Greven
Tradition im Umbruch

Gimbte in der Krise. Wenn man durchs beschauliche Golddorf fährt, mag das Urteil überzogen erscheinen. Aber die Fassade bröckelt. Grevens schönster Ortsteil hat ein Strukturproblem.

Freitag, 04.01.2019, 20:00 Uhr
Günter Benning
Günter Benning Foto: Günter Benning

Die Insolvenz des Deutschen Herds ist ein Symptom. Schon vor einem Jahr war das Ende abzusehen. Ein Käufer oder Pächter für das Traditionsgasthaus war nicht zu finden. Anne und Siggi Siemon haben fünf Jahrzehnte Kneipentradition kultiviert. Aber ihr Sohn arbeitet in Münster. Der Generationswechsel blieb aus.

Das ist kein Einzelfall: Das Landhaus Oeding in den Bockholter Bergen, ein Katzensprung von Gimbte entfernt, steht seit über einem Jahr leer. Auch hier gab es eine betagte Wirtin, der Sohn kann das Geschäft nicht weiterführen.

Und direkt neben dem Deutschen Herd stand das Hotel-Restaurant Schraeder eine ganze Saison leer, als Wirtin Franziska Schraeder starb. Glücklicherweise hat sich dann mit Veselka und Goran Grujic ein erfahrenes Gastronomenpaar für das Hotel gefunden. Goran Grujic ist auch schon 57 Jahre alt.

In Gimbte steckt Potenzial. Es ist das Kneipendorf, in das man von Greven und Münster gerne fährt. Es bietet von Hausmacherkost bis zum Feindschmeckermenü für jeden Gaumen etwas. Zudem liegt es am Emsradweg, einem der beliebtesten deutschen Radwege. Das heißt aber auch: starkes Saisongeschäft, dazwischen ist Flaute.

Und die Gäste von heute erwarten mehr Terrassen-Geschäft, offene Räume, Durchblick statt Butzenscheiben. Wer hier neu anfängt, muss Geld für eine moderne Gastronomie investieren.

Gerade jetzt sieht man, wie bitter nötig das DIEK für Gimbte ist. Hinter der sperrigen Abkürzung verbirgt sich das Programm „Dorfinnenentwicklungskonzept“. Bei der Diskussion darüber reifte auch der Gedanke, ein Bürgerzentrum, eventuell mit Café, Laden, Versammlungsraum zu installieren. Die Vorstellung eines Dorfladen-Konzeptes vor einigen Wochen im Deutschen Haus endete mit der skeptischen Frage, ob es in Gimbte eine Immobilie geben könnte, die sich eignet und frei ist.

Die Immobilie gibt es jetzt. Sie würde sich vermutlich eignen oder ließe sich ausbauen. Die Frage, die sich nun stellt, ist: Gibt es Investoren, die sich an dieses Gemeinschaftsprojekt wagen? Im Insolvenzverfahren haben die Besitzer keine große Wahl. Der Meistbietende bekommt meist auch den Zuschlag. Wie es auch ausgeht, es geht um die Zukunft des Gimbter Zentrums.

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