Okko Herlyn nimmt die Betroffenheits-Theologie auf die Schüppe
Tante Ruthild ihr Schirm im offenen Grab

Greven -

Kirchenkabarett: Okko Herlyn kennt sich aus mit den Untiefen der Evangelen. Er war Pfarrer und Theologieprofessor.

Montag, 10.12.2018, 08:25 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 08:40 Uhr
Okko Herlyn war Professor für Ethik, Anthropologie und Theologie, offenbar eine gute Abwechselung zum Kabarett.
Okko Herlyn war Professor für Ethik, Anthropologie und Theologie, offenbar eine gute Abwechselung zum Kabarett. Foto: Günter Benning

In Okko Herlyns Leben gab es so einige Brüche. Erstens wuchs der Pfarrerssohn mit dem nordischen Namen nach der Geburt zu Göttingen in Niedersachsen in fernen Ostfriesland auf. Zweitens verschlug es ihn als Pfarrer nach Duisburg an den Niederrhein.

Drittens hat der Mann eine besondere theologisch-theoretische Ader, sonst wäre er wohl nie Ethik- und Theologie-Professor geworden. Viertens aber führten all diese Brüche zu einem Wanderleben über kirchliche Bühnen. Teils zur Predigt, meist als Kabarettist. Am Freitagabend, während draußen ein kleiner Sturm ging, auch in der Jubiläums-Christuskirche in Greven.

Alt – und bald hoffentlich weiß: 125 Jahre Christuskirche

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Herlyn, jetzt schon 72, nahm dort vieles auf die Schüppe, was das evangelische Kirchenleben so prägt. Die Inline skatende Vikarin Birgit Klimatsch etwa, die darum bittet, „meine Unsicherheit auch mal ein stückweit anzunehmen“. Oder den Kantor, der sich hauptsächlich um Kuchenspenden kümmert und nach der Stimmprobe in die Schmollecke schleicht. Auch den Pfarrer, der den Reißverschluss in seiner interaktiven Predigt zur Metapher für alles Unmögliche macht.

Natürlich kommen beim Duisburger solche niederrheinischen Naturelle vor wie Tante Ruthild, die ihren Schirm im offenen Grab ihres Gatten versenkt. Statt der Baccara-Rosen. Dabei war der Schirm so günstig bei Rossmann gewesen. „9,99 – und dann noch um 50 Prozent heruntergesetzt.“

Mit seinem Programm, in dem auch Luther und sein kantig-asketisches Gegenüber Calvin („findet man in der Wäscheabteilung mit dem Zusatz ‚Klein‘“) ihr Fett abkriegen, trifft der Kirchen-Kabarettist die Seele der Gemeindemitglieder.

All dieser neumodische Kram, der uns umschwappt, die Häkelgruppe gegen die Not, der No-Future-Singkreis, das Beten mit Legosteinen – zum Ablachen. Spaß macht ihm auch die Denk- und Sprechweise seiner niederrheinischen Wahlheimat, wo es Wörter gibt wie „tuse“. Zum Beispiel in Sätzen wie: „Tuse noch ein Löffelken Honig in den Salbeitee.“ Nettes Kabarett, so tuse keinem weh.

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