“ Ray Charles, den er in vielen Shows schon auf der Bühne verkörpert hat. Wenn „Halleluja I Love Her So“ und „I Got A Woman“ erklangen, man unsterbliche Melodien wie „Unchaim My Heart“ und „Georgia on my Mind“ genoss, war sicherlich jeder in der Kulturschmiede überzeugt davon, am richtigen Ort zur passenden Zeit zu sein.

„CC Rider“ aus dem Jahre 1924 erklang wie vom Staub der Zeit befreit in einer mitreißen Blues-Version und „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers hat man lange nicht so unter die Haut gehend erlebt wie an diesem Abend. Blues und Ron Williams passen eben bestens zusammen, das spürte man auch ganz deutlich bei dem durch B.B. King bekannten „Everyday I have the Blues“.

Selbst beim legendären „Summertime“ von George Gershwin waren diese vier Musiker zu Hause. Mit einem mitreißenden „I Can See Clearly Now“ von Johnny Nash gab es einen Ausflug in eine vom Reggae durchdrungene Welt.

Man erlebte vier Musiker, die sich in einem jederzeit stimmigen Dialog befanden, die sich persönlich ebenso gut verstehen wie musikalisch und deren Freude am gemeinsamen Musizieren jederzeit spürbar war.

  Foto: Axel Engels

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