Umleitung während der Sperrung der Ortsdurchfahrt
„Fühlen uns arg verschaukelt“

Reckenfeld -

Wenn im kommenden Jahr die Emsdettener Landstraße umgebaut wird, muss der Verkehr wegen der Vollsperrung umgeleitet werden. Woher? Anwohner der Alternativstrecken sind wenig begeistert. Durchgangsverkehr soll großflächig an Reckenfeld vorbei geleitet werden.

Donnerstag, 06.12.2018, 09:35 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 10:00 Uhr
Schmal, ohne Bürgersteig, schlecht beleuchtet, nicht verkehrssicher – diese Argumente brachten einige Anwohner der Industriestraße in der Sitzung vor. Dennoch wird der Verkehr (unter anderem) hier entlang umgeleitet.
Schmal, ohne Bürgersteig, schlecht beleuchtet, nicht verkehrssicher – diese Argumente brachten einige Anwohner der Industriestraße in der Sitzung vor. Dennoch wird der Verkehr (unter anderem) hier entlang umgeleitet. Foto: Oliver Hengst

Zwischendurch war manchem gar nicht klar, wer wann was beschlossen hatte. Und vor allem: warum? Wie gut, dass in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses noch mal abgestimmt werden musste. Anlass war ein Bürgerantrag, das Thema: die Umleitung des Verkehrs während des Umbaus der Emsdettener Landstraße (K53). Eine Reckenfelderin fasste es mit ihren eigenen Worten zusammen: „Ein pures Kuddelmuddel.“

Also nochmal von vorne: Im kommenden Jahr werden Kanäle in der Fahrbahn der K53 erneuert, das wollen Stadt und Kreis nutzen, um zugleich die Fahrbahn zu erneuen und einige Umbauten vorzunehmen (bis Ostern 2020). Für den Pkw-Verkehr wird künftig weniger, für Radfahrer mehr Platz zur Verfügung stehen.

Die Frage: Wo soll während der Bauzeit der Verkehr entlang fahren? Wenn es nach den Anwohnern der Industriestraße geht: nicht bei ihnen vor der Haustür. Das machten etliche Bewohner der Straße im Ausschuss deutlich. Es gab aber auch Stimmen von Anwohnern der Bahnhofstraße, die – man ahnt es – nicht gerne sähen, wenn der ganze Verkehr bei ihnen landet.

Vor allem Anwohner der Industriestraße wiesen deutlich auf ihre Interessen hin. „Da ist nicht nur die Kita, da sind noch viele Anwohner“, sagte eine Bewohnerin. Sie erkundigte sich zudem danach, wer für eventuell auftretende Schäden zahlt. Die Auskunft, dass dies natürlich die Stadt mache, im Übrigen aber bald auch ein Ausbau der Industriestraße anstehe (den die Anwohner mitzahlen müssten), sorgte für Unruhe. „Das ist ja mal praktisch. Wir fühlen uns arg verschaukelt“, sagte die Reckenfelderin dazu.

„Schäden bessert die Stadt aus, im Rahmen der Unterhaltung. Dafür müssen Sie nicht zahlen“, sagte André Kintrup, im Rathaus für Straßenbau zuständig. Die Straßenbaubeiträge müssten die Anwohner allerdings später mittragen – mit oder ohne Baustelle an der K53.

Die Anlieger brachten noch mehr Argumente vor, die aus ihrer Sicht gegen eine Öffnung der Industriestraße sprechen: die Kita, der zum Teil fehlende Bürgersteig, die mangelhafte Beleuchtung, der ohnehin schon schlechte Zustand der Straße. Laut Kintrup soll die Straße an mehreren Stellen so verengt werden, dass ein Begegnungsverkehr nicht möglich ist. In Höhe der Kita gebe es zudem ein Halteverbot, die Durchfahrt für Lkw sei nicht erlaubt, und der Durchgangsverkehr werde ohnehin großräumig umgeleitet (das sind immerhin bis zu 40 Prozent). „Die zwölf Monate Bauzeit sind die beste Verkehrsberuhigung, die Reckenfeld je erlebt hat.“ Mehr noch: Da sich K53-Baustellen auf Emsdettener Gebiet anschließen, sei mit mindestens zwei, vielleicht auch mit drei Jahren Umleitung (um Reckenfeld herum) zu rechnen. Ortskundige, die Wege innerhalb von Reckenfeld vor sich haben, suchten sich ihre Wege – offizielle Beschilderung hin oder her.

Und dann, so Kintrup, sei da ja auch noch die Öffnung der Werner-von-Siemens-Straße, die man mit einem provisorischen Lückenschluss nahe der Feuerwehr durchfahrbar mache.

So hatte es die SPD beantragt – allerdings als einzige Umleitung. Sie blieb bei ihrem Nein zur Öffnung der Industriestraße, fand dafür aber keine Mehrheit, so dass beide innerörtlichen (zusätzlich zur großräumigen) Umleitungen umgesetzt werden: Industrie- und Werner-von-Siemens-Straße. Letztere wird allerdings maximal für Lkw bis zu 3,5 Tonnen freigegeben – auch wenn es sich schwer kontrollieren lässt. Durch die Industriestraße dürfen gar keine Lkw fahren, die Umleitung wird auch nicht offiziell ausgeschildert. Das stellte Wolfgang Voss (SPD) nicht zufrieden: „Der Mensch ist wie er ist, er wird sich den kürzesten Weg suchen.“ Und das sei nun mal die Industriestraße. Laut Voss ein „Horrorszenario.“ Auch Fraktionskollege Klaus-Dieter Niepel konnte sich mit der Öffnung der Industriestraße nicht anfreunden. „Überall, wo Kitas sind, passen wir wegen der Kinder auf wie ein Luchs. Und hier? Das ist doch paradox.“

Kintrup warb dafür, die nun auf den Weg gebrachte Regelung (vier mal Nein der SPD) in der Praxis auszuprobieren. Falls es gravierende Probleme geben sollte, könne man immer noch sehr kurzfristig eingreifen.

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