Soldatenrat in Reckenfeld
Scharfe Gewehre als Ausweis

Greven/Reckenfeld -

Vor 100 Jahre endete der 1. Weltkrieg. Und in Reckenfeld übernahm ein Soldatenrat...

Freitag, 09.11.2018, 07:50 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 07:43 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.11.2018, 07:50 Uhr
Nein, dies sind keine Revolutionäre, aber das Foto zeigt den damaligen Bahnhof Hembergen (später umbenannt in Reckenfeld), der 1918 vom „Soldatenrat Hembergen“ durch Wachposten besetzt wurde.
Nein, dies sind keine Revolutionäre, aber das Foto zeigt den damaligen Bahnhof Hembergen (später umbenannt in Reckenfeld), der 1918 vom „Soldatenrat Hembergen“ durch Wachposten besetzt wurde. Foto: Initiativkreis 100 Jahre Geschichte Reckenfeld

Das Ende des Ersten Weltkrieges hat auch in Greven zu revolutionären Aktivitäten geführt. In ganz Deutschland bildeten sich im November 1918 Soldatenräte. Das Ende des Kaiserreiches war besiegelt, als in Berlin die Demokratie ausgerufen wurde.

Ein solcher Soldatenrat wurde seinerzeit, am 9. November des Jahres 1918, auch im Munitionsdepot gegründet, aus dem später die Ortschaft Reckenfeld hervorgegangen ist. An Reckenfeld – so hieß eine Gemarkung – dachte zu jener Zeit noch niemand. Das Depot und auch der Bahnhof trugen den Namen Hembergen, der Soldatenrat nannte sich ergo auch „Soldatenrat Hembergen“. Das geht auf den Namen der Bauerschaft zurück und ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Dorf, das heute zu Emsdetten gehört.

Der „Soldatenrat Hembergen“ sah es als seine Aufgabe an, in der Phase des Übergangs von der kaiserlichen Monarchie zur Demokratie (später bekannt als Weimarer Republik) „die Aufrechterhaltung der Ordnung in Emsdetten und Greven“ zu gewährleisten. Dafür wurden unter anderem Bahnhof, Post und Amt übernommen, der Soldatenrat übernahm auch die Polizeigewalt und die Kontrolle über die Verteilung von Lebensmitteln. Das geht aus der Zusammenfassung hervor, die Historiker Christoph Spieker in Band I. von „Greven 1918-1950“ (Dreßler, Galen, Spieker) veröffentlicht hat.

Als die Vertreter des Soldatenrates Hembergen, Kradenpoth und Jahnke, am 9. November gegen 19 Uhr in Greven das Büro des Amtmannes Hueske aufsuchten und nach ihrem Ausweis gefragt wurden, verwiesen sie auf ihre Legitimation: 15 Soldaten mit geladenen Gewehren, die vor der Tür warteten. Das war aber auch das einzige Revolutionäre, das sich in Greven und Emsdetten jener Tage abspielte. Bei öffentlichen Versammlungen und auf Plakaten rief der Soldatenrat sogar ausdrücklich dazu auf, sich an Recht und Gesetz zu halten: „Rohe Gewalt darf und soll nicht Platz greifen! Darum seid der Freiheit würdig und haltet Ruhe und Ordnung! Raub und Plünderung werden mit Todesstrafen belegt. Die Verwaltung wird wie bisher fortgeführt.“

Der Soldatenrat trat weiter kaum in Erscheinung und zog sich nach nicht mal zwei Wochen wieder zurück, weil sich dann gewählte Räte bildeten, die sich der Belange der Bevölkerung annahmen.

Und Reckenfeld? Sowohl der Ort als auch der Name entstanden erst nach und nach. Wie Ortshistoriker Manfred Rech herausgefunden hat, schrieb Amtmann Hueske am 15. März 1919: „Es hat sich im Laufe der Zeit als Bedürfnis herausgestellt, dem Nahkampfmitteldepot Hembergen und damit auch der neu errichteten Haltestelle Hembergen einen anderen Namen zu geben. Die Bezeichnung Hembergen ist überhaupt eine falsche, da das Depot nicht in Hembergen, sondern in der Bauerschaft Herbern liegt. Die Bezeichnung Herbern ist auch nicht wünschenswert, da es im Kreise Lüdinghausen eine Gemeinde gleichen Namens gibt. Vielleicht eignet sich die Bezeichnung Reckenfeld und ist dieserhalb mit der Eisenbahn, Post und der Verwaltung in Verbindung zu treten.“ Es vergingen noch viele Jahre, bis aus Hembergen Reckenfeld wurde: „Namen wie „Reckenfelde“, „Reckenfeld-Hembergen“, „Hembergen-Reckenfeld“ und andere waren im Gespräch. Am 4. August 1930 gab dann die Reichsbahndirektion Münster bekannt: Ab dem 5. Oktober 1930 wird der Bahnhof Hembergen die Bezeichnung ‚Reckenfeld‘ erhalten“, so Rech. In der Folge wurde auch der Name der Ortschaft auf „Reckenfeld“ festgelegt.

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