Heike Wieskötter ist mit der Rasengrab-Pflege unzufrieden
„Friedhof der Vergessenen“

Reckenfeld -

Die Friedhofskultur hat sich stark gewandelt. Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Urnen- oder ein Rasengrab. So auch Heike Wieskötter und ihre Mutter, die für den Vater und Ehemann die Bestattung in einem Rasengrab wählten. Doch inzwischen ist Heike Wieskötter sauer darüber, wie diese Rasengräber in Reckenfeld aussehen.

Dienstag, 16.10.2018, 20:40 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 16.10.2018, 20:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 16.10.2018, 20:40 Uhr
Heike Wieskötter an jener Stelle, wo ihr Vater beigesetzt ist. Mit dem Pflegezustand ist sie alles ander als zufrieden.
Heike Wieskötter an jener Stelle, wo ihr Vater beigesetzt ist. Mit dem Pflegezustand ist sie alles ander als zufrieden. Foto: Rosi Bechtel

„Voller Unkraut, vertrocknet und unansehnlich. Das hätte sich mein Vater, der im April 2016 verstarb, und diese Bestattungsform im Vorfeld mit uns abgesprochen hat, nicht so vorgestellt. Wir auch nicht.“

In Greven sind Verwandte ebenfalls in einem Rasengrab bestattet. „Da ist und war der Rasen immer schön gepflegt. Wenn ich dagegen diese Fläche hier in Recken-feld sehe, krieg ich echt einen Hals.“ Sie hat ein gewisses Verständnis dafür, dass dieser Sommer extrem war, aber sie hat auch festgestellt, dass die Rasenfläche auf dem Grevener Friedhof zwischendurch gewässert wurde. „Hier wird das nicht gemacht.“

Nach der Beisetzung ihres Vaters 2016 war erst einmal alles soweit in Ordnung. Es wurde Rollrasen verlegt – doch der ging kaputt. Die Grabstelle liegt direkt neben einer Bank, und es war das erste Grab in der Folgegräberreihe der Rasengräber. Später sackte der Boden am Gab ab. „Da wurde dann etwas Erde und Rasensamen drauf geworfen und das war es dann auch schon mit der Pflege seitens der Friedhofsverwaltung.“ Jetzt ist Heike Wieskötter endgültig der Kragen geplatzt. „Letzte Woche habe ich angerufen und mich beschwert.“ Sie bekam die Antwort, dass man sich das erst einmal ansehen werde und dann eine Entscheidung treffe. Nach einer weiteren Nachfrage bekam sie die Antwort, dass Rasen ausgesät wird. „Meine Antwort darauf lautete: Dann sieht das Grab meines Vaters und die der anderen Rasenbestattungen an Allerheiligen grau in Asche liegend aus.“ Inzwischen wurde Ra-sen eingesät, „oder besser gesagt einfach nur Samen drauf geworfen.“ Sie zeigt auf die staubtrockene Fläche, die eher wie ein Acker als eine Grabstelle aussieht. „Nicht einmal festgewalzt und angegossen wurde der Samen. Ein paar Windböen bei der trockenen Fläche und die Saat liegt sonst wo.“

Heike Wieskötter weiß, wovon sie spricht. Sie hat selbst das Gartenhandwerk mit Schwerpunkt Zierpflanzenanbau erlernt, arbeitete bei Pieper in Greven und war seinerzeit oft auch oft auf dem Grevener Friedhof im Einsatz. „Wir in Reckenfeld sind hier auf dem ,Friedhof der Vergessenen‘. In Greven achtet man auf Stil, aber da werden ja auch Führungen gemacht.“

Aktuell waren die Gärtner zwar auf dem gesamten Gelände unterwegs, haben die Wege bereinigt, aber es gibt Ecken, wo Wurzeln herausragen, die zur Gefahr, vor allem für ältere Menschen werden können. Heike Wieskötters Kritik geht nicht an die Friedhofsgärtner persönlich, sondern an die Friedhofsverwaltung. Sie ist oft in Greven und Reckenfeld auf den Friedhöfen und stellt fest, dass in der Stadt alles immer tip-top ist, egal in welchem Bereich. „Die kassieren in Reckenfeld für ein Rasengrab 1956 Euro (in Greven 1900). Was dafür geleistet wird, ist so gut wie nichts. Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass die Rasengräber, aber auch zum Teil der gesamte Friedhof regel-mäßiger gepflegt wird. Da muss die Verwaltung gegebenenfalls eben mehr Personal einsetzen.“ Denn eine Grabstelle, egal in welcher Form, sollte immer ein würdiger Ort für die Verstorbenen sein.

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