Das Überforderungs-Syndrom
Mammutaufgaben für knappes Personal

Greven -

Normalerweise arbeiten Unternehmensberater nicht sieben Monate für teures Geld, ohne am Ende ein bisschen einzusparen. Christian Griesbach vom Beratungsunternehmen Rödel und Partner legte dagegen in seinem Arbeitsbericht eher eine Schüppe drauf.

Samstag, 01.12.2018, 16:09 Uhr aktualisiert: 01.12.2018, 16:20 Uhr
Grevens Rathaus kann man für vieles nutzen – etwa für Ausstellungen. Die Mitarbeiter kämpfen allerdings mit personellen Engpässen und immer neuen Anforderungen.
Grevens Rathaus kann man für vieles nutzen – etwa für Ausstellungen. Die Mitarbeiter kämpfen allerdings mit personellen Engpässen und immer neuen Anforderungen. Foto: Günter Benning

Grevens Verwaltung arbeite in vielen Bereichen am Limit, erklärte er jetzt den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses. Zwischen vier und fünf Arbeitsplätze seien für eine Verbesserung nötig. „Das, was sie hier machen“, lobte er, „könnte eine Benchmark für andere werden.“

Zu deutsch: Die nächsten Kommunen, die Griesbach besucht, werden wohl zu hören bekommen, mit welch knappen Ressourcen man in Greven arbeiten kann.

Der Kommunalberater, der aufgrund eines Antrags der CDU nach Greven gerufen war, stellte allerdings deutliche Mängel in der Verwaltung fest: „Es laufen hier deutlich über 50 Projekte – aber niemand hat die Übersicht.“

Eine zentrale Stelle, die im Auge hat, wie weit einzelne Aktivitäten gediehen sind, wäre dringend nötig. Dafür sollte auch Personal eingestellt werden.

Im Argen liege auch die Verwaltung der städtischen Beteiligungen. Etwa an den Stadtwerken oder dem Airportpark. Wenn Kommunalpolitiker dort in den Aufsichtsräten Kontrolle ausüben sollten, dann müssten sie auch entsprechend gebrieft werden. „Und nicht nur für eine jährliche Aufsichtsratssitzung“, meint der Berater, sondern auch für das laufende Geschäft.

Auffällig war für Christian Griesbach auch, dass zwar das Thema Digitalisierung in aller Munde ist und Greven tatsächlich auch jede Menge Infrastruktur schafft: „Aber im Organigramm der Stadt steht die IT ganz weit hinten.“ Irgendwo unter ferner liefen.

Auch die Bearbeitung des Themas Umsatzsteuerberechnung sei mit dem vorhandenen Personal nicht möglich.

Einsparmöglichkeiten sah der Berater dagegen nur an wenigen Stellen – und dann im Bereich hinterm Komma. „Sie leisten hier Mammutaufgaben mit knappem Personal“, fasste Griesbach zusammen.

Teilweise versucht die Verwaltung bereits, Defizite abzubauen. Klaus Hoffstadt, Leiter des Zentralen Steuerungsdienstes der Stadt, bestätigte im Ausschuss, man sei dabei, Projektblätter herzustellen, um einen Überblick über die laufenden Geschäfte zu gewinnen. Dafür sei jetzt auch eine Mitarbeiterin abgeordnet.

Die Politik drängt. Grünen-Chef Michael Kösters-Kraft: „Auch wir haben bei all den Projekten die Übersicht verloren.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6224865?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Schon 700 Beweis-Versuche
"Bielefeld-Verschwörung": Schon 700 Beweis-Versuche
Nachrichten-Ticker