Serie: Verborgene Orte
Gekachelte Abschreckung

Greven -

Gummimatratze, weiße Kacheln, ein Stehklo, Milchglasscheiben, hinter denen sich die verschwommene Silhouette von Gefängnisgittern abzeichnen. An der Tür ist ein großer Griff – von außen. Wer hier lebt, darf nur raus, wenn die Polizei ihn rauslässt.

Montag, 03.12.2018, 10:48 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 10:50 Uhr
Drei Zellen nebeneinander. In Zelle drei gibt es sogar einen sehr bruchsicheren sanitären Bereich nach Modell des klassischen Sitzklos.
Drei Zellen nebeneinander. In Zelle drei gibt es sogar einen sehr bruchsicheren sanitären Bereich nach Modell des klassischen Sitzklos. Foto: Günter Benning

Die drei Zellen für das „Polizeigewahrsam“ liegen in einem Flur hinter der Wache am Grünen Weg. „So richtig schön“, sagt Richard Wiesmann, der Leiter des Polizeibezirksdienstes, „ist das Gefühl hier nicht. Ich bin froh, dass ich die Tür nur von außen aufschließe.“

Über der Tür der Wache fällt ein rotes Warnlicht auf: „Feuer Gewahrsam“ steht darauf. Fälle, in denen Menschen im Polizeigewahrsam verbrannten, sind ja tatsächlich vorgekommen. „Hier kann es eigentlich nicht brennen“, sagt der Bezirksdienst-Chef Wiesmann, „die Leute bekommen auch nichts mit in die Zelle, das brennen kann.“ Aber sicher ist sicher.

Wer vom Flur in Richtung Gewahrsam abbiegt, stößt erstmal auf eine Toilettenanlage von der robusten Art, wie man sie von unbewachten Autobahnparkplätzen kennt. Stahl, keine Verzierung, nüchtern und kalt.

Neben der Flurtür befinden sich: ein dicker roter Alarmknopf, blaue Plastik-Kisten für die Habseligkeiten der Verhafteten, Desinfektionsspray und ein Schild: „Zelle war belegt, bitte reinigen.“

„Die werden oft sehr dreckig hinterlassen“, erklärt Wiesmann. Und wenn man weiß, dass solche Gewahrsamszellen im Volksmund auch Ausnüchterungszellen heißen, kann man sich das vorstellen. Hier landen öfter Leute, die über den Durst getrunken haben.

Die Polizei im Kreis hat zwei „Zentralgewahrsame“, in Ibbenbüren und Rheine. Die sehen auch nicht anders aus als in Greven, erklärt Wiesmann. Aber die Sache mit dem Putzen und Desinfizieren kann dort zentral besser geregelt werden.

Gerade sind die Zellen 1 bis 3 leer, aber Wiesmann sieht nervös auf die Uhr: „Wir warten gerade auf jemanden, der hier etwas bleiben muss.“

Wenn Verdächtige von der Polizei vernommen werden, sperrt man sie in den Pausen in einen der Räume. Zu den weißen Fliesen, der Gummimatratze, dem gedämpften Tageslicht. Stühle und Tische, wie in Gefängniszellen, gibt es nicht, wohl, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. „Die Räume sind ja auch nicht für den Daueraufenthalt gedacht“, sagt der Bezirksdienstchef.

Neben der Tür befindet sich in der Zelle ein metallischer Knopf, den können die Kurzzeitgäste drücken. „Ansonsten wird bei uns engmaschig kontrolliert“, sagt Richard Wiesmann. Eine Videoüberwachung gibt es nämlich nicht.

Notfalls können in einer Zelle auch mehrere Personen untergebracht werden. Zum Beispiel nach Großeinsätzen, etwa Demonstrationen. Dann wird es hier aber eng.

An den Wänden des Zelltraktes befinden sich lange Alarmstäbe. „Passen Sie auf“, sagt Wiesmann. Wenn man bei einem Gerangel dort anstößt, gibt es Alarm auf der Wache.

Es gibt Ortstermine, da ist der Reporter froh, wieder draußen zu sein: Tief durchatmen, sich über den grauen Himmel freuen. Im Windfang der Polizeiwache stehen zwei Kripobeamten mit einem nervös trippelnden Verdächtigen im Trainingsanzug. „Kein Foto“, sagt Bezirkschef Wiesmann, „das ist unser neuer Besucher.“ Nach allem, was angedeutet wird, ist die Arrestzelle für ihn nur eine vorübergehende Etappe. Danach geht es direkt in die JVA.

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