Debatte über sozialen Wohnungsbau
„Es ist wenig bis nichts geschehen“

Greven -

„Wir haben den sozialen Wohnungsbau über Jahre hinweg sträflich vernachlässigt.“ Als Wolfgang Hoppe (Grüne) diesen Satz im Planungsausschuss sagte, erntete er dafür keinen Widerspruch.

Mittwoch, 17.10.2018, 10:50 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 10:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 10:50 Uhr
Wohnen ist eine teure Angelegenheit. Wer sich keine frei finanzierte Wohnung leisten kann, braucht eine Sozialwohnung – doch davon gibt es in Greven zu wenig.
Wohnen ist eine teure Angelegenheit. Wer sich keine frei finanzierte Wohnung leisten kann, braucht eine Sozialwohnung – doch davon gibt es in Greven zu wenig. Foto: dpa

Im Grunde waren sich auch alle einig: In Greven fehlt es an Wohnungen, die sich auch jene leisten können, die nicht gerade im Geld schwimmen. Die sogar große Mühe haben, den Alltag zu finanzieren. Nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung haben rund 21 Prozent der Haushalte in Greven ein so knappes Monatseinkommen, dass sie sich keine frei finanzierte Wohnung leisten können – oder nur unter größten Mühen. Der Ausweg: geförderte Sozialwohnungen, aber eben daran fehlt es.

Was tun? Den Parteien schwebt eine verbindliche Quote für Neubauten vor: Sprich: ein bestimmter Anteil der Wohnungen in Neubauten sollten Sozialwohnungen sein, die man nur mit einem Wohnberechtigungsschein bekommt. Wie hoch diese Quote ausfallen sollte, da gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die Grünen fordern 40 Prozent und weitere flankierende Maßnahmen, die SPD 30 Prozent (gegebenenfalls auch mittels einer städtischen Wohnbaugesellschaft), die Linken fordern 30 bis 40 Prozent. Die hohen Werte sind darauf zurückzuführen, dass es aktuell akuten Mangel und damit Nachholbedarf gibt und die Stadt zum anderen nur Zugriff auf bestimmte Bauprojekte hat (auf das private Einfamilienhaus zum Beispiel nicht).

Matthias Herding warb bei aller Eilbedürftigkeit für Gründlichkeit. „Ich glaube, grundsätzlich sind wir einer Meinung: Wir wollen den Austausch über die Quote. Ich bin auch ein Freund von schnellen Lösungen, aber manche Sachen brauchen eben ihre Zeit.“ Man falle auch nicht auf Null zurück, wenn man sich noch etwas mehr Zeit nehme. Nach jetzigem Stand sei schließlich vorgesehen, dass bei Einzelmaßnahmen im Rahmen von Vorhaben- und Erschließungsplänen jede vierte Wohnung öffentlich gefördert wird.

Quoten-Details sollen nun in einem noch zu gründenden Arbeitskreis geklärt werden. Das beschloss der Ausschuss – trotz leichter Bauchschmerzen – letztlich einstimmig. „Den Arbeitskreis sollten wir bilden, aber der Zeitrahmen ist mir zu weit gefasst. Wir müssen uns jetzt auf die Hinterbeine stellen“, fordert Dirk Nolte (Linke). Seit der Sozialkonferenz 2012 sei „wenig bis nichts geschehen. Dabei wissen wir alle, dass es hakt.“ Die Zeit für langwierige Debatten habe man schlicht nicht zur Verfügung, rasche Angebote seien gefragt.

Die Stadt geht davon aus, dass bis 2030 rund 2200 neue Wohnungen gebraucht werden – davon 474 geförderte Mietwohnungen. Laut Dr. Christian Kriegeskotte (SPD) tritt dieser Bedarf jedoch nicht erst 2030, sondern sehr viel früher ein. Die für 2030 prognostizierte Einwohnerzahl (39 000) werde wahrscheinlich schon im nächsten oder übernächsten Jahr erreicht. Auch deshalb sei es an der Zeit zu handeln: „Die Dimension des fehlenden sozialen Wohnungsbaus in Greven hat eine Größenordnung von 1500 bis 2000 Wohnungen.“

Dem Arbeitskreis, der nun ins Leben gerufen wird, sollen Vertreter der Fraktionen sowie der Verwaltung angehören.

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