Diskussion über das Grevener Rathaus als Denkmal
Bäume weg – Kunst ran

Greven -

Gerade wurde die Ausstellung des 88-jährigen Düsseldorfer Nagelkünstlers Günther Uecker im Ballenlager abgebaut. Und schon gerät ein großes unvollendetes Uecker-Kunstwerk für Greven ins Visier. Beim Archivgespräch über das denkmalgeschützte Rathaus plädierte am Donnerstag der Kunstsammler Rudolf Lauscher dafür, die 1972 geplante Uecker-Lichtinstallation an der Beton-Südfront doch noch anzubringen: „Und die drei Bäume, die da gepflanzt wurden, müssen weg.“

Sonntag, 16.12.2018, 13:02 Uhr aktualisiert: 16.12.2018, 15:43 Uhr
Der Ratssaal: Holzvertäfelung auf Beton, eine Glaswand in Richtung Stadt. Wolfgang Jung (r.) hielt hier seinen Vortrag über das Denkmal Rathaus, Archivarin Anna Lindenblatt moderiert.
Der Ratssaal: Holzvertäfelung auf Beton, eine Glaswand in Richtung Stadt. Wolfgang Jung (r.) hielt hier seinen Vortrag über das Denkmal Rathaus, Archivarin Anna Lindenblatt moderiert. Foto: Günter Benning

Was die Bäume angeht, gab es am Donnerstagabend sogar Applaus von der Ratsfrau Lore Hauschild: „Ich bin zwar Grüne, aber trotzdem dafür.“ Doch was die Reaktivierung der alten Kunst-Pläne angeht, dürften wohl ein paar handfeste Probleme entstehen.

Das erste: Bisher gibt es keine alten Pläne des Uecker-Werks, außer einer Miniatur-Nachbildung am Rathaus-Modell, das in den Fluren der Verwaltung steht.

Lauscher, der die vorhandene Unterlagen aus dem Stadtarchiv gesichtet hat, fand allerdings einen Aktenvermerkt von 1972: Die Unterlagen ließen sich nicht finden, hieße es schon damals, sie seien möglicherweise an das Büro des Rathaus-Architekten Dieter Oesterlen gegangen.

Aber erst einmal ein Rückblick: 1972, das Grevener Beton-Rathaus war noch im Bau, gab es angeregte Diskussionen im Grevener Rathaus über die Kunst am Bau. Drei Künstler (Dohr, Lander, Uecker) hatten Entwürfe eingereicht. Günther Uecker aus Düsseldorf hatte eine Lichtinstallation geplant. Herstellungskosten: 50 000 DM, Honorar: 25 000 DM.

Damals setzte sich der CDU-Fraktionschef Hans Galen vehement für die Kunst ein. SPD-Chef Leo Gallien („Der rote Leo“) ebenso vehement dagegen.

Am Ende fielen bei einer Abstimmung alle Entwürfe durch. Für Uecker gab es die meiste Zustimmung. Aber 17 Ja- und 19 Nein-Stimmen reichten dennoch nicht. Rudolf Lauscher: „Da hat Greven eine Riesenchance vertan.“

Wer genau hinsieht, kann übrigens an der Südfront des Rathauses noch die Befestigungen erkennen, die für die Kunst vorgesehen war.

Offenbar um die nackte Wand zu kaschieren, wurden vor etwa zwölf Jahren drei Bäume gepflanzt. Übrigens, erinnert sich Ulrich Brinkoff (Ex-FDP-Ratsherr) bei den Archivgesprächen: „Die Bäume wurden gepflanzt, nachdem ich vorgeschlagen hatte, die Wand mit einem großen Gemälde zu versehen.“

Was nun bleibt: Hoffen. Darauf, dass eventuell im Büro des Rathaus-Architekten Oesterlen noch die alten Pläne vorhanden sind. Und dass eventuell der hochbetagte Uecker zustimmen könnte, die Kunst nachträglich anzubringen.

Bei den von Stadtarchivarin Anna Lindenblatt moderierten Archivgesprächen hatte Stadtpressesprecher Wolfgang Jung die Geschichte des Rathauses dargestellt. Ein Bau, der im Oktober 1973 übergeben wurde: „Das erste für die Verwaltung errichtete Gebäude in Greven.“ Zuvor war die Verwaltung in einem ehemaligen Hotel untergebracht, der Rat tagte in einer Gastwirtschaft.

Brutalismus, so nennt sich der Stil des Gebäudes. Mit Brutalität hat das nichts zu tun, es kommt vom französischen „béton brut“ (roher Beton), erklärte Jung. Das Gebäude, das jetzt vor einer großen energetischen Sanierung steht, war im Anfang zu groß dimensioniert. Das Arbeitsamt und eine Werbeagentur waren Untermieter.

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