Stevens Gomes ist neuer stellvertretender Bürgermeister
Vom Karneval bis zur Jugendarbeit

Greven -

Stevens Gomes (38) ist seit einigen Wochen zweiter stellvertretender Bürgermeister Grevens. Im Interview spricht er über Persönliches und Politisches – und natürlich über Karneval

Samstag, 19.01.2019, 19:17 Uhr aktualisiert: 19.01.2019, 19:20 Uhr
Stevens und Catrin Gomes mit Tochter Fiona.
Stevens und Catrin Gomes mit Tochter Fiona. Foto: Günter Benning

Stevens Gomes (38) ist seit einigen Wochen zweiter stellvertretende Bürgermeister Grevens. Beruflich arbeitet er als Außendienstler für die Bekleidungsfirma Promodoro im Norddeutschland. Mit dem SPD-Politiker sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Wahrscheinlich wird ihr Vorname oft falsch geschrieben. Wieso ‚Stevens“ und nicht Steven?

Gomes: Weil mein Vater ein absoluter Fan von Shakin‘ Stevens war.

Ihr Vater kam aus Goa. Wo ist das?

Gomes: An der Westküste Indiens. Es war früher eine portugiesische Kolonie, daher auch der portugiesische Nachname, mit „s“ am Ende.

Ihr Vater war ein Gastarbeiter?

Gomes: Ja, er war in der portugiesischen Armee tätig, als dort ein Schreiben aus Deutschland kam: Arbeiter dringend gesucht. Da hat er sich gedacht, das mache ich mal für zwei Jahre.

Wobei es nicht geblieben ist?

Gomes: Nein, er war bei der GBS 28 Jahre lang, lernte schnell deutsch, konnte spanisch und italienisch. Da wollte man ihn nicht gehen lassen.

Jetzt sind Sie gerade stellvertretender Bürgermeister geworden. Aber der erste Amtsträger, den ich kenne, mit einem solchen Migrationshintergrund.

Gomes: Ja, aber wann ist man Migrant? Wenn man aus dem Ausland kommt, einer anderen Stadt oder wenn man Platt spricht? Wie ich es kann. Ich habe mich immer als gebürtiger Grevener gefühlt. Ich habe mitbekommen, wie Greven sich entwickelt hat. Und wie es sein wird, da bin ich selber mit dabei.

Sie haben die AFR-Realschule besucht, Industriekaufmann gelernt. Und ihre Frau kennengelernt. Schon mit 12 Jahren.

Gomes: Aber geheiratet haben wir doch erst 2006. Da waren wir schon beim CCfFL Buer und Deern gewesen und hatten unglaublich viel Spaß.

Warum der CCfFL und nicht die KG?

Gomes: In der KG bin ich auch Mitglied. Beim CCfFL, das ist eine Geschichte, die sich mit dem Vorsitzenden Helge Falkner entwickelt. Wir kennen uns seit 30 Jahren und haben gemeinsam geturnt, zumindest war er mein Trainer. Irgendwann hatte er einen Karnevalsverein gegründet. Und plötzlich war ich dabei.

Hatte das bei ihren Eltern Tradition?

Gomes: Ja, als ich Kind war, haben sie Karneval gefeiert. Irgendwann meinte meine Mutter, wir müssten mal kürzer treten. Aber durch den CCfFL fühle ich mich wieder an die Kinderzeiten erinnert.

Aber jetzt sind auch Ihre Kinder dabei?

Gomes: Beide, Fiona und Mia. Fiona war vor zwei Jahren noch Kinderprinzessin, meine Jüngste war im Elferrat.

Man lernt beim Karneval viele Leute kennen?

Gomes: Stimmt, aber mit einer Narrenkappe sehen die Leute doch anders aus. Nach der Session haben mich oft Leute gegrüßt, wo ich überlegen musste, wer war das jetzt noch mal.

Sie sind Mitglied in der SPD . Wie sind Sie da reingekommen?

Gomes: Über Dr. Krieges­kotte und Peter Vennemeyer. Der hat mal gesagt, Du redest immer viel mit uns, jetzt beteilige dich mal.

Bei der SPD in Greven hat man das Gefühl, es wackelt etwas. Zwei Ratsmitglieder sind ausgetreten. Woran liegt‘s?

Gomes: Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn man nicht den Idealen der SPD folgen kann, muss man gehen. Aber, die beiden Ratsherren, die uns verlassen haben, sind ja nicht ganz aus der Politik heraus.

Was sind Ihre Schwerpunkte in der Politik?

Gomes: Ich bin reingekommen über den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Das ist ein schweres Thema, weil man sich viel beschäftigen muss mit Architektur, mit Stadtplanung und Umweltschutz. Zum Beispiel die Windräder – das sind schwierige Themen für die Kommunalpolitik. Ein anderes Thema sind der Jugendhilfeausschuss und der Sozialausschuss. Da bin ich einmal stellvertretender Vorsitzender und Vorsitzender. Es geht um Themen, die bringen die wichtigen Gruppierungen in Greven nach vorn.

Von wem reden Sie?

Gomes: Jugendliche und Senioren – die muss man besser vernetzen. Ein schönes Beispiel, wo das auch im Stadtbild gut gelungen ist, ist der Niederort. Da gibt es Ecken für Senioren, Kinder, Jugendliche – alle gucken in die gleiche Richtung, zum Wasser hin.

Also eine symbolische, gebaute gelebte Gemeinschaft?

Gomes: Absolut, wenn man sich den Niederort anguckt, kann man im Nachhinein sagen: Schade um die alten Kastanien. Aber wenn man etwas Neues entwickeln will, dann muss man so etwas auch hinnehmen.

Greven ist in den letzten Jahren gewachsen. Was sind denn in Ihren Augen die Herausforderungen der Politik?

Gomes: Wenn man das alles so voraussehen könnte, wenn man neue Baugebiete plant, wie viele Familien mit Kindern dort hinziehen! Aber es ist ein absoluter Schwerpunkt, die Infrastruktur zu schaffen. Nicht nur in den Wohngebieten, es geht um Kindergärten, Schulen und künftige Ausbildungsplätze.

Brauchen wir eine Begrüßungskultur?

Gomes: Ich spreche gerne mit Neuzugezogenen. Die Leute sagen, Greven ist schön, ruhig und immer noch dörflich. Man kann hier zur Ruhe kommen. Spielplätze sind zum Beispiel wichtig, in der Wöste wird gerade ein kleiner Park mit Spielplatz gebaut, das wird sicher gut genutzt werden.

Was machen Sie als stellvertretender Bürgermeister?

Gomes: Ich besuche Jubilare, aber auch Ausstellungen, Eröffnungsfeiern oder Karnevalsfeten. Mir hat das immer Spaß gemacht – vor allem, weil ich viele dieser Veranstaltungen auch so besucht hätte.

Und Sie dürfen wieder nach Montargis fahren?

Gomes: Ja, drei Mal in diesem Jahr. Zur Miss Montargis-Wahl, Fronleichnam kommt die Familie mit und dann bin ich auch noch beim Feuerwehrball.

Und beim Gegenbesuch wird Ihr Haus zum Heerlager?

Gomes: Zusammen mit meinem Nachbarn, der gut Französisch spricht, laden wir immer die Feuerwehrleute ein. Dann räumen meine Kinder ihre Zimmer und wir rücken alle zusammen. Wir haben ein offenes Haus.

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