Traditionsgaststätte schließt und meldet Insolvenz an
Der Deutsche Herd bleibt kalt

Gimbte -

Der Deutsche Herd in Gimbte ist eine Traditionskneipe. Über 50 Jahre wurde sie von der Familie Siemon betrieben. Jetzt musste man Insolvenz anmelden – eine Strukturkrise.

Samstag, 05.01.2019, 09:00 Uhr
Der Deutsche Herd in Gimbte hat Tradition: Anne Siemon (70) war 50 Jahre mit ihrem verstorbenen Mann Siggi der Motor der Gaststätte.
Der Deutsche Herd in Gimbte hat Tradition: Anne Siemon (70) war 50 Jahre mit ihrem verstorbenen Mann Siggi der Motor der Gaststätte. Foto: Günter Benning

„Heute Ruhetag“ steht an der Tür. Über die Feiertage hatte Anne Siemon ihren Deutschen Herd in Gimbte geöffnet. Doch danach musste die Wirtin der Traditionsgaststätte den Schlüssel umdrehen. Am 1. Januar wurde das seit längerem in der Schwebe befindliche Insolvenzverfahren eröffnet.

„50 Jahre war ich hier in der Küche“, sagt die gebürtige Münsteranerin, die ihren Mann Siggi bei einem Ausflug kennenlernte. Im Deutschen Herd. Er war damals mit 25 Jahren ein Jungspund am Zapfhahn.

Alte Bilder an den Wänden.

Alte Bilder an den Wänden. Foto: Günter Benning

Dass es dem Deutschen Herd nicht gut ging, war schon seit geraumer Zeit bekannt. 2015 war Wirt Siggi Siemon – eine politisch sehr aktive Gimbter Institution – verstorben. Sohn Stephan , der damals noch Küchenchef eines großen Hotels war und heute ein Bistro in Münster führt, winkte als möglicher Nachfolger ab. „Man muss sich immer überlegen“, sagte er am Freitagabend gegenüber dieser Zeitung, „wie viel Geld muss ich mitbringen, um arbeiten zu dürfen.“ Wer immer den Deutschen Herd übernimmt, er müsste investieren.

Insolvenzverwalter ist der Grevener Rechtsanwalt Hubertus Bange: „Der Betrieb war in nennenswerter Weise verschuldet“, sagt er. Zum Jahresende habe man die fünf festen Aushilfen entlassen müssen, die teilweise seit über 25 Jahren dem Deutschen Herd treu waren. Jetzt gehe es darum, die Immobilie zu verkaufen.

„Es gibt Interessenten mit den unterschiedlichsten Ideen“, sagt Bange. Darüber hinaus gebe es Überlegungen, die ein Dorfgemeinschaftshaus einbeziehen. Da es im Insolvenzverfahren aber darum gehe, zunächst die Gläubiger zu befriedigen, werde am Ende das höchste Gebot entscheidend sein.

Der historische Kamin wird immer wieder angeworfen.

Der historische Kamin wird immer wieder angeworfen. Foto: Günter Benning

„Gimbte ist ein Ort, der nach außen durch seine Gastronomie zieht“, meint Peter Hamelmann von Greven Marketing, „da kann man nur hoffen, dass schnell eine Nachfolge gefunden wird.“

Aber das ist nicht so einfach. Schon im Januar 2018 hatte Stephan Siemon in einer öffentlichen Versammlung erklärt, seine Mutter wolle die Gaststätte mitten im Ort verkaufen. „Die Leute hätten ja sowieso die Anzeigen gelesen“, rechtfertigt er die Offenheit. Allerdings hätten sich keine Käufer gefunden, die auch bereit gewesen wären, die Gastronomie zu übernehmen. Anne Siemon: „Manche dachten, wir wären die einzige Gaststätte in Gimbte.“

Dabei zeichnet sich der Ort ja gerade durch seine Vielfalt aus. Deutscher Herd, Schraeder, Kaltefleiter und Altdeutsche Schänke machen ihn attraktiv. „Früher“, erinnert sich Wirtin Siemon, „kamen die Studenten aus Münster zu uns.“

Gimbte am Abend: Das benachbarte Hotel Schraeder und Kaltefleiter.

Gimbte am Abend: Das benachbarte Hotel Schraeder und Kaltefleiter. Foto: Günter Benning

Heute machen Fachkräftemangel, aber auch ein schwer zu kalkulierender Besucherstrom das Geschäft schwierig. Siemon: „Im Sommer hatte ich zwölf Stunden geöffnet. Wegen der vielen Radfahrer.“ An die üblichen Nachmittagsruhe wäre da nicht zu denken gewesen. Und dann gebe es im Winter wieder Phasen, in denen sich niemand nach Gimbte verirrt. „Reine Ausflugsgastronomie“, sagt ihr Sohn Stephan, „ist sehr schwer zu betreiben.“

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