16 Mal vorbestrafte Grevenerin zahlte Hotelrechnung nicht
Richter drückt beide Augen zu

GREVEN/STEINFURT -

Acht Tage im Hotel. Die hätten einer Grevenerin fast ein halbes Jahr Gefängnis eingebracht. Dahinter steckt eine traurige Geschichte.

Dienstag, 04.12.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 16:39 Uhr
 
  Foto: BilderBox.com

Um Haaresbreite wäre eine 45 Jahre alte Angeklagte aus Greven für sechs Monate im Gefängnis gelandet. Die gebürtige Steinfurterin saß am Dienstag wegen Betruges auf der Anklagebank des Amtsgerichts Steinfurt. Der Vorwurf: Sie nahm sich im Dezember 2017 für acht Nächte ein Hotelzimmer in Greven und verließ die Drei-Sterne-Herberge, ohne zu bezahlen.

Die Hotelrechnung belief sich auf 472 Euro. Weil sie bereits 16 Mal wegen Schwarzfahrens vorbestraft war und schon für fünf und sechs Monate in einer Justizvollzugsanstalt einsaß, drohte der frisch verheirateten Mutter eines 13-jährigen Kindes aus erster Ehe erneut ein Aufenthalt hinter Gittern. Seit drei Monaten läuft bei der Arbeitssuchenden die Privatinsolvenz.

Tatsächlich sucht die Beschuldigte dringend einen Job und den insbesondere im Hotelgewerbe. Dort hatte sie ihre Ausbildung absolviert. Aktuell wird sie von ihrem Ehemann unterstützt.

„Das stimmt alles. Warum soll ich lügen. Ich hatte einfach keine Geld für das Zimmer“, gestand die Angeklagte die Hotelzechprellerei. „Ich hatte Angst, bei meinen Eltern zu schlafen, weil dort eingebrochen worden ist“, begründete die 45-Jährige ihre Tat. Der Richter schüttelte nur den Kopf, als er das lange Vorstrafenregister durchforstete: „Ich kann nicht verstehen, dass man fürs Schwarzfahren ins Gefängnis geht. Das kann nicht sein.“ Gleichzeitig sagte der Richter der Angeklagten voraus, dass die Staatsanwaltschaft für eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung plädieren werde. So kam es auch. Sechs Monate Freiheitsstrafe forderte die Staatsanwältin ohne Galgenfrist.

„Wenn ich ins Gefängnis gehen muss, kann ich mir keine Arbeit suchen“, hoffte die Grevenerin auf eine milde Strafe. Der Richter drückte wahrhaftig beide Augen zu und wandelte die geforderte Freiheitsstrafe in eine Bewährungsstrafe um. Zusätzlich muss die Täterin 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und es werden von ihr Gegenstände im Wert 472 Euro eingezogen. „Ich hatte das Gefühl, dass sie es noch einmal wissen wollen“, meinte der Richter und warnte die Angeklagte: „Wenn sie den Auflagen nicht Folge leisten, gehen sie für sechs Monate in den Knast.“

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