50 Jahre Hansalinie
Josef Wieck hat kräftig mitgebaut

Greven -

Vor ziemlich genau 50 Jahren wurde die Autobahn 1 zwischen Münster und Vörden als vorläufig letztes Teil der Hansalinie eröffnet. Josef Wieck hat damals kräftig mitgeholfen und erinnert sich an zunächst chaotische Zustände an der Baustelle und zum Schluss gar an mehrere Starts und Landungen von Militär-Flugzeugen.

Donnerstag, 18.10.2018, 15:48 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 14:27 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 15:48 Uhr
Vor über 50 Jahren war Josef Wieck aktiv beim Neubau der Autobahn 1 beschäftigt. Heute schaut er den Kollegen bei der Arbeit an der neuen Autobahnbrücke zu.
Vor über 50 Jahren war Josef Wieck aktiv beim Neubau der Autobahn 1 beschäftigt. Heute schaut er den Kollegen bei der Arbeit an der neuen Autobahnbrücke zu. Foto: Peter Beckmann

Manche bezeichneten es als den Schritt in die Moderne, andere nannten es den Anschluss an die Welt. Wie immer man auch darüber denkt – der 14. November 1968 war für Greven und für das Münsterland ein ganz wichtiger Tag. Denn: An diesem Tag eröffnete der damalige Verkehrsminister „Schorsch“ Leber das letzte fehlende Stück der Autobahn 1, die letzten fehlenden 78 Kilometer zwischen Münster Süd und Vörden. Dass das zu dem Zeitpunkt auch klappte, daran hatte auch der Gimbter Josef Wieck einen großen Anteil.

Wieck, dem man seine 81 Jahre nicht ansieht, arbeitete damals vor über 50 Jahren als Garten- und Landschaftsbauer bei der Firma Josef Benning in Münster. „Mit Gärtnerei hatte meine Arbeit aber wenig zu tun“, erzählt der rüstige Rentner heute. Er und seine bis zu 40 Mitarbeiter hatten damals an der Autobahn ganz andere Aufgaben. Pflasterarbeiten an den Brücken, der Wasserbau und Erdarbeiten gehörten zum Job. „Wir mussten die Böschungen der Fahrbahndämme so bearbeiten und bepflanzen, dass sie nicht abrutschten“, erinnert er sich an die lange vergangene Zeit.

Und er weiß noch heute, dass es bei den Bauarbeiten für die Hansalinie sehr chaotisch ablief. „Wir mussten teilweise die Dämme bearbeiten, obwohl die Fahrbahn noch gar nicht angelegt war.“ Noch gut erinnert er sich an die Fahrten über die „Fahrbahn“, die nur aus einer Frostschutzschicht aus 50 Zentimetern Sand bestand. „Da durfte man mit dem Auto nicht anhalten, sonst saß man fest“, erzählt Wieck lachend.

Einmal habe er sich sogar mit dem Auto überschlagen, als er mit Hilfe einer Rampe auf die Fahrbahn auf dem Damm fahren wollte, ihm aber ein Dreiachser in die Quere kam. „Ich habe nach rechts gezogen und das Auto purzelte mit mehreren Überschlägen wieder nach unten.“ Passiert ist ihm dabei – wie durch ein Wunder – fast nichts.

Das Chaos habe vor allem zu Anfang der Arbeiten geherrscht. „Das war ja für alle beteiligten Firmen neu, das musste sich erst einspielen.“ Es sei auch schließlich nicht so einfach, eine neue Autobahn zu bauen.

Er erinnert sich auch an die betroffenen Anlieger der neuen Autobahn. „Natürlich haben viele geschimpft.“ Und viele hätten auch mit ihrem Grund und Boden spekuliert, der für die Autobahn benötigt wurde. „Einige konnten den Hals auch nicht voll kriegen.“ Und einige verspekulierten sich. Denn wenn es keine Einigung über den Kaufpreis gab, wurde zwangsenteignet. Und dann gab es nur den ortsüblichen Preis.

Monatelang war Wieck mit seinen Kollegen an der Autobahn beschäftigt, hatten mit dem Boden zu kämpfen. „Teilweise fanden wir sehr schlechte Bodenverhältnisse vor, die mit Torf verbessert werden mussten.“ Lkw um Lkw karrten den benötigten Torf heran. „Beim Entladen sind auch viele umgekippt“, erinnert sich Wieck.

Und: Kurz vor der Eröffnung der Autobahn wurde die breite Straße auch als Landebahn für Militärflugzeuge getestet. Denn zwischen Greven und Münster Nord gab es in der Mitte keinen Grünstreifen. Die dort angebrachten Mittelleitplanken konnte man ruckzuck abbauen. Und schon hatte man einen Not-Landeplatz fürs Militär. „Ich habe damals zugeschaut, wie dort die Düsenflugzeuge starteten und landeten“, erzählt Wieck. Selbst den Namen der Flugzeuge weiß er noch. „Die hießen Fiat G.91.“

Tja, und am 14. November 1968, also vor fast genau 50 Jahren, war es dann so weit. Jede Menge Prominenz kam ins Münsterland. Minister Leber fuhr von Münster aus über die Autobahn von Ort zu Ort, an der Anschlussstelle Greven wurde er von einem riesigen Transparent begrüßt. „Stadt Greven dankt für die Autobahnauffahrt“. Und Greven hatte auch eine neue Polizeiwache bekommen: Die Autobahnwache direkt an der Auffahrt Greven.

Von der offiziellen Eröffnung hat Josef Wieck nichts mitbekommen. „Ich hatte auf die vielen Reden keine Lust“, sagt er. Der Gimbter ist seit 20 Jahren Rentner. Mit den Arbeiten an neuen Straßen und Autobahnen hat er nichts mehr zu tun. Aber bei der Baustelle an der Emsflutbrücke zwischen Greven und Gimbte schaut er schon noch ab und an vorbei. „Das läuft heute alles ganz anders als zur Zeit des Autobahnbaus“, sagte er und schaut den „Kollegen“ interessiert zu.

Man lernt schließlich nie aus, auch im hohen Alter nicht . . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6128972?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Polizei ermittelt nach Leichenfund: Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Nachrichten-Ticker