Serie: Grevener Wörter
Die Stiege mit den Pferde-Küddeln

Greven -

Die Bergstraße wurde von vielen Bewohnern des Dorfes früher gerne „Kuddelstiege“ oder „Küddelstiege“ genannt in Verballhornung des plattdeutschen Wortes „Küedelstiege“. Es kommt zu solchen Wortveränderungen, weil schon seit Jahrzehnten die Zahl derjenigen im Dorf zunimmt. die zwar Platt verstehen, es aber nicht richtig oder gar nicht sprechen.

Samstag, 16.02.2019, 07:09 Uhr
Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen. Doch hier auf der Bergstraße sorgten die vielen großen und kleinen Dunghaufen, die das Vieh hinterließ, für Ärger.
Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen. Doch hier auf der Bergstraße sorgten die vielen großen und kleinen Dunghaufen, die das Vieh hinterließ, für Ärger. Foto: Bez

Das in der Umgangssprache benutzte Wort „Küddel“ macht schnell klar, was eigentlich gemeint war: Es waren die vielen großen und kleinen Dunghaufen, die das Vieh auf dem nur wenig befestigten Weg, sicher zum Ärger der Anwohnenden, hinterließ, wenn es auf die Emswiesen oder nach Hause in den Stall getrieben wurde. Nicht bekannt ist, wer für die Beseitigung dieser Hinterlassenschaften zu sorgen hatte. Na klar: letztlich die Anwohner.

Mit dem zweiten Wortteil „-stiege“ ist ein Anstieg im Gelände gemeint, was auch der heutige Name „Bergstraße“ deutlich macht. Und was ja auch deutlich zu sehen ist.

Auf der Nordseite der Bergstraße verlief früher von der Marktstraße bis hinunter zur Martinistraße die Dorflandwehr, die Dorfgrenze. Die Dorflandwehr diente dazu, Fremden den ungehinderten Zugang zum Dorf zu verwehren, aber auch dazu, zu verhindern, dass das Vieh ungewollt den Dorfbereich verlassen konnte.

Ein Tor dieser Landwehr, richtiger gesagt ein Heck, befand sich, wie man beim Umbau der Marktstraße zur Fußgängerzone feststellte, an der Südostseite der heutigen Gaststätte Otto. Dort fand man nahe der Hauswand die Überreste eines sehr dicken Pfahls, an dem der Schlagbaum der Landwehr befestigt war, der morgens geöffnet und abends geschlossen wurde. Die Landwehr verlief von da aus wenige Schritte nördlich und dann entlang der heutigen Bakenstiege.

Der Platz vor der Bergstraßen-Landwehr an der Martinistraße hieß bis um 1800 noch „Käufers Hügel“, so genannt nach dem Namen des Besitzers eines alten Kottens an der Bergstraße.

Die Landwehr als Dorfgrenze hatte allerdings noch eine andere wichtige Bedeutung für die Grevener Bevölkerung. In einem alten Zeitungsabschnitt findet man das Grevener Gewohnheitsrecht bei der Anfahrt zur Bestattung dargestellt: „Von alters her holt die Grevener Geistlichkeit bei Beerdigungen die Toten von Sterbehäusern ab, die innerhalb der alten Dorfgrenze liegen. Auch das erste Haus außerhalb der alten Grenze war von jeher in diese Sitte mit einbezogen. Tote aus weiter gelegenen Häusern – einige Schulzenhöfe ausgenommen – werden von dem Geistlichen auf dem Marktplatze in Empfang genommen.“

Und alle wurden bis zum Jahre 1811 auf dem Kirchhof, also rund um die St. Martini-Kirche, bestattet. Der neue Friedhof lag an der Lindersheide, heute ist er ein kleiner Park östlich des Krankenhauses.

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