Lehrer Schlütz und seine Hausinschriften
Der Mann der vielen Sprüche

Greven -

Heinrich Schlütz war ein Gimbter Dorflehrer – aber er hat an vielen Häuserwänden bleibende Spuren hinterlassen.

Mittwoch, 12.12.2018, 15:14 Uhr
An diesem Gebäude an der Schöneflieth, in dem heute Rucksack-Reisen seine Kanus parkt, befindet sich die gesuchte Inschrift
An diesem Gebäude an der Schöneflieth, in dem heute Rucksack-Reisen seine Kanus parkt, befindet sich die gesuchte Inschrift Foto: Günter Benning

Dieses as Rätsel hat Heimatforscher Hans-Dieter Bez bewegt – und zwar bis nach Gimbte, obwohl sich die Inschrift an einem Gebäude an der Schöneflieth befindet. Hier seine Erkenntnisse:

Die Hausinschrift wurde 1925 an der Wand der Scheune des Hofes Sautmann (Gimbte) angebracht. Man findet sie auch an einer Scheune im Bereich Schöneflieth, die zur früheren Gastwirtschaft Hesselmann, später Geistkämper, gehörte.

Inschrift an einem alten Scheunengebäude an der Schöneflieth.

Inschrift an einem alten Scheunengebäude an der Schöneflieth. Foto: Günter Benning

Sie hat den Text: „Help di sölws so helpt di Gott / Schaffen un Striäben is sin Gebott / dann giw He di din däglick Braut / Bewahrt di vür de laigste Naut / 1925“.

Zurückzuführen ist dieser Spruch auf den rührigen Dorflehrer Heinrich Schlütz. In den 1920er und 1930er Jahren galt seine Liebe den Inschriften an Wohnhäusern und an Scheunen. Von 1925 bis 1931 schrieb er mehrere Aufsätze (z.B. „Die Neubelebung der Hausinschriften“), die in Heimatkalendern, aber auch im „Geschäftsanzeiger des Amtes Greven“ veröffentlicht wurden.

In dem 1967 in der „Westfälische Zeitschrift“ erschienenen Aufsatz „Die westfälischen Hausinschriften im Spiegel ihres Schrifttums“ von Johannes Vincke heißt es: „… seit 1916 hatte sich Heinrich Schlütz als Lehrer in Gimbte für die Wiederaufnahme der Hausbeschriftung in seinem Schulbezirk eingesetzt. Seit 1925 hat er verschiedentlich über seine Erfahrungen berichtet und anhand selbstverfaßter Haussprüche Vorschläge für die Durchführung seiner Pläne gemacht.“

Er verfasste viele solcher Hausinschriften und überredete die Haus- bzw. Hofbesitzer, diese Inschriften anbringen zu lassen. Erfolg hatte er damit vor allem in Gimbte selbst, aber auch in den angrenzenden Bauerschaften. Überraschend ist, dass die Hausinschriften sich inhaltlich von den ursprünglich christlichen mehr und mehr zu persönlichen und weltlichen Inhalten entwickelten. Nicht zu übersehen ist auch, dass etliche solcher Hausinschriften mit Abbildungen versehen wurden.

In seinem Aufsatz „Willst du bauen?“, Untertitel „Etwas von der Neubelebung der alten deutschen Sitte der Hausinschriften“, schreibt Schlütz: „Ueber 50 Inschriften liest der fremde Wanderer im Orte und den Höfen der Umgebung. Dazu kommen 2 große Reliefs in der toten Wand von großen Scheunen: ‚Pflügender Bauer‘ und ‚Hl. Isidor, Patron der Ackersleute‘, so daß durch alles unser Dorf eine Sehenswürdigkeit geworden ist.“

In diesem Aufsatz findet sich auch der Satz: „Plattdeutsch sollen hierzulande die Inschriften sein, weil sie heimatlich bodenständiger sind.“ Die meisten seiner Inschriften sind dann auch in plattdeutscher Sprache geschrieben. Überraschend ist, er hat auch Inschriften für Häuser verschiedener Handwerker verfasst und hier veröffentlicht, ebenso zehn „unerläßliche“ Forderungen, die eine Hausinschrift erfüllen muss.

Bekannt sind zurzeit 23 Hausinschriften, die von ihm stammen.

Heinrich Schlütz wurde am 27. April 1875 in Erwitzen (Nieheim) als Sohn eines Waldarbeiters geboren. Nach dem Besuch der Präparandie in Paderborn und des Lehrerseminars in Warendorf unterrichtete er als Volksschullehrer zunächst in verschiedenen Orten des Münsterlandes. Von 1906 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1935 war er Lehrer in Gimbte.

Die Zeit seines Ruhestandes verbrachte er in Schloß Neuhaus. Am 23. April 1953 starb Heinrich Schlütz in Paderborn, bestattet wurde er in Erwitzen.

In Gimbte war Schlütz in das Dorfleben vollständig eingebunden. Er war nicht allein als Lehrer tätig, sondern auch als Organist der Kirchengemeinde, als Leiter des Cäcilienchores, als Schiedsmann und als Regisseur bei Aufführungen eines Laientheaters.

Darüber hinaus war er tätig als Verfasser einer Schulchronik, des Gimbter Heimatliedes und etlicher Zeitungsartikel, zum Beispiel zum Schützenwesen in Gimbte.

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