Serie: Grevener Wörter
Grevener Bier „auf Bairische Art“

Greven -

Im Februar 1866 wurde die Grevener Brauerei Hanhoff und Co. durch Eduard Schründer, Dr. Johann Pröbsting und Julius Schulze Hanhoff gen. Temming-Hanhoff gegründet. Nach fast dreißig Jahren erfolgreicher Geschäfte im Getränkebereich wurde die Brauerei im Jahre 1893 umbenannt in „Adler-Brauerei A.-G.“ und war damit Grevens erste Aktiengesellschaft.

Samstag, 09.02.2019, 13:20 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 13:30 Uhr
Im Jahr 1900 entstand dieses Bild der Belegschaft der Adler-Brauerei.
Im Jahr 1900 entstand dieses Bild der Belegschaft der Adler-Brauerei. Foto: Heimatverein

Erster Direktor der Brauerei war bis zum Jahre 1888 Eduard Schründer . Die Gebäude der Brauerei wurden dem Bahnhof gegenüber gebaut.

Mit der Produktion von Bier „auf Bairische Art“ hat man vermutlich erst im Jahre 1869 beginnen können, als entsprechende Gebäude erstellt und ein Dampfkessel aufgestellt war, der 4 Atm. Druck erzeugen konnte.

Wie damals üblich und notwendig, verfügte die Brauerei über einen großen Eis-Keller, in dem im Winter und im Frühjahr das Natureis gelagert wurde. Das Natur-Eis wurde zur Kühlung der Getränke während des Transportes in den übrigen Jahreszeiten dringend benötigt. Aber auch die Gaststätten und Privathaushalte in Greven wurden mit Hilfe spezieller Eiswagen der Brauerei, von Pferden gezogen, mit Natureis beliefert, solange der Vorrat reichte. Gewonnen wurde das Eis an und auf der Ems und an anderen Gewässern in Greven und in der näheren Umgebung.

Im Jahre 1902 wurde die Brauerei erheblich vergrößert, gebaut wurden ein neues Sudhaus mit Kühlanlage und ein neues Lagerhaus. Für die damalige Zeit war das Angebot der Brauerei an Getränken recht umfangreich. Man braute „auf bairische Art“ dunkles Lagerbier, helles Lagerbier, Frischbier, Altbier und Malzbier. Außerdem stellte man ein alkoholfreies süßes Getränk namens „Weltkrone“ her.

Eine herausgehobene Stellung in der Brauerei hatte der Braumeister. Von 1892 bis 1917 war dies Josef Siebner. Neben der Überwachung der Produktion war er als Vertreter des Brauereidirektors und der Inhaber anzusehen. Entsprechend groß waren seine Befugnisse bei Einstellungen, Arbeitseinteilungen und bei Urlaubsregelungen.

Die Adler-Brauerei hatte eine Zweigniederlassung in Münster. Dort wurde das Bier in Flaschen und in Fässer abgefüllt und mit eigenen Pferde-Gespannen, so wie in Greven auch, zu den Gaststätten gebracht.

Darüber hinaus wurde das Bier mit drei weiß gestrichenen Kessel-Wagen mit betriebseigener Aufschrift bis auf die Insel Norderney verschickt, wo schon seit Jahrzehnten einige Grevener Familien Urlaub machten. Deshalb verfügte die Brauerei auch über einen eigenen Gleisanschluss an den Grevener Bahnhof.

Der Erste Weltkrieg brachte für die Brauerei, wie für alle Brauereien, erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich. Rohstoffe zur Herstellung des Bieres, z.B. Kohlen und Malz, waren kontingentiert worden, das Bier musste gestreckt und der Bierpreis trotzdem angehoben werden.

Im Jahre 1915 wurde die erheblich kleinere Grevener Vereins-Brauerei übernommen, die auf der Ostseite des Eingangs der Martinistraße in den Niederort lag

Im Jahre 1918 musste die Adler-Brauerei kriegsbedingt aus Mangel an Kohlen, Malz und an Arbeitskräften (Einberufung zum Militär) geschlossen werden. Sie wurde deshalb im Jahre 1918 kurz nach dem Kriege an die Germania-Brauerei (Münster) verkauft.

Die Brauereigebäude brannten im September 1919 bei einem Großbrand völlig aus. Aber erst im Jahre 1931 wurden die Ruinen der Brauereigebäude beseitigt.

Seit April 2010 ist das „Adler Bier“ dank Ludger Schürhoff wieder auf dem Markt, gebraut in einer Privatbrauerei im Sauerland. Dieses Bier, hergestellt in verschiedenen Arten, wird nicht nur in Greven und in der Umgebung verkauft, sondern auch in Hong-Kong.

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