Gespräch mit Dirigent Harder und Geschäftsführerin Bröker über Philharmonie in Greven
Vom Ende des Einklangs

Greven -

Schluss und Aus. Und auch keine Zugabe. Die Einklang-Philharmonie wird kein Konzert mehr in Greven geben.

Samstag, 24.11.2018, 18:00 Uhr
Dirigent Joachim Harder und Orchester-Managerin Lisa Bröker haben beim Kaffee gut lachen. Aber für sie ist das Engagement ihres Orchesters in Greven beendet.
Dirigent Joachim Harder und Orchester-Managerin Lisa Bröker haben beim Kaffee gut lachen. Aber für sie ist das Engagement ihres Orchesters in Greven beendet. Foto: Hans Lüttmann

Aus der per Ratsbeschluss im Juni angekündigten Kooperation mit „Greven Klassik“ wird nichts. Über die Gründe für den Rückzug des renommierten Orchesters aus dem Grevener Konzertbetrieb sprechen Dirigent Joachim Harder und Orchester-Managerin Lisa Bröker mit unserem Mitarbeiter Hans Lüttmann.

Im Frühjahr erschien in den Westfälischen Nachrichten ein Artikel über die schwindende Zahl der Besucher klassischer Konzerte; aber diese Entwicklung haben Sie sicher auch schon längst beobachtet.

Joachim Harder: Selbstverständlich, deswegen haben wir bereits im Sommer 2017 eine zukunftsweisende Neukonzeption der beiden Konzertreihen „Greven Klassik“ und „Einklag“ verabredet.

Darin ging es im Kern um eine Kooperation; „Klassische Konzerte aus einer Hand“ war das Schlagwort?

Lisa Bröker: Genau, beide bisher parallel laufende Reihen sollten unter dem neuen Label „Greven Klassik“ und mit neuem Inhalt zusammengelegt werden. Vorgesehen waren sieben Konzerte pro Saison, von denen die Einklang-Philharmonie drei Konzerte übernehmen sollte. Aber das war nur ein Punkt von vielen, die wir überlegt, konzipiert und in die Diskussion eingebracht haben, um neues Publikum zu gewinnen, ohne den bestehenden Abonnentenkreis zu vernachlässigen.

Ein ambitioniertes Ziel. Aber Wünschen alleine bewirkt ja noch nichts.

Harder: Richtig, deswegen haben wir ein ganzes Bündel konkreter Schritte vorgeschlagen mit dem Ziel, die Konzertsaison 2018/19 innovativ, publikumsorientiert und attraktiv zu gestalten. Dazu sollten alle sieben Konzerte in einem gemeinsamen Flyer beworben werden. „Greven Klassik“ sollte diesen Flyer in Absprache mit „Einklang“ so layouten lassen, dass auch optisch der Neustart kenntlich würde.

Der Flyer ist erschienen zum 50-jährigen Bestehen der Aula-Konzerte, und die Einklang-Philharmonie hat im vergangenen Oktober auch das Auftaktkonzert gespielt, Beethovens 9. Sinfonie.

Harder: Aber die beiden weiteren „Einklang“-Konzerte finden Sie in diesem Flyer nicht, denn die geplante Kooperation ist nicht zustande gekommen.

Ihnen ging es ja auch noch um eine neue, flexible Abo-Struktur, Online-Ticket-Verkauf und überhaupt eine Eigendarstellung der neuen Reihe auf einer eigenen Internetseite; ist das alles im Sande verlaufen?

Lisa Bröker: Wir haben immer gesagt, dass eine so geartete Kooperation nur sinnvoll ist, wenn sie tatsächlich zur Stärkung beider Konzertreihen führt; auf keinen Fall wollten wir eine Verschlechterung unserer Außendarstellung und unseres Rufs hinnehmen. Aber trotz vieler Bemühungen unsererseits, der neuen Reihe Schub und ein Gesicht zu geben, ist bis heute nichts passiert.

Was genau meinen Sie mit „nichts“?

Lisa Bröker: Von Grevener Seite aus gab es zu unseren Anregungen keinerlei Initiative, unsere Vorschläge wurden monatelang nicht einmal beantwortet. Dadurch geriet die Saisonplanung in einen solchen Verzug, dass es nach langer Grevener Untätigkeit unmöglich geworden war, die Kooperationsvereinbarung vom Juni 2017 noch umzusetzen. Im Juni 2018 gab es nach einem Gespräch mit der Grevener Kulturverwaltung eine neue Absprache: Wir verschieben die Kooperation um ein Jahr. Darüber wollte die Grevener Kulturverwaltung mit den Konzertveranstaltern sprechen und uns dann informieren. Nachdem fast drei Monate verstrichen waren, baten wir schriftlich um einen erneuten Gesprächstermin. Diese Mail ist bis heute unbeantwortet. Auf telefonische Nachfrage Anfang September im Rathaus hat man zugesichert, sich noch am selben Tag mit uns in Verbindung zu setzen; auch das ist bis heute nicht geschehen.

Und da haben Sie sich entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen?

Harder: Wie wollen Sie eine Kooperation umsetzen, wenn der Kooperationspartner sich nur ausschweigt? Das offensichtliche Desinteresse der Stadt Greven hat uns dann dazu bewogen, unsere bereits seit Jahren erfolgreiche Konzertreihe in Greven ab sofort zu beenden. Die seit 2015 veranstalteten 13 Konzerte mit Kosten von jeweils etwa 9000 Euro wurden vor allem durch eine erhebliche Förderung des Landes NRW ermöglicht; der Beitrag der Stadt Greven bestand lediglich in der kostenfreien Bereitstellung des Ballenlagers in Höhe von 125 Euro pro Konzert.

Darauf muss die Stadtverwaltung dann aber reagiert haben.

Harder: Ja, fünf Tage nach der Mitteilung erhielten wir ein Schreiben, in dem das Scheitern der Kooperation bedauert wurde. Die Sichtweisen der Beteiligten, hieß es da, seien unterschiedlich, hätten jede für sich genommen aber wohl ihre Berechtigung. Und dann, ich darf mal wörtlich aus dem Brief zitieren: „Ich halte es daher nicht für zielführend, im Nachhinein nach einem Verantwortlichen zu suchen. Öffentliche Diskussionen werden weder Ihnen noch der Stadt Greven einen Mehrwert bringen.“ Für uns ist die Verantwortlichkeit allerdings offensichtlich durch Fakten belegt. Und den angemahnten Mehrwert gibt es schon: Die Grevener Klassikfreunde, insbesondere unser treues Stammpublikum, sollten doch erfahren, dass wir unsere Reihe sehr gern fortgesetzt hätten, die Grevener Kulturverwaltung das aber vermasselt hat.

Also es gab von der Stadt kein Angebot für einen Neubeginn?

Lisa Bröker: Im Gegenteil. Weiter unten in der Antwort des Ersten Beigeordneten heißt es sogar: „Gerne bieten wir Ihnen für die Zukunft die Veranstaltungsräume im GBS für Konzerte an. Sie werden aber sicher Verständnis dafür haben, dass Ihnen die bisher eingeräumten Sonderkonditionen bei der Vermietung und Reservierung der Veranstaltungsräume nicht mehr eingeräumt werden können.“ Die großzügigen 125 Euro Saalmiete pro Konzert werden also auch noch gekappt. Kleineres Karo geht ja wohl nicht mehr.

Auf gut Deutsch heißt das wohl „unter den Teppich kehren“. Und wie soll es nun weitergehen mit der Einklang-Philharmonie, und geht es weiter?

Lisa Bröker: Wir werden die Kulturförderung des Landes für die Region Münsterland in Zukunft in Kommunen einsetzen, in denen „Einklang“ willkommen ist; und mittlerweile haben wir bereits Konzerttermine mit Lengerich und Emsdetten vereinbart. Dazu sind selbstverständlich auch alle Grevener Klassikfreunde und Einklang-Fans herzlich eingeladen.

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