20 Flugziele ab Greven
Germania hat Geldsorgen: Airline-Krise überrascht FMO

Berlin/Greven -

Germania hat Geldsorgen, die Berliner Airline steckt im Krisenmodus. Und nun? Ist guter Rat teuer. Am Dienstagabend offenbarte das Unternehmen in einer Nachricht unter dem Titel „aus aktuellem Anlass“ massive Liquiditätsprobleme. Und hüllte sich danach in Schweigen. Der Flugbetrieb läuft normal weiter. Doch die Gerüchteküche brodelt.

Donnerstag, 10.01.2019, 07:15 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 18:08 Uhr
Noch ist die Situation für Germania nicht zappenduster. Die Fluggesellschaft ist auf der Suche nach einem Investor, der ihre Liquiditätsprobleme kurzfristig löst.
Noch ist die Situation für Germania nicht zappenduster. Die Fluggesellschaft ist auf der Suche nach einem Investor, der ihre Liquiditätsprobleme kurzfristig löst. Foto: Gunnar A. Pier

Am Flughafen Münster/­Osnabrück ( FMO ) schlug die Nachricht überraschend und wie eine Bombe ein. „Wir wussten von nichts“, sagte Sprecher Andrés Heinemann am Mittwoch. Germania ist seit 2015 in Greven aktiv. „Wir haben die Airline als sehr seriösen und zuverlässigen Partner kennengelernt“, so Heinemann weiter. Und als einen, der am FMO gerne als „Motor des Aufschwungs“ bezeichnet wird.

20 der 27 Ziele, die vom FMO aus ausgesteuert werden, bedienen die weiß-grünen Flieger. 26 Prozent des Grevener Passagieraufkommens generierte 2018 Germania. Konkret waren das 269 000 Fluggäste, die die Airline nutzten. Sie hat sich in nur drei Jahren am FMO unentbehrlich gemacht.

Nach der Lufthansa ist Germania in Greven unangefochten die Nummer zwei und im touristischen Segment klar der Platzhirsch. Ginge der waidwund in die Knie, wäre das für den Flughafen, der 2018 seit Jahren erstmals wieder die Million- Passagier-Grenze knackte, ei­ne Katastrophe.

Großes Engagement am FMO

Air Berlin machte 2017 den Anfang, danach gingen im vergangenen Jahr bei zahlreichen weiteren Airlines die Lichter aus. Unter anderem bei Nikki, Primera Air, Azur Air, Small Planet, VLM und Skywork. Setzt sich das Krisenjahr 2018 also nahtlos fort?

Alle Ziele ab FMO

1/19
  • Mit dem Flugzeugs Münsters ungemütlichem Wetter entkommen: Im Winter 2018 / 2019 bietet der FMO 18 Ziele an.

    Foto: FMO
  • Agadir: Marokkanischen Minztee dürfen Germania-Passagiere mit Reiseziel Marokko nun am Stand von Agadir schlürfen.

    Foto: Manuel Meyer
  • Antalya: Mindestens einmal täglich geht es mit Sun Express in die Sonne der türkischen Stadt.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Faro: Germania steuert die portugiesische Stadt donnerstags an.

    Foto: dpa
  • Frankfurt: Die Lufthansa fliegt viermal täglich (dreimal täglich samstags) zum Umsteigeklassiker Frankfurt.

    Foto: Boris Roessler/dpa
  • Fuerteventura: Zweimal die Woche - montags und samstags - fliegt Germania nach Fuerteventura.

    Foto: dpa
  • Madeira: Ein Mal in der Woche fliegt Germanwings seine Passagiere nun in Ronaldos schöne Heimat.

    Foto: dpa
  • Gran Canaria: Nach Gran Canaria geht es mittwochs und sonntags, auch mit Germania.

    Foto: dpa
  • Heraklion: Der Flughafen Heraklion auf Kreta wird Zwei Mal pro Woche von Germanwings angeflogen.

    Foto: dpa
  • Hurghada: Germania und Fly-Egypt fliegen jeweils einmal wöchentlich den ägyptischen Badeort Hurghada an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Istanbul: Auch neu auf dem Flugplan steht die türkische Metropole Istanbul mit der beeindruckenden Hagia Sophia.

    Foto: Philipp Laage
  • Lanzarote: Ab dem 7.11. fliegt Germania jeden Dienstag nach Lanzarote.

    Foto: dpa
  • Malaga: Die spanische Stadt wird regelmäßig von Germania angeflogen.

    Foto: dpa
  • München: Rund 30 Mal pro Woche steuert Lufthansa München an - mit mehreren Flügen täglich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mallorca: Gleich drei Fluganbieter sind auf der Strecke in den beliebten Urlaubsort Mallora unterwegs: Germania, Niki und Eurowings. Bis auf dienstags gibt es mindestens einen Flug täglich.

    Foto: dpa
  • Salzburg: Neu auf dem Flugplan steht die österreichische Stadt Salzburg: Seit 1997 ist der historische Kern der Stadt UNESCO Weltkulturerbe.

    Foto: dpa
  • Stuttgart: AIS Airlines verbindet den FMO mit Stuttgart. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gibt es zwei Flüge, freitags einen.

    Foto: Christoph Schmidt/dpa
  • Teneriffa: Jeden Freitag fliegt Germania auf die Kanaren-Insel.

    Foto: Ina Brzoska/dpa
  • Thessaloniki: Germanwings bringt seine Passagiere jeden Freitag in die nordgriechische Stadt an der Küste.

    Foto: Anja und Andree Henschen

Branchendienste munkeln, Germania habe sich übernommen; allein im vergangenen Jahr orderte das Un­ternehmen angeblich für 120 Millionen €  Flugzeuge.

Vor allem nach der Air-Berlin-Pleite war die Gesellschaft stark gewachsen, das stetig gestiegene Engagement am FMO ist nur ein Beispiel dafür. Offiziell hatte Germania am Dienstag gestiegene Kerosinpreise, die Abwertung des Euros ge­genüber dem Dollar, erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggeräten sowie hohe Entschädigungen wegen extremer Verspätungen als für die Krise ausschlaggebend genannt.

Zum Thema: Germania

Nach der Pleite der Air Berlin ist Germania nach der Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Sie wurde Mitte der 1980er Jahre gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. Mit derzeit 28 Flugzeugen steuert die Airline vor allem beliebte Ferienziele an. Zudem setzt sie mit ihren Angeboten auf in Deutschland lebende Migranten, die einen Besuch in der Heimat planen. Derzeit arbeiten rund 1150 Mitarbeiter für die Fluglinie. Am FMO engagiert sich Germania seit 2015. Die Airline fliegt von dort 20 Ziele  an.

...

Das Luftfahrtportal „aerotelegraph.com“ berichtete, Germania habe Ende Dezember 20 Millionen €  benötigt, um weiterfliegen zu können. Airline-Eigner Karsten Balke habe auch erwogen, die Gesellschaft zu verkaufen. Das Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen – war bisher aber liquide. „Germania prüft aktuell mehrere Optionen ei­ner Finanzierung“, heißt es in der Mitteilung.

„Das aber bitte schnell“, sagte am Tag danach der FMO-Sprecher. Eile tut not. Natürlich reagieren Kunden sofort auf schlechte Nachrichten. Aus einer eigentlich beherrschbaren Situation wird so ganz schnell eine unbeherrschbare.

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