Zweimal Storno im ausverkauften Ballenlager
Angie ist noch einmal dabei

Greven -

Die Rechnung, bitte! Oder nein, lieber gleich die Abrechnung, schließlich ist das Jahr fast schon wieder vorbei, und Jahresendzeitstimmung ohne „Storno“ ist ja wie Silvester ohne „Dinner for one“ oder die CDU ohne Angie.

Mittwoch, 05.12.2018, 20:33 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 20:40 Uhr
Die Herren Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke (v.l.) lassen es krachen. Und einmal noch darf Funke auch die Angie-Perücke tragen (kleines Foto).
Die Herren Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke (v.l.) lassen es krachen. Und einmal noch darf Funke auch die Angie-Perücke tragen (kleines Foto). Foto: Hans Lüttmann

Und da schüttelte es Harald Funke – vor Gram und Seelenschmerz über Angela Merkels angekündigten Rückzug.

Das Publikum im Ballenlager schüttelte sich auch – vor unbändiger Begeisterung über die Herren Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther, die wieder mal Polit-Unterhaltung der Sonderklasse boten. Gleich zweimal von der KI eingeladen, jeweils ausverkauft.

Beißend, spöttisch, spitzbübisch, wort-artistisch und ja, auch gerne mal schreiend einfältig nahmen sie das aktuelle Weltgeschehen auseinander – mit so viel Tempo, Timing und wohlgesetzten Pointen, dass schwarze Buchstaben auf weißem Papier nicht annähernd wiedergeben können, was für ein funkenschlagendes Feuerwerk das Trio da wieder abgebrannt hat.

Wen die Kracher trafen? Praktisch jeden, der es dieses Jahr auf die Titelseiten geschafft hat: Mesut Özil zum Beispiel, der uns die Hitzewelle beschert hat, die so heftig war, dass die Kühe nur noch H-Milch gaben. Der Hambacher Forst, der letzte Otto-Katalog (Funke: „Wir hatten ja nix in unserer Pubertät, also schnappten wir uns den Otto-Katalog; nur, wenn Mama sich den wiedernahm, konnte sie nicht mehr umblättern.“), der SUV-Wahnsinn, die Fußball-Pleite in Russland („Das war ´ne Demo, wir haben Putins WM nachaltig boykottiert.“), Andrea Nahles („die Rihanna der SPD“), die AfD („kein Funke Verstand, nur Emotion“), der „Hobbit Armin Laschet“ und die vermüllten Meere („Da schwimmt so viel Plastik drin, da kannste Fischstäbchen jetzt auch als Radiergummi benutzen.“)

Und der hochkarätige Mix aus scharfzüngiger Satire, musikalischer Nummernrevue und alberner Kinderei hatte sogar Platz für einen philosophischen Diskurs über Immanuel Kants Ansichten über die Würde des Menschen; das muss man erst mal bringen, Chapeau, Herr Funke! Der ja, ohne die Leistung seiner Mitspieler mindern zu wollen, der Star des Abends war. Seine umwerfende Mimik, das hitparadentaugliche Blockflöten-Intro, seine rappende Eminem-Parodie, die Verschwörungstheorien als running Gags und vor allem seine Rolle als Merkel-Schwärmer, für die er noch einmal, vielleicht ein letztes Mal, die abgegrabbelte Angie-Perücke aufsetzte und beseelt und weltvergessen die Raute machte als sei´s der Stern von Bethlehem.

„Nä, wat war dat wieder spassig“, hörte man nach dem Schlussapplaus einen Besucher schwärmen, dem sicher noch die Ohren klingelten von dem Finale furioso, in dem Angie, Horst und die Nahles mit Klassikern aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ hinter die satirische Abrechnung ein dickes Ausrufezeichen setzten.

Damit aber immer noch nicht genug, denn das tobende Publikum wollte mehr. Und bekam mit zwei Zugaben nicht nur Udo Lindenbergs berühmten „Bello“-Song und Herbert Grönemeyers tiefsinniges „Hunde“-Lied („Und der Hund heißt Hund, weil er kackt und weil er beißt...“), sondern auch die Zusage für die nächste Abrechnung kurz vor Jahresschluss 2019.

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