Serie: Verborgene Orte
Die geheime Welt der festen Stoffe

Greven -

Von außen sieht es aus wie ein Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert. Langgestreckte Backsteinhalle, viele spitze Dächer, um Licht hereinzulassen. Setex an der Münsterstraße ist trotz der alten Mauern ein hochmodernes Textilunternehmen.

Dienstag, 18.12.2018, 06:56 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 07:01 Uhr
Großrundstrickmaschine mit 5000 Nadeln, hier werden riesige Rollen Stoff produziert.
Großrundstrickmaschine mit 5000 Nadeln, hier werden riesige Rollen Stoff produziert. Foto: Simon Döbberthin

Im Eingang eine Klingel: Besucher werden abgeholt. Das Rattern von Maschinen ist im Hintergrund zu hören.

In der Strickerei und der Weberei laufen die Anlagen auf Hochtouren. Für das Auge kaum zu erkennen, stricken die sogenannten „Großrundstrickmaschinen“ mit insgesamt 5000 Nadeln riesige Rollen aus Stoff. Komplexe Anlagen, bei denen jeder Faden einstellbar ist. Der Stoff wird für Matratzen und Kissenbezügen verwendet.

„Wir sind eine der wenigen Betriebe in Deutschland mit hauseigener Strickerei“, sagt Strickereileiter Ulrich Ungruhe gegen den Lärm. Der frühere Standort sei in Polen gewesen. Dieser habe sich wegen der hohen Transportkosten nicht gerechnet. „Deshalb haben wir die Strickerei Ende letzten Jahres wieder zu uns nach Greven geholt“, begründet er.

Die Halle ist voll. Insgesamt 14 Großrundstrickmaschinen rattern parallel. „Vier weitere werden im Januar dazu kommen“, sagt Ungruhe.

Nebenan ein Raum, in den nicht jeder eingelassen wird. Hier entstehen sehr spezifische technische Gewebe. Wie das geht? Ein Firmengeheimnis. Die Maschinen, aus denen vorne das Gewebe herauskommt, wirken hinten wie ein großes Fadenwirrwarr. „So stabil wie Stahl, bei einer Gewichtsreduzierung von 40 Prozent“, beschreibt der Produktionsleiter der Technischen Textilien, Michael Hilberg, sein „Tape“. „Unser Ziel ist es durch die Leichtbauweise etwas Gutes für die Umwelt zu tun und Energie zu sparen“, sagt er.

Für die Autoindustrie sei das Material besonders interessant, da es günstig zu beschaffen sei und dem deutlich teureren Carbon Konkurrenz mache. „Unser Tape ist geeignet für den Massenmarkt, weil es günstig ist und trotzdem stabil“, erklärt Hilberg. Auch Helme und Snowboards werden aus dem robusten Produkt hergestellt.

Das Verfahren ist eine Setex-Erfindung. Fotos von der Technik sind nicht erlaubt – man fürchtet Nachahmer. „Wir sind deutschlandweit die einzigen mit einer Webmaschine dieser Art“, berichtet Hilberg. Dabei ist die Maschine ein Unikat unter den insgesamt 60 Webanlagen in der Fabrik. Jedoch stellen die meisten Anlagen den Grundstoff für Kunstrasen und Filtergewebe für Kohlekraftwerke her.

Insgesamt 240 Mitarbeiter arbeiten aktuell bei Setex. Neues Personal wird aber, besonders für die neue Strickerei, gesucht.

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