Uecker-Ausstellung im Ballenlager
Von Poesie geprägte Bildwelten

GReven -

Günther Uecker ist ein ganz großer in der deutschen Nachkriegs-Kunstszene. Im Ballenlager werden derzeit Bilder von ihm gezeigt. Eröffnung war am Sonntagmorgen.

Montag, 19.11.2018, 10:41 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 19.11.2018, 09:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 19.11.2018, 10:41 Uhr
Wer sich auf die Ausstellung einlässt, der versteht, warum die Arbeit Ueckers auch „Poesie der Destruktion“ genannt wird.
Wer sich auf die Ausstellung einlässt, der versteht, warum die Arbeit Ueckers auch „Poesie der Destruktion“ genannt wird.

Der Nagelkünstler kann auch anders, ganz anders. Der Nagel hat ihn zwar berühmt gemacht, aber wer nur seine Prägedrucke kennt, weiß von Günther Uecker nicht mehr als was auf seiner Visitenkarte steht.

Einen tieferen Einblick in das Leben und Wirken des heute 88-jährigen Düsseldorfers bekamen die Besucher der Ausstellung, die am Sonntag im Ballenlager eröffnet wurde. „Eine der schönsten Ausstellungen, die ich jemals hier gesehen habe“, schwärmte einer der vielen Besucher, für die extra noch Stühle herbeigeholt werden mussten, so groß war das Interesse an der Arbeit eines der bedeutendsten deutschen Künstler.

Viel Arbeit hatten auch Galerist Hans-Georg Hunold und sein Team, das den ganzen Samstag über alle Hände voll damit zu tun hatte, die Helau-Halle (Freitag hatten dort die Narren das Sagen) in einen Kunst-Tempel zu verwandeln und den gut 80 grafischen Arbeiten Ueckers ein angemessenes Ambiente zu verschaffen. Das erste Lob dafür, dass das bis auf den letzten Fitzen Konfetti gelungen ist, gab es von Ueckers Verleger Till Brecker, der staunte, „was für ein Schätzchen Sie hier in Greven haben, viel besser kann man Ueckers Bilder ja gar nicht präsentieren“.

Bevor Brecker sowie Filmemacher und Buchautor Michael Kluth im gemeinsamen Gespräch in die Kunst Günther Ueckers einführten, war aber erst mal Kino angesagt; ohne Cola und Popcorn, dafür aber mit einem dreiviertelstündigen Porträt des Künstlers, in dem auch von Ueckers Begegnung mit Hafez erzählt wird, dem wohl wichtigsten Dichter des alten Persien.

Der im Orient hochverehrte Hafez gehört zu den bedeutendsten persischen Dichtern und Mystikern. Obwohl die Kunst des 1320 in Shiraz geborenen und vermutlich auch dort gestorbenen Lyrikers nun schon 700 Jahre alt ist, hat sie ihre Anziehungskraft für nachfolgende Künstlergenerationen nicht verloren. In seinen „Huldigungen an Hafez“ überträgt Günther Uecker die poetische Sprache der Verse des persischen Dichters in von Farbe und Rhythmus geprägte Bildwelten. Hafez´Gedichtsammlung „Der Diwan“ enthält mehrere Hundert Verse über Liebe, Sehnsucht und Schönheit. Günther Uecker übersetzte diese Dichtung in 42 Blätter mit einer eigentümlich sinnlichen Präsenz: „Den Dichter auf seinen Wegen zu begleiten, die Wörter werden zu Farben, bekränzen ihn und seine wundersamen Verse. In Farben getaucht die Blätter und Ranken, geschriebene Bilder, jubelnd im Gesang, im Lebenstaumel erstrahlen die Wörter, Visionen der geschichtlichen Gegenwart“, sagt Günther Uecker über seine eigenen Blätter.

Die „Huldigungen“ bilden zwar das Kernstück der Ausstellung, die aber eben auch andere geschriebene Bilder und optische Partituren zeigt, außerdem auch Ueckers jüngste Arbeit „Ouroboros“ – und natürlich einige Nagelbilder. Wer sich auf die Ausstellung im Ballenlager einlässt, die Erklärtexte liest oder Michael Kluths neues Buch über Günther Uecker, der versteht ein wenig mehr, warum die Arbeit des Nagelkünstlers auch „Poesie der Destruktion“ genannt wird: sie ist widersprüchlich, provokant und leidenschaftlich, aber auch getragen von einem hartnäckigen Optimismus.

► Die Ausstellung kann von dienstags bis sonntags von 13 bis 19 Uhr besucht werden, der Eintritt beträgt fünf Euro. Zur Finissage am 1. Dezember um 19 Uhr lädt die Baháí-Gemeinde Münster unter dem Titel „Ost und West umarmen sich“ zu einer mystischen Reise durch Kunst, Poesie und Religion ins Ballenlager ein.

Uecker-Ausstellung in Greven eröffnet

1/9
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
  • Uecker-Ausstellung in Greven eröffnet Foto: Hans Lüttmann
  • Foto: Hans Lüttmann
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6199062?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
„Erster Platz im Aussitzen von Problemen“
Die bis heute fehlende Milieuschutzsatzung sorgte für Streit im Rat. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das Hansa- und Hafenviertel.
Nachrichten-Ticker